Februar

Wintersterne funkeln am Abendhimmel

- Im Februar lässt unsere Sonne die niedrigsten Regionen des Tierkreises hinter sich. Sie durchquert zunächst das Sternbild Steinbock und erreicht am 16. das Gebiet des Wassermannes.

Im Monatsverlauf gewinnt sie rund zehn Grad an Höhe, und das wirkt sich auch auf die Tageslänge aus: Am Monatsletzten bleibt die Sonne schon anderthalb Stunden länger über dem Horizont als zum Monatsanfang.

Der Jahreslauf der Sonne durch den Tierkreis wird hier – wie in der Astronomie üblich – immer so beschrieben, dass er sich auf die tatsächlichen Sternbilder des Himmels bezieht. Astrologen verwenden für ihre Horoskope dagegen nicht die tatsächlichen Sternbilder, sondern sogenannte Tierkreiszeichen. Sie denken sich den gesamten Tierkreis schematisch in zwölf gleich lange Abschnitte geteilt und nennen jeden solchen Abschnitt ein „Tierkreiszeichen“. Viele Menschen verwechseln Sternbilder und Sternzeichen. Dazu trägt sicher auch bei, dass die astrologischen Zeichen (mit Ausnahme des Sternbilds Schlangenträger) dieselben Namen tragen wie die wirklichen Tierkreissternbilder, also beispielsweise Widder, Stier oder Zwillinge.

So wandert die Sonne in der ersten Februarhälfte durch das reale Sternbild Steinbock, aber dieses Gebiet gehört zum astrologischen Sternzeichen Wassermann. Oft fragen Interessierte bei Sternen-Beobachtungsabenden, wo ihr Tierkreiszeichen am Sternenhimmel zu sehen sei. Aber man kann diese Zeichen nicht am Sternenhimmel beobachten, weil es nur gedachte, abstrakte Abschnitte des Tierkreises sind.

All dies ist seit Jahrhunderten bekannt. Schon im ersten wissenschaftlich fundierten Sternatlas des Johannes Bayer aus dem Jahr 1603 sind Sternbilder und Sternzeichen getrennt eingezeichnet. Nach Neumond, am 3. im Sternbild Steinbock, erscheint die haarfeine Sichel des jungen Mondes bereits am 4. wieder für kurze Zeit in der Abenddämmerung tief im Westen. Am 6. und 7. passiert die Mondsichel den hellen Planeten Jupiter. Am Abend des 6. zeigt sie sich rechts und am 7. oberhalb von Jupiter. Das erste Viertel wird am 11. erreicht. Dabei steht der Halbmond im Sternbild Widder, nahe der Grenze zum Stier. In den Abendstunden dieses Tages kann man den Trabanten dicht beim Sternhaufen der Plejaden sehen.

Die Zeit um den Halbmond ist günstig, wenn man den Erdtrabanten einmal näher betrachten möchte. Schon mit bloßen Augen erkennt man auf der rechten, beleuchteten Mondhälfte ein Muster aus dunklen Flecken, das mit einiger Phantasie als „Mann im Mond“ mit Kopf, Rumpf und zwei Beinen gedeutet werden kann. Bei diesen dunklen Gebieten handelt es sich nicht um Mondkrater, sondern um flache Tiefebenen aus erstarrter Lava, die man sich früher als wirkliche Meere vorstellte und die deswegen auch heute noch als „mare“ (lateinisch für Meer) bezeichnet werden. So heißt der „Kopf“ des Mondmannes auch Mare Serenitatis (Meer der Heiterkeit). Dieses Meer hat einen Durchmesser von rund 600 Kilometern und wurde vor über drei Milliarden Jahren durch aus dem Mondinneren aufsteigende Lavaströme überflutet.

Mit einem Fernglas kann man dann auch Mondkrater und Gebirge ausmachen. Sie sind besonders gut am Terminator (der Schattengrenze) zu sehen, weil das Sonnenlicht dort sehr flach einfällt und die Berge entsprechend markante Schatten werfen. Besonders die südliche (untere) Mondhälfte ist mit Kratern übersät. Zwischen dem Terminator und dem Mare Serenitatis ziehen sich die Mond-Apenninen hin, der größte Gebirgszug auf dem Mond. Manche seiner Berggipfel ragen fünf Kilometer hoch über die Umgebung.

Am 18. tritt der Vollmond ein. Dabei steht der Erdtrabant im Sternbild des Löwen und ist die ganze Nacht über am Himmel zu sehen. Auf seinem weiteren Lauf kommt der inzwischen abnehmende Mond am Morgen des 22. an Spica, dem Hauptstern der Jungfrau, vorbei. Auch der Ringplanet Saturn ist dann nicht weit entfernt.

Für den Rest des Monats lässt sich der Mond nur noch in den Morgenstunden beobachten. Dabei erreicht er am 25. im Skorpion das letzte Viertel. Ein hübscher Anblick bietet sich noch am Morgen des 28., wenn die abnehmende Mondsichel rechts neben der weiß strahlenden Venus steht. Zu sehen ist diese schöne Konstellation ab 6 Uhr bis in die helle Dämmerung hinein, niedrig über dem Südosthorizont.

Drei helle Planeten lassen sich in Februarnächten beobachten. Wenn die Abenddämmerung genügend fortgeschritten ist, wird am Südwesthimmel der helle Jupiter sichtbar. Sein Untergang vollzieht sich zum Monatsbeginn um 21.45 Uhr, am Monatsende aber bereits um 20.32 Uhr. Später am Abend erscheint im Osten der Saturn und bleibt dann die restliche Nacht über sichtbar. Saturn steht im Sternbild der Jungfrau und geht zur Monatsmitte um 22.03 Uhr auf. Die Venus bleibt strahlender Morgenstern, ist nach ihrem Aufgang (Mitte Februar um 5.30 Uhr) allerdings nur noch ziemlich horizontnah im Südosten zu sehen.

An Februarabenden gegen 22 Uhr lassen sich alle Wintersternbilder mit ihren vielen hellen Sternen bewundern. Die einprägsame Figur des mächtigen „Himmelsjägers“ Orion ist nun schon nach Südwesten abgerückt. Rechts davon steht der Stier, der ebenso wie der Orion zu den seit Jahrtausenden bekannten Sternbildern zählt. Dabei markiert der Stier-Hauptstern Aldebaran das rötlich funkelnde Auge des wilden Tieres. Einer griechischen Sage zufolge handelt es sich bei diesem Stier eigentlich um Göttervater Zeus. Er hatte die Gestalt eines imponierenden weißen Bullen angenommen, um so das Zutrauen der schönen Prinzessin Europa zu wecken, für die seine Liebe entflammt war und die er schließlich nach Kreta entführte.

Links vom Orion folgen dem Himmelsjäger seine beiden Hunde: der Große Hund mit Sirius, dem hellsten Fixstern des gesamten Himmels, und der Kleine Hund mit dem nicht ganz so hellen Hauptstern Prokyon. Sirius und Prokyon gehören mit Entfernungen von 8,6 und 11,4 Lichtjahren zu unseren Sternnachbarn in der Milchstraße. Beide sind vor allem deswegen interessant, weil sie von sogenannten weißen Zwergsternen umkreist werden. Bei den nur erdgroßen, aber extrem dichten Weißen Zwergen handelt es sich um die Endstadien von Sternen, die ihren atomaren Brennstoff verbraucht haben und jetzt nur noch ausglühen.

Volker Kasten

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