Hinterlistiger Trick: Claudia Paschke erhielt einen Hilferuf per Mail von ihrer Freundin

E-Mail-Konto geknackt: Abzocke mit der Angst

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Erleichtert: Claudia Paschke kann wieder lachen, denn die Hilferuf-Mail, die ihr angeblich ihre Freundin geschickt haben soll, kam von einem Betrüger und sie durchschaute es.

Homberg/England. Es war der Hilferuf ihrer Freundin Marilyn Mountford aus England, der Claudia Paschke aus Homberg bis ins Mark traf.

In einer Mail schrieb ihr die langjährige Freundin, dass sie während eines Urlaubs in Manila überfallen und beraubt worden sei, nun ohne Geld in dem fremden Land festsitze. Und: Sie benötige dringend 1850 Dollar, um nach Hause reisen zu können. „Im ersten Moment war ich geschockt“, sagt Paschke. Doch beim erneuten Lesen der Mail kamen ihr erste Zweifel – zurecht, wie sich bald herausstellte. Die Mail stammte gar nicht von ihrer Freundin.

Beim Knacken von E-Mail-Benutzerkonten gehen Betrüger immer raffinierter vor und lassen. „Ich schreibe dir mit Tränen in den Augen. Ich wurde in Manila überfallen. Kreditkarte, Portemonnaie, Handy, meine ganzen Wertsachen sind weg. Alles, was ich noch habe, ist mein Pass“, stand in der Mail an Claudia Paschke.

Ansprache fehlte

Immer wieder hat die Hombergerin die Zeilen gelesen und sie mit anderen Mails ihrer Freundin verglichen. Dabei fiel ihr auf, dass wesentliche Dinge, wie etwa die ganz persönliche Ansprache fehlte. „Wir haben da ein bestimmtes Ritual der Begrüßung“, sagt sie. Der Versuch ihre Freundin telefonisch zu erreichen gelang zunächst nicht. „Ich hätte kein Geld überwiesen, ohne mit ihr gesprochen zu haben“, sagt Paschke bestimmt. Je länger sie darüber nachdachte, desto sicherer war sie sich, dass der Inhalt der Mail nicht stimmen konnte. Doch stimmte die Mailadresse der Freundin. „Langsam legte sich meine Aufregung“, sagt Paschke. In ihr wuchs die Überzeugung, dass es sich um einen Mail-Betrug handeln muss.

Sie sollte recht behalten: Schon wenige Stunden später meldete sich ihre Freundin. Sie sei zu Hause und alles sei in bester Ordnung. Jedoch sei ihr Mailkonto geknackt worden. Die Gauner verschafften sich Zugriff auf ihr Email-Konto und die dazugehörigen Kontaktdaten. Dann wurde die verzweifelte Mail an alle Kontakte versendet. „Sogar ihr Mann und ihr Sohn bekamen diesen falschen Hilferuf“, sagt Claudia Paschke und klingt erleichtert. Dann schüttelt sie den Kopf uns sagt: „Ich war zu tiefst getroffen. Man hat mit meiner Sorge um meine Freundin gespielt. Das ist beängstigend“, sagt sie.

Es ist ihr wichtig andere Menschen vor diesen Machenschaften zu warnen. „Man denkt doch immer, dass einem so etwas nicht passiert“, sagt sie und weiß jetzt, dass es jeden treffen kann. Ihr Rat: „Eine Mail kann man mehrfach lesen und hat Zeit, um zu reagieren.“ Wem allerdings am Telefon von Betrügern eine solche Lüge aufgetischt werde, reagiere vielleicht überstürzt und zahle in seiner Verzweiflung. „Man sollte sich nie unter Druck setzen lassen.“

Claudia Paschke ist längst kein Einzelfall. Die Meldungen von solchen Betrugsversuchen häufen sich bei der Polizei. Auch sie hat sich bei der Kripo gemeldet. Die Täter dingfest machen, dass konnten die Beamten zwar nicht, doch gaben sie wertvolle Tipps.  

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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