Linkshänder

„Wir machen’s mit links“

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Alles mit links: Millionen Menschen werden als Linkshänder geboren.

Hannover - Mit links schreiben, löffeln oder die Flasche aufdrehen: Millionen Menschen werden als Linkshänder geboren – nach vorsichtigen Schätzungen sollen es zwischen zehn und 15 Prozent sein, in Deutschland etwa zwölf Millionen Menschen.

Im Alltag der Rechtshänder-Welt werden sie häufig mit Schwierigkeiten und Vorurteilen konfrontiert. Doch es gibt auch Vorteile, die heute, zum Internationalen Linkshändertag, erwähnt werden sollten.

Als Linkshänder gehört man heutzutage zur Minderheit, oder? Theoretisch werden genauso viele Menschen als Linkshänder geboren wie als Rechtshänder, sagt Linkshänder-Beraterin Anne Schwarz aus Bonn. Im Alltag fielen viele von ihnen jedoch nicht auf, weil sie sich „frühzeitig an unsere kulturellen Gepflogenheiten“ anpassen. Dazu gehört etwa das Schreiben mit der rechten Hand. „Es gibt eine hohe Dunkelziffer von umgeschulten Linkshändern“, sagt Schwarz.

Inwiefern müssen sich Linkshänder dem Rechtshänder-System anpassen? Es gibt viele Sachen, die ganz selbstverständlich nur für Rechtshänder angeboten werden. „Man hat sich darauf auch kulturell geeinigt“, sagt Schwarz. Die Schriftsprache in unserem Kulturkreis beispielsweise gehe von links nach rechts, alle Wasserhähne und Wasserflaschen drehe man in die gleiche Richtung auf oder zu. „Solche Sachen kann man nicht ändern, und trotzdem ist es für Linkshänder immer noch ungewohnter, als wenn Rechtshänder diese Sachen einfach ohne darüber nachzudenken benutzen“, erklärt die Expertin.

Was ist heute noch an Linkshänder angepasst? Die meisten Kindergärten und Grundschulen halten mittlerweile Linkshänder-Scheren oder -Anspitzer bereit. Im häuslichen Bereich gibt es Kartoffelschäler oder Korkenzieher, die anders herum gewendelt sind – Gegenstände, mit denen Linkshänder genauso schnell Tätigkeiten ausüben können wie Rechtshänder.

Wo sind Linkshänder bevorzugt? Im Sport. Linkshändige Sportler haben nach Ansicht von Sportexperten oft einen strategischen Vorteil. Sportler mit einem Linkshänder als direkten Gegner müssten sich umstellen, sagt Prof. Norbert Hagemann von der Universität Kassel: „Sowohl Links- als auch Rechtshänder haben es schwer, eine Linkshänder-Aktion zu erahnen.“ Der Erfolg lässt sich messen: Der Anteil der Linkshänder bei Zweikampf-Sportarten wie Boxen, Fechten, Tennis oder Tischtennis soll bei bis zu 55 Prozent liegen.

Gibt es auch typische Jobs, die ein Linkshänder eher macht als ein Rechtshänder? „Es gibt Arbeitsplätze, die technisch eher für rechtshändige Leute eingerichtet sind – mit Maschinen, die eine bestimmte Drehrichtung haben“, sagt Beraterin Schwarz. Die seien für Linkshänder schwieriger zu bedienen. Aber es gibt auch Jobs, die für Linkshänder gut geeignet sind, etwa Zahnarzthelfer. „Wenn man mit einem rechtshändigen Zahnarzt zusammenarbeitet, sind Linkshänder sogar im Vorteil, weil sie mit der linken Hand sicherer anreichen können.“

Isabella Dikta

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