Ärztemangel verschärft sich weiter: Praxis-Zweigstelle in Dörnberg wieder geschlossen

Wolfhager Land. Die Not ist groß auf dem Land: Viele Landärzte finden keinen Nachfolger. Das neue Landarztgesetz soll durch finanzielle Anreize junge Mediziner in ländliche Regionen locken.

Strategien gegen den Ärztemangel auf dem Land sind im Altkreis Wolfhagen auch dringend nötig. Seit dem vergangenen Jahr ist die Zahl der Hausarztpraxen weiter gesunken. Sowohl in Habichtswald als auch in Naumburg haben Ärzte ihre Praxen aufgegeben. In Habichtswald hat ein Arzt aus Ehlen in der vergangenen Woche seine Zweigstelle in Dörnberg geschlossen. Damit gibt es dort keine Hausarztpraxis mehr. Ob jedoch das neue Gesetz das Problem des Ärztemangels auf dem Land lösen kann, wird kritisch gesehen. „Auf jeden Fall ist es ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Landkreis-Pressesprecher Harald Kühlborn. Doch dies allein reiche nicht. „Auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen.“

„Wenn man das in Aussicht gestellte Geld für die Landärzte durch alle teilt, bleibt für den einzelnen nicht viel übrig“, meint Johannes Degen, Arzt in Ehlen.

„Das Gesetz zur Stärkung der hausärztlichen Ebene kann viele Probleme nicht lösen, es wird Jahre dauern, bis alle Einzelheiten des Gesetzes an der Basis umgesetzt sind“, vermutet Dr. Dirk Wetzel, Hausarzt in Zierenberg. Kurios sei Folgendes: Der Landkreis Kassel sei nie für Hausärzte gesperrt gewesen. Wo es nie eine Überversorgung gab, könne auch keine Unterversorgung festgestellt werden.

Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gibt es aktuell im Kreis Kassel 160 Hausärzte. Dies sind im Vergleich zum vergangenen Jahr acht Ärzte mehr. Damit liegt die Versorgung des Landkreises bei über hundert Prozent. Doch auch die KV räumt ein, dass deshalb noch lange nicht alle Kommunen optimal versorgt sein müssen: „Hier kann es regional eine Unter- oder Überversorgung geben“, so Cornelia Kur von der KV.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

Kommentare