Paketkasten der Post bekommt Konkurrenz

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Parcel Lock: Der anbieterneutrale Paketkasten wurde gemeinsam von den Postkonkurrenten DPD, Hermes und GLS entwickelt. Foto: Marius Becker

Die Deutsche Post bietet Paketkästen bereits seit über einem Jahr an - doch nun hat sich die Konkurrenz zusammengeschlossen und ein alternatives Paketkasten-System namens ParcelLock entwickelt. Den Kunden könnte das einige Vorteile verschaffen.

Berlin (dpa) - Es ist nichts anderes als ein Briefkasten für Pakete. "Eine ungemeine Erleichterung", sagt der Berliner Jens Kühne. "Weil man nicht auf die Nachbarn angewiesen ist, wenn man etwas geschickt bekommt." Im Hausflur seines Mietshauses steht ein Paketkasten, der ihm jede Menge Lauferei erspart.

Bald dürfte es solche Boxen in immer mehr Fluren geben. Es ist ein Markt, auf dem die Post harte Konkurrenz von ihren Rivalen bekommt. In Zeiten des boomenden Online-Handels kann so eine unkomplizierte Zustellung einen echten Marktvorteil bringen.

Seit mehr als einem Jahr installiert die Deutsche Post Paketkästen in Ein- und Zweifamilienhäusern. Bald sollen die Boxen, die sich nur für DHL-Zusteller öffnen, auch in Mehrfamilienhäusern kommen. Doch nun haben die Konkurrenten Hermes, DPD und GLS ein System entwickelt, welches die Bonner in Schwierigkeiten bringen könnte. "ParcelLock ist ein anbieterneutrales Paketkasten-System, das einzigartig ist im deutschen Paketmarkt", wirbt Peter Rey vom Postkonkurrenten DPD für das neue Produkt, das im Sommer 2016 auf den Markt kommen soll.

Aus Sicht der Verbraucher bietet diese Lösung tatsächlich einige Vorteile gegenüber dem exklusiven Paketkasten der Post: Weil er jedem Zusteller offen steht, also anbieterneutral ist, braucht der Kunde beim Online-Einkauf keine Gedanken darauf zu verschwenden, wer das Paket ausliefert. ParcelLock "ist ein viel schlaueres System als ein Blechkasten", schwärmt Rey.

Fernab des reinen Paketgeschäfts eröffnet es neue Nutzungsmöglichkeiten. So könnten regionale Kurierdienste den Paketkasten ebenso nutzen wie ein lokaler Bio-Bauer, der Gemüse-Kisten Abos vertreibt. Selbst ein Pizza-Service könnte theoretisch in die Box ausliefern.

Die Post sieht das trotzdem nicht unbedingt als Herausforderung. Der Branchenprimus hat einen Zeitvorsprung. "Wir haben bereits viele Erfahrungen gesammelt und der Erfolg gibt uns recht", sagt Thomas Ogilvie, der das Produktmanagement bei DHL Paket verantwortet. Die Wettbewerber hätten erst einmal einiges aufzuholen. Die Nachfrage nach den Post-Paketkästen steige konstant.

Beim Gerangel um die klügsten Zustellerkonzepte probieren die Paketzusteller derzeit viel aus. Die Anlieferung in zeitgenaue Fenster nach Hause ist ebenso wichtig wie die Zustellung beim Nachbarn oder ins Büro. Es gibt Packstationen oder den Paketbutler. Die Post experimentiert mit Drohnen und denkt darüber nach, den Auto-Kofferraum als Zustellpunkt zu nutzen.

Eine schnelle, pünktliche und bequeme Zustellung schafft nicht nur zufriedene Kunden, sondern reduziert bei den Zustellern die Kosten und kurbelt die Geschäfte der Onlinehändler an.

Doch in dem lukrativen Geschäft wird mit harten Bandage gekämpft. Als die Post mit dem Paketkasten an den Start ging, fielen die Wettbewerber über den Marktführer her: Der Branchenverband BIEK warnte vor einer Marktabschottung, andere Zusteller dürften nicht ausgeschlossen werden. Doch die Post lehnt eine Öffnung der Paketkästen für andere ab. "Eine Zusammenarbeit mit direkten Wettbewerbern verfolgen wir nicht", macht Ogilvie klar. Kostenlos könne der Paketkasten für die Kunden nur dann angeboten werden, wenn es ein geschlossenes DHL-System sei.

ParcelLock, der gemeinsame Standard von Hermes, DPD und GLS basiert auf einem IT-basierten Schließ- und Öffnungssystem. Das wird in Paketkästen oder -taschen eingebaut und von Dienstleistern genutzt, und zwar gegen eine Gebühr. Die drei Gründer des Systems holten zudem mit Burg Wächter einen führenden Hersteller von Schlössern, Briefkästen und Sicherheitssystemen als Partner an Bord. Was dieser für einen Paketkasten verlangt, ist noch nicht bekannt. Der Preis für einen Edelstahl-Briefkasten gibt einen ersten Hinweis: 500 Euro.

Darf der Zusteller das Paket einfach beim Nachbarn abgeben?

Die meisten Paketdienste behalten sich in ihren AGB vor, das Paket beim Nachbarn abgeben zu dürfen, wenn sie den Empfänger nicht antreffen. "Nachbar" kann allerdings ein weit gefasster Begriff sein. "Es gibt keine gesetzliche Einschränkung, wie weit der Nachbar entfernt wohnen darf", sagt Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Manchmal landet das Paket dann etwa in einem Laden in der Nähe. Teilweise können Verbraucher mit einer Vorausverfügung bestimmen, was mit dem Paket passiert, wenn es nicht zustellbar ist.

Was ist, wenn das Paket weg ist?

Bis zur Ablieferung des Pakets ist das Transportunternehmen verantwortlich. Der Verbraucher muss aber erst für die Ware zahlen, wenn er sie erhalten hat. "Verschwindet das Paket also beim Nachbarn, muss der Empfänger nicht zahlen", erklärt Husemann. Der Versender muss sich dann an den Transporteur wenden und klären, wo das Paket geblieben ist. Eventuell muss der dann Kontakt zum Nachbarn aufnehmen.

Was gilt, wenn der Nachbar im Urlaub ist?

Auch hier gilt: Der Verbraucher muss den Preis für die Bestellung erst entrichten, wenn er das Paket erhalten hat. "Das gilt auch für die Frist für das Widerrufsrecht", sagt Husemann. Sie beginnt erst dann zu laufen, wenn der Empfänger die Ware in den Händen hält. Oftmals geht aber vom Versender automatisiert die Rechnung an den Empfänger, sobald der Transporteur das Paket abgegeben hat - egal wo. "Den Versendern muss man hier zugutehalten, dass sie meist gar nicht wissen, dass das Paket nicht beim tatsächlichen Empfänger gelandet ist." Husemann rät Verbrauchern, sich dann an den Versender zu wenden. Auch der Nachbar sollte bestätigen, dass er über einen gewissen Zeitraum nicht anwesend war - und das Paket daher später beim Empfänger eintraf.

Was, wenn der Empfänger zu Hause war, der Paketbote das Paket aber trotzdem woanders hinterlegt hat?

"Ärgerlich ist das immer", findet Husemann. Schwierig ist es allerdings, zu beweisen, dass man tatsächlich die ganze Zeit über in der Wohnung war - und nicht mal eben kurz beim Bäcker, als der Paketbote klingelte. Sie rät, sich zu beschweren und eine erneute Zulieferung zu fordern.

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