Melsungen: Abholzungen in den Teichwiesen

Neues Quartier mit altersgerechten Wohnungen: Bei den Bauarbeiten in den Melsunger Teichwiesen wurden mehr Gehölze als laut Bebauungsplan zulässig gerodet. Foto:  Schwarz

Melsungen. Im Streit um die Biotop-Rodungen im Melsunger Baugebiet Teichwiesen hat Bürgermeister Dieter Runzheimer „in aller Deutlichkeit“ Vorwürfen des BUND widerprochen, die Stadt habe nicht angemessen auf die Abholzungen reagiert.

„Nicht die städtischen Mitarbeiter haben versagt, sondern der Bauherr hat eigenmächtig gegen die Vorgaben des Bebauungsplanes gehandelt“, sagt Runzheimer in einer Pressemitteilung.

So stellt der Bürgermeister den Ablauf der Ereignisse dar:

• 15. Februar: Der städtische Umweltbeauftragte Gerald Zöller wird über die Rodungsarbeiten informiert, besichtigt die Baustelle und weist auf die Vorgaben des Bebauungsplans hinsichtlich des Biotops hin.

• 22. Februar: In einer Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verkehr wird berichtet, dass inzwischen weitere Rodungen vorgenommen worden seien, die vermutlich über das erlaubte Maß hinausgingen.

• 23. Februar: Am Folgetag besucht Zöller erneut die Baustelle. Runzheimer: „Dabei erhärtete sich der Verdacht, dass mehr Bäume als vorgesehen der Rodung zum Opfer gefallen sind.“ Darüber habe die Stadt noch am selben Tag die Untere Naturschutzbehörde informiert. Ebenfalls am 23. Februar besucht laut Runzheimer der Magistrat die Baustelle und macht sich ein Bild von der Situation.

• 25. Februar: Die Stadt schreibt die Grebenauer Baufirma Lengemann als Bauherrin an und fordert eine Stellungnahme zum Ausmaß der Rodungsarbeiten ein.

• 2. März: Ortsbesichtigung durch einen Biologen, der im Zuge der Bauplanung ein naturschutzfachliches Gutachten für das Areal erstellt hatte.

• 8. März: Die Stellungnahme des Fachmanns geht bei der Stadt ein. Darin werden die angenommenen Verstöße bestätigt und eine Reihe von Ausgleichsmaßnahmen festgelegt, die der Bauherr unmittelbar vornehmen müsse.

Dieter Runzheimer

Als Fazit resümiert der Bürgermeister: „Die Stadt Melsungen hat auf die Einhaltung des Bebauungsplans deutlich hingewiesen,sie hat nach Bekanntwerden von möglichen Verstößen unmittelbar gehandelt und die nötigen Schritte eingeleitet.“ Eigenmächtiges Verhalten eines Bauherrn könne nie ganz ausgeschlossen werden, sagt Runzheimer. „Dies ist natürlich im Zusammenhang mit Baumrodungen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können, besonders schmerzlich.“ Dafür trage aber allein der Bauherr die Verantwortung. Er müsse für Ausgleich sorgen.

Bauherr ist der Grebenauer Architekt Frank Lengemann. Er sagte auf HNA-Anfrage, eine von seinem Unternehmen beauftragte Fremdfirma habe die Rodungen vorgenommen. „Wir haben denen auch Vorgaben gesetzt“, betont Lengemann. Er bedaure, dass diese dann vor Ort nicht eingehalten worden seien.

Seine Firma bekenne sich jedenfalls zur „Verantwortung über die Gesamtbaustelle“ und werde die Naturausgleichsvorgaben kurzfristig umsetzen. „Da kommt man in ein Licht, das einem gar nicht gerecht wird“, sagte der Architekt.

Lengemann betonte, dass „über 90 Prozent“ der letztlich gerodeten Fläche im Einklang mit dem Bebauungsplan abgeholzt worden sei. Den unerlaubten Anteil darüber hinaus schätzte er auf ein halbes Dutzend Büsche und Bäume. (asz)

Quelle: HNA

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