A-Cappella-Nacht vor dem Dom

Stimmen als geniales Instrument

Was man nur mit Stimmen schaffen kann: Das zeigten beim A-Cappella-Abend des Festivals Vor dem Dom in Fritzlar die Schweizer Gruppe Bliss (links), die Gruppe Six Pack aus Bayreuth (rechts oben) und die Camerata aus Minsk/Weißrussland. Es gab fürs dreistündige Programm stehenden Beifall. Fotos: Dürr

Fritzlar. Stimmen ersetzen Instrumente: Sie können ein Orchester genauso nachahmen wie ein Kammerensemble oder eine Popgruppe, können Schlagzeug oder Blechblasinstrument sein, können Stimmung verbreiten, die gruselig ist wie ein Märchenwald. All das erlebten 600 Zuhörer am Samstagabend in Fritzlar.

Denn dort wurde der dritte Abend von „Fritzlar vor dem Dom“ von drei A-Cappella-Formationen gestaltet, die in helle Begeisterung versetzten und mit Standing Ovations belohnt wurden.

Allen Musizierenden kann man eines bescheinigen: Sie haben hervorragende Stimmen, eine außergewöhnliche Bühnenpräsenz und die Musik unterstützende Körpersprache. Und sie benutzen ihre Stimme auf so vielfältige Weise, dass man aus dem Staunen nicht herauskam.

Da heizte zuerst Six Pack aus Bayreuth mit Chris Strobler, Markus Burucker, Bernd Esser, Andy Sack, Hannes Betz und Lars Keinle ein. Mit komödiantischem Gesang, manchmal von Percussioninstrumenten untermalt, sangen und schauspielerten sie den bis zu sechsstimmigen Gesang. Ob „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „It´s Wonderful“, ob Edith Piaf oder Brotherhood of Man: Sie machen eine Show aus jedem Ton, jedem Satz.

Sie machten einer völlig anderen Musik Platz: Camerata aus Minsk betrat nach einer Pause die Bühne. Die drei Frauen und drei Männer entführen in eine mystische Welt der Klänge. Sie benutzen ihre Stimmen als Klangteppiche, setzen unterschiedliche Gesangstechniken ein, nutzen Bewegungen im Raum und mit der Gruppe, und auch die Mikrofone, um einzigartige Sounds zu erzeugen, die man so noch nicht gehört hat.

Gut gelaunt überzeugte schließlich musizierend die Gruppe Bliss aus Zürich mit andauernder Spielfreude, beeindruckenden Arrangements und einer perfekt inszenierten Show. Als die sechs sehr ansehnlichen Männer sich durch die klassische Musik sang von Mozart über Beethoven, von Ravel bis Tschaikowsky, durch Oper, Operette, und Ballettmusik, waren Lachkrämpfe garantiert. Auch eine Persiflage der heutigen Popmusik, und eine - natürlich rein gesangliche - Autofahrt mit Staus wurde mit Szenen-Applaus und viel Gelächter belohnt. Aber es kamen auch melancholische Töne, wenn Momente des Glücks beschrieben wurden oder „Starting with the man in the mirror, if you want to be the world a better place“. Drei Zugaben mit gnialen „Stairways to heaven“ schenkten die sechs Sänger dem Publikum, bevor sie sich endgültig verabschiedeten.

Von Agnes Dürr

Quelle: HNA

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