8000 zur Prüfung begleitet: Jürgen Schnücker ist seit 40 Jahren Fahrlehrer

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Kennt sich in und um Schwalmstadt bestens aus: Fahrlehrer Jürgen Schnücker eröffnete 1976 seine eigene Fahrschule in Treysa. Jährlich bringt er 250 Schüler zum Führerschein.

Treysa. Autofahren war schon immer Jürgen Schnückers „Ding". Deshalb kann es der 72-Jährige auch nicht lassen. Seit 40 Jahren ist der gebürtige Wasenberger Fahrlehrer.

1976 eröffnete er seine Fahrschule in Treysa. Damals in der Steingasse. „Schon nach vier Wochen war der Raum zu klein“, erinnert er sich an den Auftakt. Nicht nur aus technischer Sicht hat der Treysaer Quantensprünge miterlebt: „Auch der Fahrschüler hat sich verändert“, sagt Schnücker.

In der Schwalm gibt es viele Schüler, die sich gern an ihre Fahrstunden erinnern. „Kürzlich kam ein Paar, das bei mir 1978 Prüfung machte. Die hatten noch die Rechnung. Der Führerschein kostete damals 648 Mark.“ Schnücker erzählt weiter: „In den 1970er-Jahren konnte man locker 15 Leute zur Prüfung anmelden, denn die dauerte maximal zehn Minuten.“ Denn Regularien gab es weit weniger: Erst später wurden die sogenannten Sonderfahrten eingeführt. Während heute fast nur noch Junge die Fahrschule besuchen, waren die Führerscheinanwärter früher deutlich älter - zwischen 18 und 60 Jahren.

Gern erinnert sich Schnücker auch an sein erstes Fahrschulauto - einen BMW 1602, „ein echtes Schätzchen“. Bis 1980 leistete ein Dreier-BMW gute Dienste, dann stieg Schnücker auf VW um. An frühere Theorieabende denken der Treysaer und seine Frau gern zurück: „Die Fahrschüler waren wie eine große Familie. Man hat sich gegenseitig sehr unterstützt, anderen die Daumen für die Prüfung gehalten und danach zusammen gefeiert“, erzählt Annemarie Schnücker.

Alle waren eingebunden

Im Familienunternehmen war nicht nur die Ehefrau eingespannt. Auch die Söhne - der Jüngere Jan übernahm die Fahrschule 2009 - korrigierten Fragebogen. Annemarie wusch die Autos und holte „aus allen Ecken des Hauses Stühle für die Schüler“. Auch der ältere Sohn ist in Vaters Fußstapfen getreten. Er hat eine Fahrschule in Witzenhausen.

Alte Anzeige: Aus den 1970er-Jahren stammt diese Werbung, die der frisch gebackene Fahrlehrer in der Zeitung schaltete.

Schnücker fährt mit jedem seiner drei Autos etwa 70.000 Kilometer im Jahr. 250 Schüler begleitet er jährlich zur Prüfung, insgesamt 8000 haben bei Schnücker den Führerschein gemacht. Besonders auf die geringe Durchfallquote ist er stolz: „Dafür wurden wir vom Regierungspräsidium belobigt.“ Lange sei er auch stolz gewesen, noch nie geblitzt worden zu sein. „Aber als ich einen Fahrschüler abholen wollte, ist es doch mal passiert.“ Mittlerweile sind es zwei Knöllchen. „Damit kann ich leben“, sagt der 72-Jährige.

Nicht nur die Technik, auch die Fahrschüler haben sich mit den Jahrzehnten verändert: „Mädchen sind viel konzentrierter. Die machen das gut. Jungs diskutieren eher“, sagt er. Doch auch mit denen weiß der erfahrene Lehrer umzugehen: „Ich sage immer, es geht nicht darum, irgendwie irgendwo hinzufahren. Sondern darum, dass der, der neben einem sitzt, gern und sicher mitfährt.“

Jürgen Schnücker denkt zwar noch nicht ans Aufhören - „dazu macht es mir noch zu viel Spaß“ - aber Fahrlehrer zu finden, sei heute kaum möglich. „Die Ausbildung ist teuer und aufwändig“, ärgert er sich. Umso glücklicher ist er, dass Sohn Jan das Familienunternehmen übernommen hat.

Zur Person

Jürgen Schnücker war 1959 der erste Lehrling der Firma Rasner in Wasenberg. 1964 ging er zur Bundeswehr und blieb dort zehneinhalb Jahre. Dort ließ sich Schnücker zum Fahrlehrer ausbilden. Nach der KFZ-Meisterprüfung arbeitete er in einer Ausbildungsstätte, bevor er sich 1976 selbständig machte.

Quelle: HNA

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