Lehrstelle als Servicekraft gesucht

Abfuhr statt Ausbildung für Kevin Kaiser: Das sagt der Betrieb dazu

Würde gerne Gäste bedienen: Kevin Kaiser (rechts) wurde bei der Ausbildungsplatzsuche bitter enttäuscht. Auf dem Foto schenkt er unserer Volontärin Marie Therese Gewert Kaffee ein. Foto: Yüce

Sondheim. Auf die Hoffnung folgte Enttäuschung: Aus einer Ausbildung zur Servicekraft in der Silbersee-Alm wurde für Kevin Kaiser aus Sondheim nichts. Eine einfache Absage hätte der 16-Jährige akzeptiert, sagt er. Doch das, was ihm während der Suche nach einer Lehrstelle passiert sei, ärgere ihn maßlos.

„Ich habe mehrfach zur Probe gearbeitet und bin als Aushilfe eingesprungen. Dann wurde mir ein Ausbildungsvertrag versprochen“, sagt Kevin Kaiser. Doch daraus wurde nichts.

Noch ein Aushilfetag 

Mitte Juli habe er sich in der Silbersee-Alm vorgestellt und nach einem Ausbildungsplatz gefragt. „Er sollte gleich dort bleiben und drei Stunden zur Probe arbeiten“, erklärt sein Vater Christopher Kaiser. „Das hat denen aber nicht gereicht.“ Deshalb habe Kevin einen weiteren Arbeitstag leisten sollen. Damit waren Vater und Sohn einverstanden. „Es ging ja schließlich um was“, sagt Christopher Kaiser.

Danach sei das Team der Silbersee-Alm zwar mit seinem Sohn zufrieden gewesen, aber man habe ihn auch weiter hingehalten. Warnungen schlugen Vater und Sohn in den Wind: „Uns wurde gesagt, dass in der Gastronomie derzeit Hochbetrieb sei und billige Arbeitskräfte gesucht werden.“

Das sagt Thomas Hahn:

Man sei mit Kevin Kaisers Leistung nicht zufrieden gewesen, deshalb habe man sich gegen ihn als Auszubildenden entschieden, sagt Thomas Hahn von der Silbersee-Alm. Nach der Probearbeit habe man ihm in einem Abschlussgespräch gesagt, dass das mit der Lehrstelle nichts werde. Er sei zu schüchtern und mehrfach nicht zum Dienst erschienen. Einen Ausbildungsvertrag habe man ihm nie versprochen. „Das bildet er sich ein“, so Hahn. Auch sollte der Jugendliche nicht länger arbeiten. „Wir schließen in der Woche um 21.30 Uhr.“ Das Geld gehe Anfang September raus.

Ein weiterer Aushilfetag - diesmal sollte Kevin Kaiser auch Geld dafür bekommen - stand am 21. Juli an. Zehn Stunden habe er gearbeitet und sollte sogar bis Mitternacht bleiben, versichert der 16-Jährige. Doch dagegen sprach sich sein Vater aus. „Man muss sich doch an das Gesetz halten“, sagt Christopher Kaiser.

Dennoch: „Die Geschäftsleiterin sagte mir, dass ich einen Ausbildungsvertrag bekomme und noch bis Anfang August ein paar Tage als Aushilfe arbeiten könnte“, erklärt der 16-Jährige. Das habe er auch getan. „Weil mir die Arbeit Spaß machte und ich mich schon auf die Ausbildung freute“, sagt er. Anfang August habe er dann seine Ausbildung begonnen. „Einen Vertrag hatte ich aber noch nicht, der sollte mir nachgereicht werden“, sagt Kevin Kaiser. Daran habe er geglaubt.

Allerdings habe er bis heute keinen Vertrag erhalten. „Nach dem zweiten Tag ohne Vertrag haben wir erneut mit der Geschäftsleiterin gesprochen“, erklärt Christopher Kaiser. Er habe seinem Sohn zur Seite stehen wollen.

In diesem Gespräch sei ihnen klar geworden, dass Kevin keinen Vertrag bekommen würde. „Sie wollten, dass er nochmal zur Probe arbeitet. Diesmal für einen Monat“, sagt der Vater. Danach sollte es dann den ersehnten Vertrag geben. „Da hat es uns gereicht.“ Bislang habe Kevin noch keinen Lohn für seine Arbeit erhalten.

Doch was viel ärgerlicher sei: „Das Ausbildungsjahr beginnt und er steht ohne Ausbildung da.“ Für Kevin Kaiser geht die Suche jetzt weiter. „Ich würde gerne im Service arbeiten. Könnte mir aber auch vorstellen, Maler oder Friseur zu werden“, sagt er.

Hintergrund: Probearbeiten

Grundsätzlich sollten Auszubildende in verschiedenen Berufen zur Probe arbeiten und nicht immer in demselben Betrieb, rät Uwe Kemper, Leiter der Arbeitagentur Korbach, die auch für den Schwalm-Eder-Kreis zuständig ist. Eigentlich sei die Probearbeit eine Chance für die möglichen Auszubildenden und Betriebe. Vor allem dann, wenn die jungen Leute flexibel seien und in mehrere Unternehmen schnupperten. Sicher gebe es aber auch Einzelfälle, in denen Betriebe versuchten, Belastungsspitzen durch Probearbeit abzufangen. „Darum geht es bei der Probearbeit nicht, es geht ums Kennenlernen und Ausloten der Fähigkeiten“, sagt Kemper. 

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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