Sieben Prüflinge legten Einbürgerungstest ab und erläuterten ihre Beweggründe

Abschreiben geht nicht

Musste 17 von 33 Fragen richtig beantworten: Annabelle Cabacungan-Wagner von den Philippinen und rechts Hille Hobbiebrunken-Oltmer. Foto: Schorn

Schwalm-Eder. Einmal im Monat können Ausländer, die die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten möchten, einen Einbürgerungstest bei der Volkshochschule Schwalm-Eder (vhs) in Homberg ablegen. Dieser ist seit 2008 für alle Einbürgerungswilligen Pflicht. „Daneben müssen auch alle, die Deutsche werden wollen, seit 2005 ausreichende Sprachkenntnisse in Wort und Schrift nachweisen können“, erklärt die Leiterin der vhs-Abteilung Sprachen, Hille Hobbiebrunken-Oltmer.

Im Oktober nahmen sieben Prüflinge am Test in Homberg teil, alle aus unterschiedlichen Nationen. Annabelle Cabacungan-Wagner beispielsweise kommt von den Philippinen. Aber: „Ich lebe seit 13 Jahren in Deutschland“, erzählt die Mutter eines Kindes.

„Das schaffen 95 Prozent der Teilnehmer“

Hille Hobbiebrunken-Oltmer

Sie habe einen deutschen Mann geheiratet und wolle in der Heimat von Goethe und Schiller bleiben. „Ich brauche den philippinischen Pass einfach nicht mehr“, erläutert sie ihre Beweggründe.

Auch der 16-jährige Salah Mohamed aus Somalia plant seine Zukunft in Deutschland. Seit zehn Jahren lebt er hier und geht noch zur Schule. „Als ich erfahren habe, dass man den Einbürgerungstest schon mit 16 Jahren machen kann, habe ich die Chance sofort wahrgenommen“, sagt er.

Und warum? Salah erhofft sich dadurch Vorteile bei der Stellensuche nach der Schule und überhaupt für sein Leben in der Bundesrepublik.

Vor dem Test herrscht noch etwas Aufregung und Anspannung bei den Teilnehmern zum Beispiel aus der Ukraine, Sri Lanka und Mazedonien. Doch als die Testbögen mit den 33 Fragen ausgeteilt sind, herrscht schnell konzentrierte Ruhe. „Aus einem Pool von 310 Fragen mit jeweils vier Antwortmöglichkeiten werden pro Teilnehmer 33 Fragen individuell herausgegriffen“, sagt Hobbiebrunken-Oltmer. „Abschreiben geht also nicht.“

Nach 15 Minuten fertig

Das scheint auch nicht nötig zu sein. Die Ersten sind bereits nach 15 Minuten mit der Prüfung fertig, für die man eine Stunde Zeit hat. Um zu bestehen, müssen außerdem nur 17 der 33 Fragen richtig beantwortet werden. „Das schaffen etwa 95 Prozent der Teilnehmer“, meint die vhs-Sprachenleiterin, die seit 2008 die Prüfung 182-mal abgenommen hat. „Falls man die Prüfung nicht besteht, kann man so oft wiederholen, wie man will“, stellt Hobbiebrunken-Oltmer klar.

Trotzdem ist eine gute Vorbereitung sinnvoll. „Ich habe vorher zwei Wochen lang geübt“, erklärt Salah Mohamed. „Einige Fragen fand ich leicht. Aber wann die DRR gegründet wurde, wusste ich nicht mehr genau.“

Von Michael Schorn

Quelle: HNA

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