Zur 750-Jahr-Feier hat Horst Nordmann ein Gilserberger Platt-Wörterbuch verfasst

Ein Wörterbuch auf Platt: Von Äbbel und Wüllche

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Platt in tausend Worten: Horst Nordmann aus Gilserberg hat ein Wörterbuch über seinen Heimatdialekt geschrieben.

Gilserberg. Wer als Dibbedavid geschimpft wird, muss sich nicht länger wundern: Horst Nordmann liefert die Übersetzung. Denn er hat ein Wörterbuch Gilserberger Platt-Hochdeutsch geschrieben. Tausend Worte Gilserberger Platt ist der Titel.

„Dabei ist Gilserberger Platt gar nicht meine Muttersprache“, sagt Nordmann – obwohl er in Gilserberg geboren ist. Der Vater stammt aus Hannover, die Mutter aus Kirchhain. „Bei uns zuhause wurde immer Hochdeutsch gesprochen.“ Platt hat der heute 80-Jährige als kleiner Junge auf der Straße gelernt.

Kinder sprechen kein Platt

Heute sprechen die Kinder auf der Straße nicht mehr Platt miteinander. Früher, bis zum Zweiten Weltkrieg, war das anders. Dann kamen viele Bombenflüchtlinge und Umsiedler, so dass die Gilserberger nicht ungebildet erscheinen wollten. Jetzt ist Platt nur noch bei den Gilserbergern über 60 gebräuchlich.

Das gilt auch für die Nordmanns. Horst und seine Ehefrau konnten zwar Platt aus dem Effeff, sprachen mit ihren Kindern aber nur Hochdeutsch. Damit die Enkel aber die verbalen Wurzeln nicht ganz verlieren, setzte sich Opa Horst Nordmann im Sommer 2011 an den Computer und schrieb alle Wörter auf, die ihm spontan einfielen. Das waren 500.

Horst Nordmann liest Platt

Da der Buchtitel aber schon feststand, mussten nochmal so viele Wörter her. Deshalb las Nordmann Artikel in der HNA und übersetzte sie ins Gilserberger Platt. So kamen dann die restlichen Wörter hinzu: von A wie Aahler Berg (alter Berg) bis zwerwelln (unruhig sein).

„Die größte Schwierigkeit war, das Platt-Wort so zu schreiben, dass der Leser es auch richtig aussprechen kann“, sagt Nordmann. Soll er also Bank, Baank oder Boank schreiben? Je nach Familienherkunft werden einzelne Worte in den Familien unterschiedlich ausgesprochen. „Da klingt das Platt des Ehemannes ein bisschen anders als das der Frau, die zum Beispiel aus Lischeid stammt.“

Übrigens ist das Platt von heute nur noch ein Gemisch aus Hochdeutsch und Platt, weiß Nordmann. Ein Beispiel: Willste dann mit auf Treese? (Möchtest du mit nach Treysa?) „Auf Treese“ ist Original-Platt, der Rest verschwurbeltes Hochdeutsch.

Wer also als Dibbedavid (Jemand, von dem man nichts hält) beschimpft wird, kann nun kontern. Mit: Trauwelmaul.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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