Sicherheitsaktion an Schulen gestoppt, weil eine von 16 EU-Normen nicht stimmte

ADAC holt Westen zurück

Schwalm-Eder. Der ADAC hat etwa 250 000 Sicherheitswesten aus tausenden Grundschulen in ganz Deutschland zurückgeholt, weil sie eine von 16 EU-Normen nicht erfüllten. Auch zahlreiche Schulen im Schwalm-Eder-Kreis mussten kartonweise Kinderwesten zurückgeben.

Inzwischen treffen die 11.340 für nordhessische Schüler nachgebesserten Westen wieder ein und werden an die Erstklässler verteilt. Diese sollten mit den gelben Überziehern mit Reflektorstreifen und im Dunkeln leuchtenden Figuren auf dem Schulweg besser sichtbar sein. Aber das unterste von 13 reflektierenden Elementen leuchtete nicht weit genug.

Die EU-Norm 1150 schreibt die Leuchtkraft vor, die der rundum am Bund verlaufende vier Zentimeter breite Streifen nicht erfüllte. „Da ging es um einen bestimmten Anleuchtwinkel“, sagte Andreas Hölzel, Pressesprecher des ADAC in München.

Bei 750.000 Westen, die in China für 16 000 Schulen hergestellt worden waren, musste der fehlerhafte Streifen in Nähereien in Osteuropa oder Marokko ausgetauscht werden. Etwa ein Drittel der gelben Sicherheitsartikel war bereits an Schulen – auch 242 in Nordhessen – ausgeliefert worden.

Auf Elternabenden habe sie die Erziehungsberechtigten der Erstklässler über den Grund für die Verzögerung der angekündigten Spenden informiert, berichtete Karin Brandau, Rektorin in Gensungen. Inzwischen haben die ABC-Schützen dort ihr Geschenk, und Brandau ist angetan von den „sehr, sehr schönen Westen“ mit guter Qualität.

1,5 Millionen Euro hatten ADAC, die Deutsche Post, die Stiftung Ein Herz für Kinder und weitere Sponsoren für die Sicherheitsaktion ausgegeben. Hauptsponsor der Aktion ist der Hersteller CWS-boco aus Dreieich. Wie viel Geld ihre Firma für die Nachbesserung investiert hat, wollte Pressesprecherin Dr. Maren Otte nicht sagen, nur so viel: „Im gesamten Unternehmen ging es wochenlang um nichts anderes. Wir reden auf jeden Fall über eine siebenstellige Summe.“

Von Andrea Brückmann

Kommentar von Andrea Brückmann über die Bürokratie in Brüssel

Das ist kaum zu fassen: Ein Leuchtstreifen leuchtete nicht weit genug. Deshalb mussten 750 000 Kinderwesten nachgebessert werden. Eine von 16 Normen, die einer europäischen Richtlinie festgeschrieben sind, war nicht erfüllt.

 In einem bestimmten Winkel leuchtete der Reflektorstreifen nicht weit genug. Einer von 13 und nur in einem bestimmten Winkel. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Deshalb wurden 250 000 Sicherheitswesten aus tausenden Grundschulen wieder abgeholt, zuvor gab es ebenso viele entschuldigende Briefe von ADAC und Herstellerfirma, hunderte Telefonate, und tausende Lkw-Kilometer wurden gefahren.

Da wiehert der Amtsschimmel in Brüssel und Europa läuft aus dem Ruder. Denn auf Weichmacher und viele andere Kritierien waren die Westen vom TÜV Rheinland im Auftrag des Herstellers schon während der Produktion in China mehrfach überprüft worden. Kein Wunder, wenn die Spender auf eine Neuauflage der Aktion keine Lust haben sollten. Aber auch doppelt schade, denn die Idee war klasse. and@hna.de

Quelle: HNA

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