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KfW: Frauenanteil an Firmengründern steigt auf Rekordhoch

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Viele Frauen trauen sich den Schritt in die Selbstständigkeit. Meist können sie so nach ihren Wünschen ins Berufsleben zurückkehren.

Frankfurt/Main - Der weibliche Anteil unter deutschen Firmengründern ist 2013 auf ein Rekordhoch geklettert. Häufiger als Männer machen sich Frauen aus der Erwerbslosigkeit heraus selbst zum Chef.

Das gilt vor allem für Mütter.

Der Frauenanteil unter Firmengründern in Deutschland ist nach einer KfW-Analyse noch nie so hoch gewesen wie 2013. Rund 43 Prozent der Betriebsgründungen (376 000 von 868 000) seien im vergangenen Jahr durch Frauenhand vollzogen worden, teilte die staatseigene Förderbank am Montag (15. September) in Frankfurt mit. Jeder zweite Nebenerwerbsgründer und jeder dritte Vollerwerbsgründer war demnach weiblich. "Die Selbstständigkeit, gerade im Nebenerwerb, bietet für viele Frauen offenbar eine Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Von den Müttern unter den Gründerinnen waren 43 Prozent zuvor nicht erwerbstätig.

Insgesamt wagten Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit häufiger als Männer aus der Not heraus: 35 Prozent der Frauen gaben an, sich aufgrund fehlender alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten für die Selbstständigkeit entschieden zu haben. Bei den Männern trifft das nur auf jeden Vierten (26 Prozent) zu. Hingegen machen sich 58 Prozent der Männer, aber nur 46 der Frauen selbstständig, weil sie eine innovative Geschäftsidee umsetzen wollen.

Tatsächlich rufen Frauen überdurchschnittlich häufig eine Firma im Bereich der persönlichen Dienstleistungen ins Leben: Sie richten eine Praxis für Physiotherapie ein, eröffnen einen Friseursalon oder starten eine freiberufliche Lehrtätigkeit. Die Gründungsvorhaben ihrer männlichen Kollegen fokussierten sich dagegen stärker auf wirtschaftliche Dienstleistungen wie Softwareentwicklung, Steuer- und Rechtsberatung oder die Vermarktung von Immobilien.

Über den Geschäftserfolg sage dies aber nichts aus, sagte Zeuner: "Gründerinnen brechen ihr Projekt nicht häufiger ab als Gründer und sind im Hinblick auf das langfristige Überleben ihres Vorhabens mindestens genauso erfolgreich." Aus Sicht der KfW ist die jüngste Entwicklung angesichts der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung und des drohenden Fachkräftemangels eine gute Nachricht.

Insgesamt ist Deutschland nicht gerade ein Land der Firmengründer. Im vergangenen Jahr machten sich 868 000 Menschen selbstständig - 42 Prozent weniger als zehn Jahre zuvor. Dieser Trend hat sich auch im erstenHalbjahr 2014 fortgesetzt. Nach vorläufigen Zahlen wurden knapp 65 000 Betriebe angemeldet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lasse, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Das seien 2,8 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2013. Gleichzeitig wurden von Januar bis Ende Juni 2014 fast 58 000 größere Betriebe geschlossen - 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Gesamtzahl der Gewerbeanmeldungen inklusive Kleinunternehmen und Nebenerwerbsbetrieben sank im ersten Halbjahr 2014 gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent auf rund 378000. Darin sind auch Betriebsübergaben, Umwandlungen und Fortzüge enthalten. Dem standen

352 000 Abmeldungen (plus 0,1 Prozent) bei den Gewerbeämtern gegenüber.

dpa

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