Heimlich, still und leise

Kärntner Urlaubsgeheimnisse

+
Natur so weit das Auge reicht: Wie ein Fjord liegt der Weissensee zwischen bewaldeten Hängen. Zwei Drittel seines Ufers sind unverbaut.

„Am Wörthersee fliegen die ­Melodien, dass man sich hüten muss, keine zu treten“, hat Komponist Johannes Brahms einmal gesagt. Das Schlosshotel...

...die ­Promis und die Partys, das ist die eine Seite von Österreichs südlichstem Bundesland Kärnten. Die andere, das ist die große Stille in einer großartigen Natur. Aber davon reden die wenigsten. Wir schon.

Urlaubstipp am See: Saunen im frisch renovierten Werzers Badehaus in Pörtschach.

Hoch oben auf einem Aussichtsplateau im Bergweiler Gschriet steht diese Bank. Den tiefblauen Millstätter See zu Füßen, ein Dach aus grünem Laub über dem Kopf, gerade noch licht genug, dass die Sonne durchblitzen kann – man spürt es eigentlich instinktiv, dass das hier oben ein besonderer Platz ist. Einer, an dem die Seele leicht wird, einer, der Kraft gibt. Der Radiästhet Josef Georg aus dem saarländischen Eppelborn hat das wissenschaftlich nachgewiesen und die Kraft gemessen. Auf einem esoterischen Wanderweg kann man ihr hier oben folgen.

Urlaubstipp am Fluss: Mit der Familie den Drauradweg entlangfahren.

Es sind Plätze wie diese, wo einem das Dasein für einen Augenblick einfach paradiesisch vorkommt. Dass solche Plätze in Kärnten öfter zu finden sind als anderswo auf der Welt, ist nicht nur göttliche Fügung. Da haben die Menschen, die hier zu Hause sind und die sich den Blick fürs Wesentliche bewahrt haben, schon auch ihren Teil dazu beigetragen. Sie leben mit der Natur und tun einiges, um sie sich zu erhalten.

„Wir streben hier nicht nach immer mehr Materiellem“, sagt etwa Gerhild Hartweger vom Moserhof im Nationalpark Hohe Tauern. Stattdessen ist der studierten Landwirtin und Vermieterin von Ferienwohnungen das Material wichtig. Bio muss es sein, rundum gesund. Und so sind die Blockhütten im Moser-Feriendorf aus Mölltaler Almlärche gebaut, und die Isolierung ist aus Flachs und Hanf.

Urlaubstipp am Berg: Steinböcke beobachten im Nationalpark Hohe Tauern.

Der Nationalpark Hohe Tauern, in dem der Moserhof steht, eingebettet in das liebliche Mölltal, beschützt von den mächtigen Dreitausendern, ist das gewaltigste Stück Natur in Kärnten. 100 Kilometer von West nach Ost, 40 von Nord nach Süd, jeweils grenzüberschreitend – in ganz Österreich gibt es keinen größeren Nationalpark. Dagegen ist der Naturpark Dobratsch an den östlichen Ausläufern der Gailtaler Alpen mit seinen 72 Quadratkilometern ein Winzling. Geschichtlich gesehen ist er aber ein ganz Großer, nicht nur, weil es der älteste Naturpark Österreichs ist, sondern auch, weil hier Zeichen gesetzt wurden. Zum Schutz der Natur haben sie hier sogar die Zeit zurückgedreht und das Skigebiet stillgelegt. 2002, als rundum in den Alpen die Zeichen auf Aufrüstung standen, haben sie die Liftanlage abgebaut und in den Ural verkauft. Der Platz, wo sie einmal stand, ist heute ein Aussichtspunkt.

Urlaubstipp am See: Saunen im frisch renovierten Werzers Badehaus in Pörtschach.

Nein, sie haben keinen Vogel, die Menschen hier im Naturpark, sie haben viele Vögel. Majestätische Greifvögel wie der Wespenbussard nutzen die günstige Thermik an der Südwand des Dobratsch und ziehen gelassen ihre Kreise. „Tausende kommen auf dem Weg in den Süden hier vorbei“, sagt Robert Rulofs, der Ranger mit dem wettergegerbten Gesicht. Um die Flugshow entsprechend in Szene zu setzen, führen Rulofs und seine Kollegen Urlauber auf einer von einem Theaterdramaturgen ausgearbeiteten Tour durch die Parkregion. 125 Vogel-, 900 Schmetterlings- und Hunderte Pflanzenarten gibt es dabei zu entdecken. Statt auf Alpinski setzt die gesamte Region inzwischen konsequent auf den sanften, nachhaltigen Natur­urlaub, auf Skilanglauf im Winter und Wandern im Sommer.

Einen Lift haben sie trotzdem noch hier im südlichen Kärnten, aber er führt nicht in die Höhe, sondern in die Tiefe, in 14 Sekunden 27 Meter ins Felsenreich hinab in den Heilstollen von Bad Bleiberg, wo die staubfreie Luft Balsam ist für Lunge und Atemwege.

Die Reise-Infos

Nähere Infos zu den Nationalparks und zu den naturnahen Kärntner Urlaubstipps bekommt man beim Kärntner Tourismusverband in Velden unter Tel. 00 43/463/30 00 oder im Internet unter www.kaernten.at.

Zehn Naturtipps für Kärnten

1. Wurzelduft

Es gibt auf der ganzen Welt nur einen Ort, an dem Speik wächst: In den Nockbergen rund um Bad Kleinkirchheim. Wie vor 100 Jahren wird die Wurzel, die würzig riecht und deren beruhigende Wirkung für Medizin und Kosmetik gleichermaßen Bedeutung hat, von Almbauern per Hand geerntet. Urlauber können dem Duft der Speikpflanze auf Wanderwegen rund um Bad Kleinkirchheim folgen und sich bei Fußbädern in einer der elf Speikhütten erholen.

2. Seensucht

Kärnten hat an die 200 zum größten Teil trinkwasserreine Badeseen. Der höchstgelegene davon ist der Weissensee. Fast schon wie ein Fjord liegt er zwischen dicht bewaldeten Bergen, zwei Drittel des Ufers sind unverbaut. Von Techendorf schwebt einen Sessellift hinauf zur Naggleralm, wo Wirtin Almut Knaller ihre Gäste mit Schwarzbeerschmarrn und Almlimonade aus Wiesensalbeisirup verwöhnt.

3. Welterbe Brot

In Kärnten ist Brot nicht einfach nur zum Essen da, sondern ein Kulturgut. Die Unesco hat die Laibe aus dem Lesachtal, in dem einst etwa 100 Wassermühlen das Getreide zu feinem Mehl verarbeiteten, zum Welterbe erklärt. Einmal im Jahr, beim Lesachtaler Brotfest, stellen die Backbetriebe ihre Kunst auf den kulinarischen Prüfstand. Das Brotfest findet heuer vom 30. August bis 1. September statt. Infos unter www.brotfest.atoder beim Tourismusverband Lesachtal, Tel. 00 43/47 16/242 12.

4. Bienenfleiß

Physiker Albert Einstein hatte ein geniales Auge für natürliche Zusammenhänge. „Keine Bienen mehr, keine Pflanzen mehr, keine Menschen mehr“, lautete sein klares Statement. In der Carnica-Region südlich von Klagenfurt besteht kaum Gefahr, dass Einsteins Untergangsvisionen wahr werden könnten. Die Menschen dort wissen um den Wert ihrer bienenfleißigen Helden und tun alles, damit sie sich bei ihnen so richtig wohlfühlen. So malen sie die Eingänge der Bienenstöcke mit kunstvollen Miniaturbildchen an und vermehren die wilden Narzissen auf den Blumenwiesen von Jahr zu Jahr stetig, damit die Bienen auch ja genug Nahrung finden. Alles über die wichtigen Insekten erfährt man im Carnica-Binenmuseum in Kirschentheuer. Internet: www.bienenmuseum.net.

5. Tigerente im Stadtturm

Die große Sommerausstellung im Stadtturm der Künstlerstadt Gmünd ist in diesem Jahr exklusiv einem Künstler gewidmet: Janosch, dem Erfinder der Tigerente. Nach den Bildern geht’s zum Klang: Im Pankratium sind Klänge interaktiv zu sehen, Bilder zu hören und es gibt die größte begehbare Geige der Welt zu bestaunen. www.pankratium.at.

6. Ein langer ruhiger Fluss

Einer der bekanntesten Radwege Österreichs ist der 366 Kilometer lange Drauradweg. In sechs Etappen führt er vom Ausgangspunkt in Toblach/Südtirol bis zum Ziel nach Maribor in Slowenien. Der Hauptteil der Strecke liegt dabei aber in Kärnten. Da die Route meist über flaches Terrain führt, ist der Drauradweg besonders familienfreundlich. Mit einem Preis-Special können ihn zwei Erwachsene und zwei Kinder mit Unterkunft in Drei-Sterne-Hotels heuer zum Pauschalpreis von insgesamt 1090 Euro fahren. Nähere Infos unter www.drauradweg.com.

7. Haus im See

Es stammt noch aus der Zeit, als man nicht in den Urlaub, sondern in die Sommerfrische fuhr. Mit viel Liebe zum Detail wurde am Wörthersee Werzers Badehaus in Pörtschach aus dem Jahr 1895 renoviert. Außer nostalgischem Flair bietet es Besuchern heute Saunen mit direktem Seezugang und einen beheizten Pool im See, in dem das Wasser auch im Winter angenehme 30 Grad warm ist. Infos: www.resort.werzers.at.

8. Wellness-Tempel

Noch ein Badehaus eröffnet in diesem Sommer in Kärnten. In Millstatt am See gelegen, ermöglicht es, den Millstätter See ganzjährig zu nutzen. Bis zu 150 Personen genießen auf 1300 Quadratmetern Wellness- und Beauty-Anwendungen mit regionalen Produkten. Infos: www.badehaus-millstaettersee.at.

9. Edelsteine finden

In der Erlebniswelt Granatium erinnert die Bergwerkstadt Radenthein daran, dass die Millstätter Alpe das größte Granatvorkommen Mitteleuropas birgt. Im Areal der einzigen begehbaren Granatader Europas arbeiten Urlauber mit Hammer und Meißel die rubinroten Schätze aus dem Fels.

10. Das Genussfloß

Mitten im Weissensee schwimmt ein großes Floß. Wer es mit dem Boot oder schwimmend erreicht, wird mit Spezialitäten aus der Gegend belohnt – kostenfrei. „Wir wollen unsere Gäste mit dem Genussfloß ein bisschen verwöhnen“, sagt Arno Kronhofer, der Leiter des Tourismusbüros.

Kommentare