Nach Messerattacke: Verdacht des versuchten Mordes in zwei Fällen

Homberg. Ein 14-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis hat am Montagabend in einem Homberger Drogeriemarkt eine Ladendetektivin verprügelt und zwei Männer niedergestochen. Am Dienstag nun wurde wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Mordes in zwei Fällen Untersuchungshaft angeordnet.

Der Text wurde um 15.55 Uhr aktualisiert.

Ein 39-Jähriger erlitt bei der Attacke am Montagabend eine schwere Stichwunde im Bauch, ein 47-Jähriger am Oberarm. Der 39-Jährige wurde am Montag notoperiert, schwebt aber laut Aussage der Polizei Homberg nicht mehr in Lebensgefahr.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kassel wurde der 14-Jährige am Dienstag beim Amtsgericht Fritzlar vorgeführt. Haftrichterin Corinna Eichler ordnete wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Mordes in zwei Fällen, in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen, Untersuchungshaft gegen den Jugendlichen an. Der Jugendliche wurde in die Justizvollzugsanstalt ins südhessische Rockenberg gebracht.

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Sollte er deswegen verurteilt werden, droht ihm die Höchststrafe von zehn Jahren Jugendgefängnis. Nach Auffassung von Eichler habe der Jugendliche mit der Messerattacke eine Straftat verdecken wollen. Damit sei ein Merkmal für einen versuchten Mord gegeben. In eine solche Strafe eingeschlossen wäre auch der räuberische Diebstahl des Handys. Wann gegen den Jugendlichen, der vor drei Wochen 14 Jahre alt und damit überhaupt erst strafmündig wurde, verhandelt wird, sei noch nicht klar.

Die Ladendetektivin des Drogeriemarkts in der Ziegenhainer Straße hatte den Jungen am Montag kurz nach 18 Uhr beim Diebstahl eines Mobiltelefons ertappt. Die 29-Jährige hatte beobachtet, wie er eine Kleinigkeit kaufte, zugleich aber ein Handy in seiner Jacke versteckte, um es offenbar zu stehlen. Als sie den Jugendlichen ansprach, schlug er nach Angaben der Polizei auf sie ein.

Die Frau erlitt Prellungen und Schürfwunden. Zwei Kunden wurden auf die Rangelei aufmerksam und eilten der Frau zur Hilfe. Daraufhin zog der Junge ein feststehendes Messer aus der Scheide an seinem Gürtel und stach gezielt auf die beiden Homberger ein. Der 39-Jährige wurde durch einen Messerstich in den Bauch lebensgefährlich verletzt, der 47-Jährige erlitt einen Stich in den Oberarm. Die beiden Männer brachen auf dem Bürgersteig vor dem Drogeriemarkt zusammen. Dem Jungen gelang zunächst die Flucht, er wurde aber wenig später bei einer Großfahndung festgenommen. Die Brutalität, mit der der Junge vorging, überrascht und entsetzt die Polizei.

„Bislang ist es ein absoluter Einzelfall, dass sich ein Ladendieb mit einem Messer wehrt. Eine solche Tat hat es bislang nicht bei uns gegeben“, sagte Sprecher Reinhard Giesa. Der 14-Jährige hat bereits weitere Straftaten zugegeben. Unter anderem den versuchten Raub in der vorigen Woche auf einen Lebensmittelmarkt am Homberger Marktplatz. Der Jugendliche wird nun dem Haftrichter wegen räuberischem Diebstahl und versuchter Tötung vorgeführt. (bra)

Weitere Tat des Jugendlichen aufgeklärt

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Im Zuge der Ermittlungen gegen den 14-jährigen Jugendlichen klärte die Polizei einen weiteren versuchten Raubüberfall auf, der sich vor genau einer Woche in Homberg ereignet hatte. Am Dienstag, 30. November, gegen 15.30 Uhr, hatte ein jugendlicher Täter unter Vorhalt eines Messers den Betreiber eines Lebensmittelladens zur Herausgabe aller Zigaretten aufgefordert.

Der Ladenbetreiber hatte sich jedoch nicht beeindrucken lassen, worauf der Täter geflüchtet war. Der 14-Jährige, der in den vergangenen Wochen lediglich wegen Ladendiebstahls in Erscheinung getreten war, gestand auch diese Tat.

14-Jähriger lebte seit Oktober in Wohngruppe

Entsetzen herrschte am Dienstag bei Jörg Hans, pädagogischer Leiter des pädagogisch-medizinischen Vitos Zentrums Wabern (PMZ) über die Tat des 14-Jährigen, der in einer Wohngruppe für verhaltensauffällig Jugendliche in Homberg lebte. Erst seit Oktober war er mit sieben anderen Jugendlichen in der Wohngruppe untergebracht.

Für die Mitarbeiter war der Junge, der nach Angaben der Polizei aus Südhessen stammt, kein unbeschriebenes Blatt. Seit vielen Jahren lebte der verhaltensauffällige Jugendliche, der ohne Geschwister aufwuchs, nicht mehr in seiner Familie.

Unbekannt war der Junge weder der Polizei noch der Justiz. Jörg Hans sprach von „Kontakten zur Justiz“ und Polizeisprecher Reinhard Giesa berichtete davon, dass der Jugendliche in den vergangenen Wochen einige Ladendiebstähle begangen habe. Dennoch: Der Ausbruch roher Gewalt am Montagabend sei nicht vorhersehbar gewesen, sagte Hans.

Wie problematisch der Umgang mit dem 14-Jährigen war, wird aus den Plänen für die kommende Woche ersichtlich. Denn in die Betreuung eingeschaltet war die kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz von Vitos. Und in Gesprächen mit dem Jugendamt sollte das weitere Vorgehen abgestimmt werden, sagte Hans. Dazu wird es jetzt nicht mehr kommen. Denn eine Rückkehr in die Wohngruppe werde es allein schon zum Schutz der anderen Bewohner nicht mehr geben. (ras)

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Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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