56-jährigem Fleischer war iIllegale Müllbeseitigung nicht nachzuweisen

Schwalmstadt. Laut Anklageschrift sollte der Mann Anfang des Jahres versucht haben, unter einem Misthaufen Reifen, Planen, Silofolien und Bauschutt sowie eine leere Ölflasche zu verstecken. Nach einer anonymen Anzeige wegen illegaler Tierkadaverbeseitigung rückte die Polizei an, mit einem Bagger gruben die Polizeibeamten unter dem Misthaufen ein 1,5 Meter tiefes Loch. Jetzt fand die Affäre vor Gericht ein Ende.

Doch der Mann aus dem Altkreis Ziegenhain verließ mit einem lupenreinen Freispruch das Amtsgerichts in Treysa.

Die Anzeige gegen den Mann erfolgte anonym. Sechs Zeugen waren erschienen, um den Sachverhalt aufzuklären.

Der bei den Ermittlungen der Polizei festgestellte Müll sei bei der Entmistung eines von ihm angepachteten Stalles angefallen und sollte aussortiert werden, beziehungsweise sei schon vorher im Erdreich gewesen, bezog der Angeklagte sichtlich entrüstet Stellung. „Den Müll fährt doch niemand mit dem Miststreuer aufs Feld, davon geht doch die Maschine kaputt. Wir wollten den Müll noch aussortieren“, so der Mann. Über die Frage, wie Reifen in den Mist kommen konnten, ergab sich zwar eine kurze Diskussion zwischen dem 56-Jährigen und dem Gericht: „Ist halt reingerutscht“, erklärte der Mann achselzuckend. Aber schon angesichts des Bildmaterials in der Akte äußerte auch der Vorsitzende Richter Zweifel gegenüber dem Hauptvorwurf aus der Anklageschrift: „Fraglich, ob die paar Sachen überhaupt geeignet sind, die Umwelt zu schädigen.“

Noch bevor der Fleischer damals den Misthaufen fachgerecht sortieren und auf ein Feld bringen konnte, war das Aufgebot der Bereitschaftspolizei mit schwerem Gerät angerückt. Bei der Grabungsaktion unter dem Misthaufen vermischten die Beamten den Mist untrennbar mit Bauschutt, Erdreich und Müll.

Ein Polizeibeamter bestätigte in seiner Zeugenaussage diese Version des 56-jährigen Fleischers: „Der Müll lag unter dem Misthaufen.“

Auch ein im Februar bei der Kadaversuche anwesender Amtstierarzt konnte sich weder an tote Tiere noch unsachgemäß gelagerten Müll erinnern: Da waren zwar alte Knochen in der ausgehobenen Grube, aber aus welchem Jahrhundert die waren, war nicht ersichtlich.“

Der letzte Zeuge, ein pensionierter Polizeibeamter, bestätigte die Aussagen: „Das war Mist, der halt so im Stall drin war. Die Sortierung des Mülls war eigentlich organisiert und dann kam der Polizeieinsatz dazwischen. Jetzt ist alles Sondermüll.“

In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwaltschaft Freispruch: Der Vorwurf habe sich nicht bestätigt, der Sachverhalt sei nicht nachzuweisen.

So sah das letztlich auch der Richter. Die Anzeige sei wohl im Zusammenhang mit der Anzeige zu der vermeintlichen Tierkadaverbeseitigung zu sehen, die Umweltverschmutzung erst durch die polizeilichen Grabungsarbeiten entstanden: „Alles war hinterher schlimmer als vorher. Es wurden zwar ein paar Sachen gefunden, die man aber wohl auf jeden Bauernhof finden kann.“

Quelle: HNA

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