Tourismus

Pilger können sich auf ein neues Stück Jakobsweg freuen

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Eine gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund weist den Weg für Pilger auf dem historischen Jakobsweg.

Braunschweig - Nach Lebenskrisen, aber auch um sich herauszufordern, deswegen gehen Menschen auf Pilgertour. Mehr als Zehntausend sind es jedes Jahr allein in Niedersachsen. Nächstes Jahr gibt es eine neue Strecke.

Bei Sonnenuntergang ist das Bild heute noch so, wie es schon die Zisterziensermönche im Mittelalter gesehen haben. Hinter weiten Feldern mit grasenden Kühen erhebt sich vor den Augen moderner Pilger hinter einer Mauer die romanische Klosterkirche von Riddagshausen. Die einstigen Fischgewässer der Mönche sind heute ein Paradies für Vögel und seltene Tierarten. Riddagshausen ist eine der Stationen auf einem Stück Jakobsweg, der von 2015 an mitten durch das Braunschweiger Land führt. Hunderte Pilger soll er jährlich anziehen, denn Pilgern ist längst zu einer Massenbewegung geworden. In einer Zeit der schnellen Mobilität erlebt es eine Renaissance.

"Mit dem Braunschweiger Pilgerweg wollen wir einen Lückenschluss erreichen", sagte Dieter Rammler (56). Rammler ist Direktor der Evangelischen Akademie Abt Jerusalem, die gemeinsam mit der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz Projektträger des neuen Pilgerweges ist. "Wir wollen uns einfädeln in das historische Netz der Jakobswege", sagte Rammler. Vom Frühjahr nächsten Jahres an soll er Teil eines über 2300 Kilometer langen Netzes aus Pilgerwegen in Niedersachsen sein. Was viele nicht wissen: Einer dieser Jakobswege führte vom norwegischen Trondheim quer durch Europa nach Santiago de Compostela.

Das

Zwischenstück zwischen Magdeburg und Paderborn existiere nicht mehr, es sei aber erwiesen, dass es diesen historischen Jakobsweg gab. Die Strecke sei spektakulär und voller Geschichten. Besondere Orte fänden sich entlang der Route "wie an einer Perlenkette, sei es der Kaiserdom in Königslutter oder das Zisterzienserkloster in Riddagshausen", sagte Rammler.

Schon jetzt haben sich Privatpersonen und Kirchengemeinden gemeldet, die Pilgern Unterschlupf bieten wollen. In Veltheim am Elm ist sogar ein Verein gegründet worden, der ein ehemaliges Gemeindehaus zu einer festen Pilgerherberge umbauen will.

Pilgern erfreut sich überall in Niedersachsen großer Beliebtheit. "Wir reden nicht mehr über ein kleines Strohfeuer, sondern über eine breite Bewegung", betont Klaus Stemmann (52), der bei der evangelischen Landeskirche für die Pilgerwege zuständig ist.

Auf mehr als zehntausend Pilgerreisende beider Konfessionen schätzt er die jährliche Zahl von Menschen, "die sich alleine in Niedersachsen auf den Weg machen". Auf Bundesebene müsse es ein Vielfaches sein. Es gebe keine genauen Zahlen, sondern nur Rückschlüsse aus gemeldeten Ankünften bei den Pilgerstationen und ausgegebenen Pilgerpässe. "Die benutzen aber viele Pilger über viele Jahre, um sie möglichst ganz vollzustempeln", sagte Stemmann.

In Niedersachsen gibt es zur Zeit 11 Pilgerwege. Sie erstrecken sich auf über 2300 Kilometer Länge. Einen Pilgerweg zeichnet aus, "dass sich der einzelne Mensch ohne Vorkenntnisse und Vorbereitungen auf den Weg machen kann". Wer auf ihm nach Ruhe und innerer Einkehr sucht, findet von der Ausschilderung bis zu Informationen auf der Strecke alles, was er braucht.

"Viele gehen als Wanderer los und kommen als Pilger an", sagt Stemmann, der selber Pilger-Erfahrung gesammelt hat. Gepilgert werde häufig nach Brüchen im Leben oder bei Neuanfängen. Auch biografische Ziele seien ganz wichtig, wenn zum Beispiel Menschen in einem bestimmten Alter sagten, "ich will das einfach nochmal schaffen". Es sei aber ein frommer Wunsch zu glauben, man komme als ein neuer Mensch wieder. "Je länger man unterwegs ist, desto mehr merkst du, dass du immer noch derselbe Schweinehund bist", sagte Stemmann.

dpa

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