Gefährlicher Pilz zersetzt das Holz

Abschied von der Linde in Hesserode

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Beliebter Schattenspender: Nicht nur die Dorfbewohnerinnen Erna Möller, Birgit Körber, Elli Warnath und Lisa Grede trafen sich gern zum Schnuddeln unter der Linde. 

Hesserode. Sie hat Hesserode jahrzehntelang geprägt: die alte Dorflinde vor der Kirche. Nun müssen sich die Hesseröder vom ältesten Bewohner ihres Ortes verabschieden. Die Linde wird am Freitag gefällt.

Die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde des Schwalm-Eder-Kreises hatten die Winterlinde seit Jahren unter Beobachtung. Schon vor einigen Jahren wurden faule Stellen im Stamm entdeckt, im Frühjahr 2008 musste die Baumkrone deshalb gestutzt werden.

Doch solche Rettungsmaßnahmen bringen jetzt nichts mehr. Eine Untersuchung ergab: Der Baum ist vom Brandkrusten-Pilz befallen. „Das ist einer der gefährlichsten holzzersetzenden Pilze, die es gibt“, sagt Dr. Klaus Lambrecht, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Der Pilz zersetzt das Holz des Baums in rasantem Tempo, seine Standfestigkeit wird gemindert. Schwarze Flecken am Stamm, ähnlich wie Brandstellen, zeigen den Pilzbefall an. „Es kann aber auch passieren, dass ein Baum von außen gesund aussieht, aber dann plötzlich umfällt“, schildet Lambrecht. Deshalb muss die Linde sofort gefällt werden - obwohl sie als Naturdenkmal eigentlich nicht angetastet werden darf. Doch in diesem Fall sei das Risiko einfach zu groß.  

Eingedrungen ist der Pilz über eine beschädigte Stelle an den Wurzeln. Wie der Schaden entstanden ist, ist unklar.

Die Dorfbewohner werden den Baum vermissen. Das genaue Alter der Linde kennt zwar niemand, „aber ich bin jetzt 84 Jahre alt, und der Baum war immer da“, erzählt Kurt Pfleging. „Wir sind alle sehr traurig, dass dieses Naturdenkmal verschwindet“, sagt er. Doch er sehe ein, dass es zu gefährlich sei, die Linde stehen zu lassen.

„Sicherheit geht vor Tränen“, sagt auch Hesserodes Ortsvorsteherin Bärbel McEnany. „Aber mir tut es sehr weh, dass die Linde gefällt wird - sie hat uns so lange begleitet.“

Der 22 Meter hohe Baum, der im Zentrum des Ortes gleich vor der evangelischen Kirche steht, ist nicht zu übersehen. In der unwirtlichen Jahreszeit sind die Bänke, die in seinem Schatten stehen, meist leer - doch im Sommer ist die Linde ein beliebter Treffpunkt. Jedes Jahr im Juni feiern die Hesseröder hier das Kirchenfest, das die evangelische Frauengruppe auf die Beine stellt.

„Ich werde im Ortsbeirat vorschlagen, dass wir einen neuen Baum pflanzen“, sagt Bärbel McEnany. Das Pflanzen des Baumes könnte von einem Fest begleitet werden. Auch Kurt Pfleging wünscht sich, dass die Linde ersetzt wird. „Aber sie sollen nicht so ein kleines Pflänzchen dahin stellen.“

15 bis 18 Zentimeter Umfang könnte der Stamm des neuen Baumes haben, schätzt Bärbel McEnany. Bis dieses Bäumchen die Ausmaße seines Vorgängers erreicht, werden sich die Hesseröder wohl Jahre gedulden müssen.

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Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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