Helmut Balamagi arbeitet als freiwilliger Fahrer für die Frauen-Fußballweltmeisterschaft

Auf Achse für die WM

Prominenz: Helmut Balamagi aus Niedergrenzebach lernt bei seiner Arbeit als Fifa-Volontär viele interessante Menschen aus zahlreichen Nationen kennen. Hier traf er die ehemalige Spielerin und TV-Expertin Nia Künzer. Foto: privat/nh

Schwalmstadt. 800 Kilometer war der Schwalmstädter Helmut Balamagi allein für das Spiel der Frauennationalelf gegen Nigeria unterwegs. Er arbeitet am Steuer eines von einem WM-Sponsor bereitgestellten Geländewagens und fährt als Volontär Fifa-Funktionäre und Ausrüstung zu den Spielorten.

An insgesamt 21 Tagen stellt sich der 57-Jährige bei der Weltmeisterschaft als Fahrer zur Verfügung. Dafür nimmt er sich drei Wochen Urlaub von seinem Beruf als Flugwetterberater am Fritzlarer Flughafen, zusätzlich baut er damit 40 Überstunden ab. Nun arbeitet er hauptsächlich in Frankfurt, wo er auch zur Versorgung der Fanmeilen am Stadion und in der Stadt eingesetzt wird. Meist transportiert er aber Funktionäre und Organisatoren der WM.

Dabei lernt er Menschen aus vielen Nationen kennen, darunter die ehemalige Spielerin und ARD-Expertin Nia Künzer sowie die Präsidentin des Organisationskomitees Steffi Jones. „Ich habe schon Engländer und Schweizer, Betreuer vom Team der USA, einen südafrikanischen Ingenieur und einen indischen Funktionär gefahren“, berichtet Balamagi. „Englischkenntnisse sind zwar Voraussetzung, aber helfen auch nicht immer weiter“, lacht der Schwalmstädter: „Die verschiedenen Dialekte der Fahrgäste sind nicht immer leicht zu verstehen, aber es gibt immer einen Weg, sich zu verständigen, zur Not mit Gesten.“

Guter Platz im Stadion

Als Aufwandsentschädigung erhält er pro Schicht einen Gutschein eines Supermarkts, nicht selten fährt er Doppelschichten. „Vor allem an den Spieltagen sind wir selten vor 23 Uhr fertig“, so Balamagi. Zudem wurde er vom Schuh bis zur Mütze mit Funktionskleidung ausgestattet, ein von der Fifa bereitgestelltes Zugticket bringt ihn von seinem Heimatort zu seinem Dienstwagen.

Die beste Entschädigung für den freiwilligen Einsatz seien aber die „große Volontärsfamilie“, die vielen neuen Bekanntschaften und der freie Eintritt in die Stadien. „Das Spiel der deutschen Frauenmannschaft gegen Nigeria habe ich in der vierten Reihe oberhalb der Mittellinie verfolgen können“, berichtet Balamagi.

Beim Konföderationen-Pokal 2005 in Deutschland arbeitete er erstmals als Freiwilliger. Zuvor hatte er einen Handzettel entdeckt, mit dem Helfer gesucht wurden. „Die Bewerbung habe ich sehr spontan ausgefüllt“, erinnert sich der 57-Jährige. Mit einer Zusage habe er aufgrund seines Alters aber nicht gerechnet. „Doch mittlerweile habe ich sogar einen 78 Jahre alten Volunteer (siehe Hintergrund) kennengelernt.“

Seitdem hat Balamagi bei verschiedenen Großveranstaltungen mitgearbeitet. Beim Sommermärchen 2006 fuhr er ebenfalls im Raum Frankfurt, wie auch 2009 beim Internationalen Turnfest. 2010 half er als Fahrer bei der U-20-WM der Frauen in Bielefeld, Anfang des Jahres bei der Leichtathletik-WM in Berlin.

Von Sebastian Lammel

Quelle: HNA

Kommentare