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Dem Ziel etwas näher: Frauenanteil in Dax-Aufsichtsräten steigt

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Die Aufsichtsräte in Deutschland erhalten Zuwachs - von Frauen. Die 30-Prozent-Quote ist aber noch lange nicht erfüllt.

Frankfurt/Main - Die Aufsichtsräte der großen börsennotierten Gesellschaften in Deutschland sind keine reinen Männergesellschaften mehr. Fast jedes vierte Mitglied in den Kontrollgremien ist weiblich.

Die angestrebte 30-Prozent-Quote ist aber noch weit entfernt.

In die Aufsichtsräte der größten deutschen Aktiengesellschaften ziehen immer mehr Frauen ein. "Dennoch bleiben die Unternehmen im Durchschnitt klar hinter der von der Politik geforderten Zielquote von 30 Prozent zurück", berichtete die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Seit 2011 stieg der Frauenanteil in den Kontrollgremien der 30 im deutschen Leitindex Dax gelisteten Unternehmen demnach um zehn Prozentpunkte auf 23,4 Prozent. Damit seien derzeit (Stand: 31. Mai 2014) 119 von 488 Aufsichtsratsmitgliedern weiblich.

Nachdem freiwillige Selbstverpflichtungen nicht ausreichten, will die Bundesregierung die Top-Etagen der Wirtschaft per Gesetz weiblicher machen. Von 2016 an soll für Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen eine Geschlechterquote von 30 Prozent vorgeschrieben werden. Dies sieht der Referentenentwurf der SPD-geführten Ressorts Justiz und Familie vor. Die Quote soll nach den Plänen von 2016 bei dann anstehenden Gremien-Neuwahlen gelten, nicht aber für noch laufende Mandate. Wird die Quote nicht erfüllt, bleiben die Plätze laut Entwurf unbesetzt.

Die Grünen kritisierten die Koalitionspläne als unzureichend. "Die Frauenquote kommt spät und wenig ambitioniert. Sie sollte auf 40 Prozent angehoben und perspektivisch auch auf andere Ebenen ausgeweitet werden, um Frauen im gesamten Unternehmen gleichzustellen", sagte Parteichefin Simone Peter den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Montag).

Wie PwC betont, haben sich fast alle Aufsichtsräte der Dax-Unternehmen ein eigenes Ziel zur Erhöhung des Frauenanteils gesetzt. Die durchschnittliche Zielquote liegt nach den Angaben allerdings bei 23 Prozent. Angesichts der Pläne der Politik können sich die meisten Unternehmen nicht auf dem Erreichten ausruhen, betonte PWC-Partner Henning Hönsch: "In 16-köpfigen Aufsichtsräten wird nach den derzeitigen Plänen aufgrund von Rundungsregelungen sogar ein Frauenanteil von 37,5 Prozent erforderlich sein."

Derzeit werde die Marke von 30 Prozent Frauenanteil im Aufsichtsrat von zehn der 30 Dax-Unternehmen übertroffen - die Hälfte der Gesellschaften komme jedoch höchstens auf 20 Prozent. Nach der PwC-Erhebung hat aktuell der Konsumgüter-Hersteller Henkel mit 7 von 16 weiblichen Aufsichtsräten den höchsten Frauenanteil. Immerhin 8 von 20 Aufsichtsräten sind bei Munich Re (früher Münchener Rück AG) weiblich, jeweils 7 von 20 bei der Deutschen Bank und der Deutschen Lufthansa. Gar keine weiblichen Vertreter gibt es in den Kontrollgremien von Fresenius SE und Fresenius Medical Care (FMC).

dpa

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