Anwohner fühlen sich gestört

Martialische Motive: Ärger über Plakate am Robert-Weinstein-Platz

Der Stein des Anstoßes: An der Hauswand im Bildhintergrund hängt eines der beiden Werbeplakate, die ohne die dafür erforderliche Genehmigung aufgehängt wurden. Die Beschriftung wurde zum Teil von der Redaktion unkenntlich gemacht. Das kleine Foto zeigt einen Ausschnitt des Plakats – das Totenkopfmotiv sorgt bei Anwohnern zum Teil für Unbehagen. Fotos: Féaux de Lacroix

Felsberg. Zwei Werbeplakate sorgen derzeit in Felsberg für Ärger. Einige Anwohner fühlen sich von den martialischen Motiven auf den Plakaten gestört.

Jetzt stellte die Bauaufsicht des Schwalm-Eder-Kreises fest: Die Plakate müssen vorerst abgehängt werden, weil eine Genehmigung dafür fehlt.

Ein Totenkopf mit Helm und Flügeln - dieses auffällige Motiv schmückt zwei Werbeplakate, die seit kurzem an einer Hauswand am Felsberger Robert-Weinstein-Platz hängen. Bei einigen Bewohnern der Felsberger Altstadt sorgen diese Plakate jedoch für Unbehagen - gerade vor dem Hintergrund, dass der Platz demnächst umgestaltet werden soll. Zur Erinnerung an den Felsberger Robert Weinstein, der während der November-Pogrome von den Nazis zu Tode gehetzt wurde, soll auf dem Platz eine Stele aufgestellt werden.

„Eine Gedenktafel mit solchen Plakaten im Hintergrund - da habe ich ein komisches Gefühl“, sagt etwa Anwohner Joachim Haak. „Diese martialische Grafik hat ein gewisses Geschmäckle.“ An einem solchen Platz sei mehr Sensibilität erforderlich. „Ich weiß, dass die Plakate auch anderen unangenehm aufgestoßen sind“, sagt der 50-Jährige Bauprojektmanager.

Mario M., der die Plakate aufgehängt hat, um für sein Motorradgeschäft zu werben, versteht die Aufregung indes nicht. Schließlich gehöre das Haus, an dem er die Plakate befestigt hat, ihm. „Das ist mein Haus, mein Eigentum - da kann ich aufhängen, was ich will“, sagt er.

Plakate sind zu groß 

Das allerdings sieht die Bauaufsicht des Schwalm-Eder-Kreises anders: Mario M. hätte eine Genehmigung beantragen müssen, bevor er die Plakate aufhängte. Denn, sagt Heike Meißner von der Bauaufsicht: Ab einer Größe von mehr als einem Quadratmeter sind Werbeplakate genehmigungspflichtig. So steht es in der Hessischen Bauordnung. Dabei sei unerheblich, ob das Plakat beispielsweise an einem denkmalgeschützten Gebäude hänge. Auch, dass Mario M. die Plakate an seinem eigenen Haus aufgehängt hat, spiele keine Rolle.

Ob die Bauaufsicht für diese Plakate eine Genehmigung erteilen kann, dazu konnte Meißner noch nichts sagen. Man werde zunächst den Urheber darüber informieren, dass die Plakate genehmigungspflichtig seien. Üblicherweise müssten die Werbebanner dann zunächst abgehängt werden - bis eine Genehmigung dafür erteilt wurde. Diese Genehmigung müsste aber zunächst beantragt werden, erst dann kann die Bauaufsicht prüfen, ob die Plakate zulässig sind.

Keine Nazi-Symbole 

Der Totenkopf mit Helm und die zum Teil verwendete Frakturschrift mögen zwar daran erinnern - aber einen Bezug zu Neonazi-Symbolen haben die Werbeplakate nicht. Das stellt Stephan Bürger, Projektleiter der Initiative „Gewalt geht nicht“, klar. „Die Motorradszene verwendet häufig solche Symbole“, sagt er. „Man sollte nicht immer gleich die Rechtsextremismus-Schublade aufmachen.“ In unklaren Fällen könne man sich eine Expertenmeinung bei „Gewalt geht nicht“ einholen.

www.gewalt-geht-nicht.de

Quelle: HNA

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