Frau aus Bad Zwesten hat drei Mal schlechte Erfahrungen gemacht

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Erneut Klagen einer Patientin

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Eine umfassende Untersuchung ist Voraussetzung für die richtige Diagnose: Unser Archivfoto zeigte eine Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse.

Bad Zwesten/Fritzlar. Die Klagen über den neu geregelten Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) reißen nicht ab.

Michaela N. aus Bad Zwesten bestätigt die schlechten Erfahrungen, die ein 69-Jähriger aus dem Landkreis kürzlich im Fritzlarer Krankenhaus gemacht hat.

Drei Mal hat die 44-Jährige aus dem Kurort in den vergangenen Monaten am Wochenende den ÄBD aufsuchen müssen. Und drei Mal sei das eine solche Katastrophe gewesen, dass sie sich schriftlich bei der Kassenärztlichen Vereinigung über die in ihren Augen schlechte Behandlung beschwert habe.

Der erste Fall: Michaela N. war an einem Freitag im Herbst wegen Bauchschmerzen beim Hausarzt. Als sie über Nacht Fieber bekam, habe sie den ÄBD in Fritzlar aufgesucht. Der Arzt, so erzählt sie, habe sie weder untersucht noch abgetastet, sondern ihr aus sicherer Entfernung eine Magen-Darm-Grippe diagnostiziert und Novalgin-Tropfen verschrieben. Am Montag ging Michaela N. zum Hausarzt, denn die Schmerzen waren nicht weniger, sondern stärker geworden waren. Dessen Diagnose: Eine Dickdarm-Entzündung.

Sollte Bettwäsche wechseln 

Fall 2: Wenige Wochen später wachte die 44-Jährige mit roten Flecken am Oberkörper auf. Weil sie Angst hatte, dass es sich um eine ansteckende Krankheit handeln könnte, ging die Mutter von fünf Kindern zum ÄBD.

Der Arzt habe die Flecken kurz begutachtet, auf der Brust eine Neurodermitis und - zu ihrem Erstaunen - am Rücken mehrere Flohstiche festgestellt und geraten, die Bettwäsche zu wechseln und zu waschen. „Da musste ich wirklich laut lachen“, sagt Michaela N. Ihr Hausarzt habe sich die Sache am Montag angesehen und statt der Flohstiche eine ausgeprägte Röschenflechte diagnostiziert. Der dritte Besuch sei deswegen schon ein sehr unfreiwilliger gewesen: Nur weil sie Herzrasen und ein Stechen in der Brust gehabt habe, habe ihr Mann sie nach Fritzlar zum ÄBD gefahren.

Dort habe sie eine unfreundliche Sprechstundenhilfe empfangen, und sie eineinhalb Stunden im Wartezimmer platziert. „Und das, obwohl ich wirklich Angst hatte, dass es sich um einen Herzinfarkt handeln könnte.“ Was sie dann erzählt, klingt merkwürdig: Das EKG-Gerät funktionierte nicht, die Sprechstundenhilfe und der Arzt hätten lange hantiert, um sie dann unverrichteter Dinge ziehen zu lassen.

Kein Vertrauen mehr 

Allerdings mit einem guten Rat: „Fahren Sie nach Hause und rufen Sie die 112 an“, habe man ihr gesagt. Das empfindet Michaela N. als echte Frechheit. Zumal das Wartezimmer an diesem Tag nicht voll, der Zeitdruck fürs Behandlungsteam damit nicht groß gewesen wäre. „Ich hatte Herzprobleme - ich hätte da wirklich sterben können.“ Als ihre Tochter neulich am Wochenende über Bauch- und Kopfschmerzen klagte, fackelte die Familie N. nicht lange: Sie fuhr mit dem Mädchen in die Melsunger Asklepios-Klinik. „In den ÄBD haben wir kein Vertrauen mehr.“

Unhaltbare Zustände 

Die Bad Zwestenerin hat sich bei der KV beschwert, sie will erreichen, dass die Situation beim ÄBD überprüft wird und verbessert wird. „So sind das unhaltbare Zustände.“

Die Kassenärztliche Vereinigung will die Vorwürfe, die Michaela N. dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst macht, prüfen lassen, sagt Pressesprecherin Petra Bendrich. Die Ärzte seien bereits zu Stellungnahmen zu den Vorwürfen aufgefordert.

Von Claudia Brandau

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Quelle: HNA

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