Wie geht es weiter mit Israel?

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Die jüngsten Unruhen im Gaza-Streifen haben Israel auch als Reiseland schwer getroffen. Noch Tage vorher hatte das Land mit 2,6 Millionen Reisenden einen Besucherrekord vermeldet. Wie geht es nun weiter?

Über die aktuelle Reisesituation im Heiligen Land sprachen wir mit Bernhard Meyer, Geschäftsführer des Bayerischen Pilgerbüros.

Herr Meyer, Weihnachten ist Hochsaison für Ziele wie Jerusalem oder Bethlehem. Jetzt ist die Region wieder mal zum Krisenherd geworden. Es fielen Bomben, es gab Tote und das Auswärtige Amt hat Reisewarnungen herausgegeben. Was bedeutet das für einen Veranstalter, der auf den Spuren der Bibel unterwegs ist?

Bernhard Meyer, Geschäftsführer des Bayerischen Pilgerbüros

Weihnachten und Ostern sind die wichtigsten Zeiträume, an denen das Heilige Land im Fokus der Öffentlichkeit steht, besonders natürlich Betlehem, der Geburtsort Jesu. Die Hauptreisezeit für Israel aber ist im Frühjahr, besonders zu den Feiertagen Ostern und Pfingsten.
Wenn Gewalt und Eskalation die Oberhand gewinnt und durch die Medien transportiert wird, dann ist das immer tragisch und auch für das Bayerische Pilgerbüro als Reiseunternehmen kontraproduktiv. Da die Sicherheit unserer Kunden oberste Priorität hat, beobachten wir die Lage vor Ort jederzeit streng, wir gehen keinerlei Risiken ein.

Wie viele Urlauber bzw. Gäste hat das Bayerische Pilgerbüro normalerweise um die Weihnachtszeit in Israel?

Wir bieten traditionell eine Weihnachts- und Silvesterreise in das Heilige Land an. Trotz der aktuellen Nachrichtenlage erhalten wir auch jetzt noch kurzfristige Anmeldungen für diese Reisen. Insgesamt sind in diesem Zeitraum drei Gruppen mit zirka 75 Personen im Lande unterwegs.

Aktuell haben Sie zehn Reisevarianten nach Israel im Angebot, Pilger-, Studien- und Wanderreisen mit insgesamt etwa 50 Terminen. Wurden aktuelle Termine storniert? Wann wird es die erste Reise nach Israel wieder geben?

Schmaler Streifen am Mittelmeer - in Gaza leben mehr als eine Million Menschen auf rund 400 Quadratkilometern.

Wir haben in der heißen Phase der Auseinandersetzungen eine spezielle Gruppe mit behinderten und in der Mobilität eingeschränkten Pilgern vorsorglich abgesagt. Die Stornierung erfolgte für die Teilnehmer kostenlos. Die Reisezeit in das Heilige Land beginnt bei uns Mitte Februar um die Faschingsferien. Derzeit sind alle Reisen zur Durchführung geplant. Viele Sondergruppen werden, ebenfalls beginnend im Februar, in die Region reisen. Aktuelle Informationen zur jeweiligen Sicherheitslage und den verschiedenen Reisevarianten können Sie unserer Homepage unter www.pilgerreisen.de entnehmen.

Das Auswärtige Amt hat für Israel selbst nur einen Sicherheitshinweis gegeben, was rechtlich bedeutet, dass Urlauber keinen Anspruch auf Stornierung haben. Wie halten Sie das in Ihrem Haus? Gibt es Kulanzregelungen und Umbuchungsmöglichkeiten? Wie viele Kunden wollen aktuell von einer Reise nach Israel zurücktreten?

Da die Lage sich derzeit wieder beruhigt hat sind für die kommenden Reisen keine kostenfreien Stornierungen möglich. Grundsätzlich sind Umbuchungen bis 61 Tage vor Reisebeginn problemlos. Es gab bei uns nur sehr wenige Einzelpilger, die zurückgetreten sind, ansonsten verhalten sich die Gruppen sehr bedacht und abwartend. Bei einer Änderung der Lage werden auch bei uns die Stornierungsregeln entsprechend angepasst.

Wie ist die Situation vor Ort? Welche Informationen bekommen Sie von Ihren Reiseleitern in den einzelnen Gebieten?

Kamel am Strand von Gaza.

Unsere Gruppen sind grundsätzlich nicht im oder in der Nähe des Gaza-Streifens unterwegs. Sie nutzen auch nicht den öffentlichen Personennahverkehr, sondern sind in Begleitung erfahrener Guides sowohl unserer israelischen als auch palästinensischen Partneragenturen. Die Teilnehmer von fünf Gruppen, die sich zum Zeitpunkt der ersten Eskalation im Lande aufhielten, berichteten durchweg, dass sie sich alle gut betreut und jederzeit sicher fühlten. Unsere Partner in Israel sehen auch, dass Pilgerreisen ohne Probleme durchführbar sind, da die Touren nicht in kritische Regionen führen.

Interview: Christine Hinkofer

Das müssen Reisende jetzt wissen

Das Auswärtige Amt hat für Israel und die Palästinensischen Gebiete im Westjordanland einschließlich Ost-Jerusalem und Gaza-Streifen folgende Reise- und Sicherheitshinweise herausgegeben: Vor Reisen in den Gaza-Streifen wird dringend gewarnt. Reisende, die sich in Israel oder den Palästinensischen Gebieten aufhalten, wird dringend empfohlen, sich auf den Webseiten der Deutschen Botschaft in Tel Aviv (www.tel-aviv.diplo.de) oder des Deutschen Vertretungsbüros Ramallah (www.ramallah.diplo.de) in der Krisenvorsorgeliste zu registrieren.

Trotz der am 21. November vereinbarten Waffenruhe wird weiterhin von Aufenthalten im Grenzgebiet des Gaza-Streifens abgeraten. Außerdem seien insbesondere in der Umgebung israelischer Checkpoints gewalttätige Auseinandersetzungen möglich.

Auch auf den internationalen Luftverkehr wirkt sich der Gaza-Konflikt aus. So mussten alle Maschinen, die den Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv ansteuerten, wegen der Aktivitäten der israelischen Luftwaffe ihre regulären Routen ändern. Einige Fluggesellschaften, darunter auch Lufthansa, wechselten teilweise ihre Crews in Athen oder auf Zypern und legten dazu einen Zwischenstopp ein. So wurde dem Kabinenpersonal und den Piloten die Übernachtung in Tel Aviv erspart. Inzwischen melden aber alle Airlines wieder normalen Flugbetrieb von und nach Israel.

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