12.000 Jahre alter Schädel ist Attraktion des Gensunger Museums

Sie sind stolz auf diese Attraktion des Gensunger Museums: von links Kurt Sänger, Rolf Fröhlich und Jörg-Harald Rode von der Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte mit einer Nachbildung des Schädels des Eiszeitjägers von Rhünda. Das Original befindet sich im Kasseler Landesmuseum. Foto: Schaake

Gensungen. Vor 60 Jahren war es nur dem Zufall zu verdanken, dass die damals zehnjährigen Reinhart Wendel und Günther Otys den Schädel am Bachufer 80 Zentimeter unter der Erdoberfläche fanden.

Kurt Sänger, Jörg-Harald Rode und Rolf Fröhlich von der Gensunger Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte sind sich einig: Dieser Schädel ist eine Attraktion des Museums in Gensungen. Er ist etwas ganz Besonderes, deutschlandweit etwas Einzigartiges, betonen die Fachmänner. Eiszeitjäger von Rhünda - so „tauften” die Gensunger Geschichtskenner den Menschen, zu dem der Schädel gehört. Ein Geschichtsbuch hatte einmal getitelt: „Der Neandertaler von Rhünda.”

Vor genau 60 Jahren war es nur dem Zufall zu verdanken, dass die damals zehnjährigen Reinhart Wendel und Günther Otys den Schädel am Bachufer 80 Zentimeter unter der Erdoberfläche fanden, als sie am Tag nach der Unwetterkatastrophe mit ihrem Lehrer Eitel Glatzer am ausgespülten Bach unterwegs waren.

Durch Glatzer kam der Schädel zu Professor Dr. Eduard Jacobshagen, Anatom und Anthropologe an der Universität Marburg. Der präsentierte den Fund einen Monat später auf dem internationalen Kongress „100 Jahre Neandertaler” in Düsseldorf. Er war der Ansicht, dies sei der Schädel einer Neandertalerin - der Frau von Rhünda. Danach hätte dieser Schädel etwa 30.000 Jahre alt sein müssen.

Im Jahre 2000 untersuchte der Darmstädter Paläontologe Wilfried Rosendahl den Schädel nach modernsten Methoden und stellte fest: er gehört nicht einer Neandertalerin. Er korrigierte das Alter auf 12 000 Jahre. Das ist nach Angaben der Gensunger Arbeitsgemeinschaft eine Zeit, aus der es nur wenige gut erhaltene Schädelfunde in Deutschland gibt.

Dieser Mensch lebte also am Ende der letzten Eiszeit. „Die Menschen lebten damals vom Jagen und Sammeln, die Nomaden waren nicht sesshaft”, sagt Kurt Sänger. Und: „Jäger und Sammler zogen immer hinter der Nahrung hinterher.” Kleine Gruppen von 25 bis 35 Menschen lebten in Familienverbänden auch in unserer Region. Sänger: „Ein Sozialverband, der sich gegenseitig unterstützte.” Kompakt und kräftig seien diese Menschen gewesen, das Hirnvolumen war laut Sänger im Durchschnitt größer als heute, „der Knochenbau ähnlich dem der heutigen Menschen”.

Ob der Eiszeitjäger an der Stelle, an der man den Schädel fand, auch bestattet worden ist, ist nach Angaben der Fachleute ungewiss. Möglich ist, dass dieser Mensch in der Region oberhalb von Rhünda lebte. Der Schädel im Gensunger Museum ist eine Nachbildung, das Original ist im Kasseler Landesmuseum.

Quelle: HNA

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