ADAC-Tester gibt gute Note für vieldiskutierten Minikreisel in Homberg

Der Test im Test: An der Drehscheibe in Homberg läuft die Testphase für einen Minikreisel. Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen.

Herda hat für die HNA den Kreisel unter die Lupe genommen. Im Fokus: die Verkehrssicherheit. Zugegeben: Ganz unvoreingenommen war Verkehrsexperte Wolfgang Herda nicht, als er von der ADAC-Zentrale in Frankfurt nach Homberg kam. Der Minikreisel sei mit täglich 16 600 Fahrzeugen schon fast an seiner Kapazitätsgrenze. Die liege statistisch bei 18 000 Fahrzeugen. Herda, der Teamleiter Verkehr beim ADAC ist und täglich Verkehrsanlagen prüft, rechnete damit, dass es an der Drehscheibe vor allem zu den Spitzenzeiten, morgens und mittags, nicht rund laufen würde. Doch der Experte erlebte eine Überraschung.

Die Vorbereitung

Mit HNA-Berichten, Luftbildern, einem Verkehrsgutachten und den über die Homepage der Stadt zugänglichen Informationen zum Minikreisel und zum geplanten Einkaufszentrum an der Drehscheibe hatte sich Wolfgang Herda vorbereitet. Die Informationen der Stadt seien sehr transparent, so sein Urteil. „Das ist nicht selbstverständlich. Auch eine provisorische Testphase ist längst nicht überall üblich. In manchen Städten wird so etwas einfach gebaut“, sagt er.

Der Testzeitraum

Mittwoch, von 7 Uhr bis 14 Uhr. Herda schaute den Verkehrsteilnehmern zu. Vor allem während der Schulanfangs- und -schlusszeiten war ordentlich was los. Am meisten zwischen 7.20 und 7.30 Uhr, in zehn Minuten zählten wir 266 Fahrzeuge.

Der Minikreisel

Sehr gut angelegt sei der Minikreisel, sagt Herda. Durch die gelben Markierungen sei er gut zu erkennen und lenke die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer auf das Wesentliche. Die Verhältnisse für einen Minikreisel seien an der Drehscheibe günstig: „Es gibt wenig Schwerverkehr und eine geringe Anzahl von Bussen sowie wenig linksabbiegenden Schwerverkehr von der Wallstraße in die Ziegenhainer Straße.“

Ein Kreisverkehr, der größer ausfalle, sei an dieser Stelle nicht geeignet, da dieser nicht genau mittig gebaut werden könne. Dadurch entstehe eine „Durchschuss-Situation“ für die Fahrzeuge, weil sie fast geradeaus fahren können. Herda: „Die Praxis zeigt, dass so die Geschwindigkeit nicht reduziert wird.“

Die Fahrer

Die Verkehrsteilnehmer seien sehr diszipliniert unterwegs. „Die allermeisten fuhren auch die Ausrundung und kürzten nicht über die Mittelinsel ab. Ich habe keine Verstöße festgestellt“, so Herda. Auch Busse und Laster seien ohne Probleme durch den Kreisel gekommen. Der nicht ortskundige ADAC-Tester hat sich auch selbst sofort gut zurechtgefunden.

Der Rückstau

Kurz ins Stocken kam der Verkehr morgens um 7.20 und mittags gegen 13 Uhr. Nach maximal drei Minuten löste sich der Rückstau, der in der Kasseler Straße bis zum Zebrastreifen an der Mühlhäuser Straße reichte, auf. „Das ist hinnehmbar, weil es nur kurzfristig so ist. Die Verkehrsabwicklung ist trotz des hohen Verkehrsaufkommens sehr gut“, sagt Herda. Grund dafür sei der geringe Verkehr aus der Parkstraße. Tester-Fazit: Mit Ampeln würde es sich noch länger stauen.

Die Zebrastreifen

Viele HNA-Leser kritisierten die Zebrastreifen und forderten mehr Abstand zum Kreisel. Das sieht der Verkehrsexperte anders. Die Überwege seien optimal. Unser Test ergab, sie werden von den Verkehrsteilnehmern verstanden. Es gab keine Irritationen und das sei ein gutes Zeichen, meinte Herda. „Würde man die Zebrastreifen verlagern, wäre eine eigene Anlage nötig, und der Verkehr würde dort und am Kreisel stocken“, sagte Herda.

Die Schüler

Zum Schulstart und -ende kam es zu kurzen Stockungen, aber es entstand keine Gefahrensituation. „Das ist hinnehmbar und funktioniert.“

Tester gibt gute Note für Minikreisel

Das Einkaufszentrum

Die Qualität des Verkehrs werde sich durch das geplante Einkaufszentrum ändern. Eine künftige Situation könne er nicht bewerten. Optimal wäre laut Herda neben der Zufahrt zum Parkdeck über die Kasseler Straße eine Ausfahrt an der Ziegenhainer Straße. Da das wohl wegen der künftigen Bebauung dort nicht möglich sein werde, spricht er sich für ein Linksabbiegerspur von der Kasseler Straße in das Einkaufszentrum aus. Die Gehsteige sollten ihrer Breite belassen werden, da mit mehr Fußgängern zu rechnen sei.

Sein Rat: Der Verkehrsfluss und auch die Parkplatzsituation sollten zeitnah nach der Eröffnung des Einkaufszentrums überprüft werden. Knackpunkt sei der Anlieferverkehr. „Den könnte man aber steuern.“ Vor Feier- oder Brückentagen könnte es zu größeren Staus kommen. Mit solchen Einzelereignissen müsse man umgehen.

Die Einschränkung

Menschen mit starken Sehschäden seien an dem Minikreisel verloren. Es gebe für sie kein akustisches Signal und sie könnten sich an kaum etwas orientieren. Das müsse sich ändern. Expertentipp: Mit Betroffenen den Kreisel testen und nach ihren Bedürfnissen anpassen. Zum Beispiel mit Noppen- und Riffelplatten.

Die Note

In Sachen Verkehrssicherheit vergibt der ADAC-Experte die Note zwei. Gut. Aber: Nur unter der Voraussetzung, dass künftig die Bedürfnisse von Sehgeschädigten berücksichtigt werden. Andernfalls habe der Kreisel nur eine mangelhafte Bewertung verdient. Sehr gut gebe es nicht, weil die Baustruktur die Sichtbeziehung zum Kreisel einschränke und von Ferne nicht zu erkennen sei. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Minikreisel das leistet“, so Herda. „Es ist eine verkehrssichere Anlage und dem Verkehrsaufkommen gewachsen.“

Quelle: HNA

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