Grünfläche sieht aus wie ein Acker

Ärger mit Wildschweinen in Wolfhagen

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Grünland wird zum Acker: Wildschweine sorgen vor allem im Winter für Schäden auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Jetzt trafen sich Landwirte und Jagdpächter zu einer Lösungssuche im Grünen Grund bei Wolfhagen. Unser Foto zeigt von links: Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer Kreisbauernverband Kassel, Dr. Christof Nüsse, Geschäftsführer Kreisbauernverband Waldeck, Landwirt Heinrich Finke aus Bühle, Friedhelm Damme und Werner Döhne, beide Vorsitzende von Jagdgenossenschaften in Wolfhagen.

Wolfhagen. Saftiges Grünland sieht anders aus. Im Grünen Grund zwischen Wolfhagen und Bühle hatte Landwirt Heinrich Finke Gras angesät. Mit anderen Bauern und Vertretern der Jagd steht er vor der wenig ansehnlichen Fläche und begutachtet den Schaden. Wildschweine haben das Land umgewühlt.

Und dabei aus der Wiese einen Acker gemacht. Finke sagt, dass sich das ändern muss. Er und seine Berufskollegen fühlen sich alleingelassen.

Aus diesem Grund hat er alle Personen zusammengetrommelt, die das Problem der Wildschäden in irgendeiner Form etwas angeht. Vor zehn Jahren habe es deutlich weniger Schäden gegeben, sagt der Bühler Landwirt. „Damals haben wir die Probleme mit einer Kiste Bier regeln können“, Diese Zeiten allerdings sind vorbei. Längst überstiegen die finanziellen Einbußen den Wert eines Bierkastens um ein Vielfaches.

Den Schaden im Grünen Grund hat er bei der Gemeinde gemeldet, bewertet werde dieser aber erst im Frühling. Dann werde das Gras hoch, der zerfurchte Boden nicht mehr sichtbar sein. An seine Tiere könne er das Gras nicht verfüttern - der hohe Anteil an Erde gefährde deren Gesundheit. Generell lasse sich das Grünland mit Maschinen nicht mehr befahren. Etwa 1400 Euro koste ihn die Beseitigung der Schäden pro Hektar; der Ausgleich, den er vom Jagdpächter erhält, falle geringer aus. Einige der Landwirte sind der Auffassung, dass nicht intensiv genug auf Schwarzwild geschossen wird. Denn Wildschäden existieren nicht nur im Grünen Grund sondern überall im Wolfhager und Waldecker Land.

Die Vertreter der Jagdgenossenschaften und die Jagdpächter steuern ihre Argumente bei. Sie gingen regelmäßig auf die Jagd, kehrten aber oft heim, ohne etwas geschossen zu haben. Jemand unterbreitet den Vorschlag, verstärkt mit revierübergreifenden Bewegungsjagden das Problem bei der Wurzel zu packen. An den Jagden habe sich der Bundesforst, dem der Wald oberhalb des Grünen Grundes in Richtung Gasterfeld gehört, nicht beteiligt. Uwe Nord, der zuständig ist für das Waldgebiet, sagt: Der frühe Termin im Oktober mache es ihm unmöglich, sich einer Gemeinschaftsjagd anzuschließen. Er habe ein Revier mit viel Naturverjüngung. Im Oktober hingen noch soviel Blätter an den Bäumen, dass man wenig sehen und eine Jagd keinen Sinn machen würde. Einig waren sich Landwirte und Jagdpächter, dass gleichzeitige Jagden in benachbarten Revieren die Wahrscheinlichkeit auf eine große Strecke erhöhen. Sie wollen einen Termin finden.

Ein weiterer Grund für die großen Schwarzwildbestände ist das ganzjährige Nahrungsangebot. Teilweise gebe es pro Jahr zwei oder auch mehr Wildschweingenerationen, sagt Nord.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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