Düstere Prognosen für Rentner in der Region, Gefahr für Armut im Alter wächst

Älter, ärmer und einsamer

Den Lebensabend gestalten: In den nächsten Jahren werden immer mehr Rentner von Einsamkeit und finanziellen Engpässen betroffen sein. Foto: Archiv

Schwalm-Eder. Wohl dem, der seinen Lebensabend gut situiert verbringen kann. Doch aktuelle Tendenzen zeichnen ein düsteres Bild für die Zukunft der Rentner in den nächsten Jahrzehnten im Schwalm-Eder-Kreis.

Ein Problem haben vor allem ländliche Gebiete, dort geht die Zahl der Bewohner stark zurück. Im Schwalm-Eder-Kreis wird es 2030 nach Angaben der Bertelsmann Stiftung fast 25 000 Menschen weniger geben. Besonders in Fritzlar, Borken und Gudensberg nimmt die Bevölkerungszahl ab und die, die bleiben werden immer älter.

Probleme mit dem Geld

Hinzu kommen finanzielle Probleme: 2010 bezogen im Schwalm-Eder-Kreis 768 Menschen über 65 Jahre Grundsicherung im Alter. Im Jahr 2020 werden nach Angaben des Pestel-Institutes 1500 Rentner von der Grundsicherung leben. Damit verdoppelt sich der Anteil der Menschen im Kreis, die von ihrer Rente allein nicht mehr leben können. „Das soziale Netz wird die meisten 55- bis 65-Jährigen, die heute auf Hartz IV angewiesen sind, im Rentenalter auffangen müssen“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.

Besonders der Schwalm-Eder-Kreis zeige ein erhöhtes Risiko für Armut im Alter. 1102 Menschen sind dort bereits von Altersarmut betroffen. Gründ dafür ist, dass viele Menschen nicht lange oder nicht ausreichend Geld in ihre Rentenversicherung eingezahlt haben. Sei es aufgrund von Arbeitslosigkeit, Niedriglöhnen oder auch durch Zuwanderung nach Deutschland, die Grunde für Lücken im Erwerbsleben sind vielfältig.

„Viele schämen sich“, sagt Heinz Engelhardt, Seniorenbeirat in Homberg. Deshalb sei man in Homberg um eine preiswerte Unterhaltung bemüht, um den Senioren etwas bieten zu können. Zudem gibt es das Angebot der Tafeln, wo Rentner günstig Lebensmittel kaufen können. Bundesweit nutzen immer mehr ältere Menschen solche Hilfsangebote. Die Bezugsscheine vergibt das Sozialamt.

„Senioren haben eine hohe Hemmschwelle solche Angebote wahrzunehmen“, sagt Diakoniepfarrerin Margret Artzt. In den Beratungsstellen der Diakonie berichten Senioren häufig, dass ihnen das Geld für Miete fehle, aber auch um zu Veranstaltungen zu fahren oder die Familie zu besuchen. Eine Zugfahrt zu den Enkelkinder können sich viele überhaupt nicht leisten. Im ländlichen Raum haben Ältere immer weniger soziale Kontakte. „In den Dörfern ist es wichtig, ein System der Nachbarschaftshilfe wie zum Beispiel durch Fahrdienste aufzubauen“, fügt Margret Artzt hinzu.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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