Winterspaß in der Steiermark

Tierischer Winter: Hundstage im Gesäuse

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Ein Musher, zwei Kufen, vier Hunde: Die Formel für den absoluten Winterspaß in Österreichs jüngstem Nationalpark.

Ein Musher, zwei Kufen, vier Hunde: Die Formel für den absoluten Winterspaß im Gesäuse, Österreichs jüngstem Nationalpark. Ein tierisches Abenteuer. 

Schladming wird heuer wieder einmal der Nabel der Skifahrer-Welt sein. Schließlich findet im Wintersport-Mekka der Steiermark im Februar die alpine Ski-Weltmeisterschaft statt. Wer keine Lust auf schnelle Pistengaudi hat, muss nur 70 Kilometer weiter fahren – ins ruhige Gesäuse, Österreichs jüngstem Nationalpark. Im „Gseis“, wie die Einheimischen sagen, kann man statt Ski Schlitten fahren. Hundeschlitten nämlich.

Am Anfang ist Alina skeptisch. Etwas scheu steht die Zwölfjährige in dem Gewusel aus rund 50 Hunden, die heulen wie Wölfe und an ihren Leinen zerren. Die Huskys wollen laufen, sich bewegen, die Freiheit spüren. Bis die Hundeschlitten vorbereitet sind, dauert es aber noch. Also tätschelt Alina vorsichtig einen der Hunde. Und da wird der Wolf gleich ganz zahm. Mischka mit den eisblauen Augen schmiegt sich wie eine schnurrende Katze an das Mädchen, lässt sich drücken und kuscheln.

Dann gibt Sieglinde Herzmaier das Startsignal. Alina steht auf den beiden Kufen, die Hunde schmeißen sich in die Seile – und los geht die Fahrt.

Für Sieglinde Herzmaier (59) ist das Leben mit den Hunden Leidenschaft. Kaum zu glauben, dass die braungebrannte Österreicherin eigentlich Altenpflegerin ist. Doch im Winter ist sie nur für ihre Hunde da. Zusammen mit dem Tschechen Karel Petrousek hat sie das Sleddog Adventure Team aufgebaut. Sie hat Dutzende von Hunden, die es für größere Urlaubergruppen braucht. Und sie hat dafür die oberste Voraussetzung: Viel Platz. „Die Hunde sind laut, da muss man weit weg von den Leuten“, sagt Herzmaier. Und im Gesäuse, diesem irgendwie vergessenen Tal mitten in Österreich, hat sie diesen Platz gefunden.

Erste Annäherung: Alina mit ihren Hunden.

Rund fünf Kilometer lang ist eine der Strecken beim Dörfchen Johnsbach, die die Hundeteams nutzen. Urlauber können sich dort einen Tag wie ein Musher fühlen, wie die Schlittenhundfahrer genannt werden, und ein Diplom erwerben. Sogar achtjährige Kinder stehen bei den Kursen schon allein auf dem Schlitten. Passiert sei noch nie etwas, beruhigt Herzmaier. Vor allem zu Anfang stehen die Touristen fast sowieso nur auf der Bremse, die sich wie ein Widerhaken in den Schnee frisst, erzählt sie lachend. „Wenn wir die Strecke hätten, könnten wir locker 30 Kilometer fahren“, sagt Herzmaier und tätschelt liebevoll ihren Seppi.

Bis zu 3000 Kilometer läuft jeder Husky pro Winter, die Ausdauer der Tiere ist unglaublich. Herzmaier und Petrousek haben nur Siberian Huskys, die sind lauffreudiger als die Alaskans. Reinrassigkeit ist ihnen nicht so wichtig. Deshalb ist in vielen Huskys auch ein Stück Jagdhund in den Genen. „Viele wollen immer nur die schwarz-weißen Huskys mit den blauen Augen sehen“, sagt Herzmaier. Doch noch faszinierender sind die Hunde mit einem blauen und einem roten Auge – ganz normal, das kommt öfter vor.

Die Hunde fordern einen rund um die Uhr – man könnte darüber völlig den Rest des Gesäuses vergessen. Die wildromantischen Schneeschuhtouren zum Beispiel, mit Hüttenbesuch und anschließender Rodelabfahrt. Oder die herrlichen Skitouren, für die es zum Schutz der Natur nur feste Routen gibt. Aber keine Angst – so viel ist im Gesäuse nicht los, als dass sich dort hunderte Tourengeher am Hang drängeln würden.

Da wirken die lärmenden Schlittenhunde wie ein Gegenpol. Aber ein schöner. Alina hat ihre ersten Runden mit dem Gespann absolviert, sie ist hin und weg. Es war nur ein kurzes Reinschnuppern. Doch nachdem sie sich durch alle vier Hunde gestreichelt und geknuddelt hat, ist ihr klar – sie wird wiederkommen.

Boris Forstner

DIE REISE-INFOS ZU DEN HUSKYTOUREN

REISEZIEL Mit rund 110 Quadratkilometern ist der erst 2002 gegründete Nationalpark Gesäuse der jüngste und einer der kleinsten Nationalparks in Österreich. Er liegt westlich des Ennsknies in der Obersteiermark. Der Fluss hat über Jahrmillionen auf einer Länge von 16 Kilometern eine imposante Schlucht in den letzten großen Aufschwung der östlichen Kalkalpen getrieben. Im Norden und Süden grenzen die Gipfelkämme der Enns­taler Alpen das Terrain des Nationalparks ab.

ANREISE Per Bahn direkt mit dem Eurocity von München nach Liezen, Dauer rund vier Stunden, ab 39 Euro für die einfache Fahrt. Mit dem Auto über die A 8 München-Salzburg und dann weiter Richtung Graz.

HUSKYS Das Huskycamp von Sieglinde Herzmaier liegt in Johnsbach. Kontakt unter Tel. 00 43/664/ 384 07 66. Es werden sowohl eintägige Workshops (125 Euro für Erwachsene, 95 Euro für Kinder bis 16 Jahre) als auch mehrtägige Arrangements mit Übernachtung im Gasthof angeboten. Die nächsten Husky-Workshops finden vom 14. bis 18. Januar, 21. Januar bis 3. Februar und 11. bis 17. Februar statt.

WOHN-TIPP Gästehaus Schloss Röthelstein in Admont am Eingang zum Nationalpark, mit Österreichs größter original erhaltener Rauchküche, Tel. 00 43/570 83/320, www.schloss-roethelstein.at.

SEHENSWERT Die Johanneskapelle in Pürgg, hoch oben auf einem Berg auf einem alten Kelten-Opferplatz erbaut, mit wertvollen Fresken aus dem 12. Jahrhundert. Im 1074 gegründeten Benediktinerstift Admont gibt es die größte Klosterbibliothek der Welt zu sehen.

WEITERE INFOS Nationalpark Gesäuse, Tel. 00 43/36 13/ 211 60 20, www.nationalpark.co.at.

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