Keine Zeit für Weihnachtsmarkt

Advent auf der Autobahn: So ergeht es Lastwagenfahrern

Will seine Fahrt nach Mailand auch nutzen, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen: Andreas Ruppel freut sich darauf, an Heiligabend bei seiner Familie zu sein. Fotos: Maier

Malsfeld. Viele Menschen verbringen die Adventszeit mit Familie oder Freunden. Lastwagenfahrern ist das nicht immer möglich. Manche verbrachten den dritten Advent auf Achse. Am Maxi-Autohof in Malsfeld sprachen wir mit einigen von ihnen über lange Fahrten, Vorfreude aufs Fest und Geschenkekauf in der Fremde.

Das Wohnzimmer duftet nach Zimt, drei Kerzen brennen auf dem Adventskranz - aber man selbst ist hunderte von Kilometern weit weg. Während die Adventssonntage für viele eine Art Weihnachten auf Raten sind, sind sie für manche Lastwagenfahrer ganz normale Arbeitstage. Heim und Familie sehen sie erst an Weihnachten wieder. Wenn überhaupt.

Auch Andreas Ruppel aus Sontra ist am 3. Advent unterwegs. Er fährt Ware der Firma B.Braun etwa 800 Kilometer weit nach Mailand. Dass er an diesem Sonntag nicht zu Hause ist, macht ihm nicht all zu viel aus. „Aber ich freue mich darauf, an Weihnachten zu Hause zu sein“, sagt er.

Selbstverständlich ist das nicht. Als er noch für eine andere Firma fuhr, verpasste er Weihnachten zwei Mal. „Das Fest war damit für die ganze Familie gelaufen.“ Die Kinder würden sich freuen, wenn der Vater die Gans aufschneidet. Und auch wenn sie schon erwachsen sind: „Meine Kinder bleiben meine Kinder.“ Gewissheit, dass er zur Bescherung zu Hause ist, hat er nicht. Aber seine Vorgesetzten würden darauf achten, dass keiner der Fahrer raus muss. Andreas Ruppel ist optmistisch. Seine Advents-Fahrt habe außerdem einen Vorteil: Er kann Geschenke in Italien kaufen.

Hat eine Fahrt nach Hamburg und Bremen vor sich: Für Sven Hettmannsperger hat die beschauliche Zeit noch nicht begonnen.

Sven Hettmannsperger aus Heilbronn fährt schon seit 30 Jahren. An einem Adventssonntag unterwegs zu sein, gehört für ihn zum Job dazu. „Verkäufer, Bäcker oder andere Menschen müssen ja auch arbeiten.“ Advents-Deko oder Weihnachtskitsch kommt bei ihm nicht in den Lkw. „Da bin ich nicht der Typ dazu“, sagt er. Auf Weihnachten freut sich der 52-Jährige dennoch. Zwischen dem Fest und dem 6. Januar hat er frei und will die Zeit bei seiner Familie verbringen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg: In Heilbronn fuhr er los, der Weg führt nach Hamburg, Bremen, Hannover und zurück nach Heilbronn. Danach geht’s wieder auf Achse. Normalerweise fährt Hettmannsperger sonntags gar nicht. Ausgerechnet vor Weihnachten gebe es aber so viele Aufträge, dass er auch am Wochenende raus muss.

Sonntags in der Fremde zu sein, lässt sich bei Adrian Dimitrov nicht vermeiden. Der Bulgare lebt in Spanien und fährt durch ganz Westeuropa. Er hat eine Ladung Klementinen nach Melsungen gebracht und verbringt das Wochenende in der Region. Gerne macht der 40-Jährige den Job nicht, seine Familie fehlt ihm. Auf dem Autohof hat er für seine Tochter ein Geschenk gekauft: Schmuck für den Weihnachtsbaum. Mit ihr zusammen will er bald schon den Baum dekorieren. Die Vorfreude entschädigt ein bisschen für den Sonntag auf Achse.

Von Eugen Maier

Quelle: HNA

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