Nach dem Waldecker Gewitter-Unglück: Diskussion über Sicherheit auf Golfplätzen in der Region

„Absoluten Schutz gibt es nicht“

Große Betroffenheit in Escheberg: Der Vorfall in Waldeck hat Mitarbeiter wie hier Philipp Wende und Mitglieder schockiert. Die Schutzhütten in Escheberg sind bereits beim Bau der Anlage mit Blitzableitern ausgestattet worden. Foto: Flöper

Escheberg/Waldeck. Der Schock nach dem Gewitter-Unglück, dem drei Golferinnen aus Vellmar und Ahnatal zum Opfer fielen, sitzt noch immer sehr tief. Eine vierte Frau, die am Freitag ebenfalls Schutz in dem Unterstand des Golfplatzes in Waldeck gesucht hatte, wurde lebensbedrohlich verletzt. Der Gesundheitszustand der 50-jährigen aus Kassel war am Montag laut Dirk Virnich, Pressesprecher der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, unverändert sehr kritisch.

Großes Bedauern

„Das ist ein tragischer Vorfall, der die ganze Region mitnimmt“, sagt Ahnatals Bürgermeister Michael Aufenanger. Viele Menschen aus der Gemeinde fühlten mit den Angehörigen. Auch Vellmars Erster Stadtrat Peter Abel spricht von einem tragischen Unfall, der großes Bedauern hervorrufe.

Unterdessen hat der Vorfall eine Diskussion über Sicherheitsvorkehrungen an auf Golfplätzen gelegenen Schutzhütten ausgelöst. In Waldeck verfügen die Holz-Unterstände nicht über Blitzschutzanlagen.

Wie berichtet, hat der Golfclub Kassel Bad Wilhelmshöhe seine Blitzschutzhütten im vergangenen Jahr für 40 000 Euro komplett erneuert. Schon vorher hätten diese Schutz vor Blitzschlag geboten, nun seien sie zudem zertifiziert, sagt Platzwart Rolf Ruge.

Bei den Mitgliedern und Mitarbeitern des Golfplatzes in Escheberg herrsche angesichts der Ereignisse große Betroffenheit, sagt Golfmanager Alexander Raupp. Dort gebe es bereits die Regel, dass bei Gewitter der Betrieb sofort eingestellt werde. „Als Reaktion auf die jüngsten Vorkommnisse haben wir uns entschlossen, schon bei einer Unwetterwarnung den Platz sofort für den Spielbetrieb zu sperren.“ Die Schutzhütten des Golfplatzes in Escheberg sind bereits mit Blitzableitern ausgestattet.

Auf der Anlage des Golf- und Landclubs Bad Arolsen am Twistesee sind die Unterstände mit Blitzableitern ausgerüstet, ebenso die Hütten der Golfanlage Gut Wissmannshof in Staufenberg-Speele. Bei gefährlichen Gewittern werden die Golfer dort auch mit einem Signalhorn gewarnt.

Anders ist die Situation im Golfplatz Bad Wildungen: Die Anlage in der Badestadt verfügt nach Angaben des Vorsitzenden Dr. Ulf Jonas nicht über Blitzableiter. „Einen absoluten Schutz gibt es nicht. Darüber sind und waren wir uns einig, dennoch setzen wir uns in Bad Wildungen mit dem Thema Blitzschutz intensiv auseinander“, sagt Jonas.

Unwetter beachten

Klaus Albrecht, Geschäftsführer der Golf in Deutschland GmbH und Betreiber der Golfanlage in Waldeck, hat in den vergangenen Tagen viele Gespräche über Blitzschutz mit verschiedenen Fachleuten geführt. „Einen absoluten Schutz gibt es nicht. So wurde es mir von allen Expertenseiten gesagt.“ Die Schutzhütten seien nichts anderes als Notbehelfseinrichtungen.

„Grundsätzlich gilt bei herannahenden Wetterextremen, Spiel sofort abbrechen, runter vom Platz und die Handys ausmachen.“

Albrecht berichtete gegenüber der HNA von einer großen Anteilnahme am Unglück der vier Frauen. „Aus dem gesamten Bundesgebiet habe ich Anrufe und E-Mails erhalten.“ (abe/ukl/ewa/ems)

WEITERE ARTIKEL

Quelle: HNA

Kommentare