Sodbrennen kann schwere Folgeerkrankungen auslösen - Behandlung mit Säureblockern meist erfolgreich

Ätzende Säure in der Speiseröhre

Sodbrennen: Das unangenehme Gefühl kann üble Folge nach sich ziehen. Foto: Archiv

Schwalm-Eder. Schnitzel, Pommes und Sonntagsbraten: Nach dem Genuss fetter Speisen leiden viele Menschen unter Sodbrennen - einem brennenden Gefühl hinter dem Brustbein bis zur Speiseröhre, das oft mit Aufstoßen einhergeht. Doch nicht immer sind diese Beschwerden harmlos. Sodbrennen kann schwere Folgeerkrankungen auslösen.

„Sodbrennen tritt typischerweise bei einer Schleimhautentzündung der unteren Speiseröhre auf“, erklärt Dr. Eberhard Gliesing, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Asklepios Klinikum Melsungen. Die entstehe durch regelmäßigen Rückfluss (Reflux) von säurehaltigem Magensaft oder Speisebrei in die Speiseröhre, weil der untere Speiseröhrenschließmuskel in seiner Funktion gestört ist und keine Abdichtung zum Magen herstellen kann.

„Diese Funktionsstörung kann vielfältige Ursachen haben“, weiß Gliesing. Übergewicht, zu große und zu fette Mahlzeiten, übermäßiger Alkohol- und Nikotingenuss, Stress, Muskelschwäche oder Zwerchfellbruch: Das alles könne die Beschwerden auslösen.

Tritt Sodbrennen selten auf, sei es unbedenklich, sagt der Experte. Trete es regelmäßig und länger als vier Wochen auf, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. „Bei manchen Menschen hilft eine Ernährungsumstellung, um die Beschwerden zu mindern. Auch eine Gewichtsreduktion und Stressverminderung können erfolgreich sein“, erklärt Gliesing. Lasse sich das Sodbrennen damit nicht beseitigen, sei eine Magenspiegelung unbedingt erforderlich.

Nur so könne man den Schweregrad der Refluxentzündung in der Speiseröhre feststellen und mögliche Folgeerkrankungen erkennen. Denn werde eine chronische Entzündung am unteren Ende der Speiseröhre über Jahre nicht behandelt, könne das für den Patienten schwere Auswirkungen haben, so Gliesing: „Es kann zur bösartigen Umwandlung der Schleimhaut und im schlimmsten Fall zu Speiseröhrenkrebs führen.“

In den meisten Fällen wird die Entzündung medikamentös behandelt - mit einem Säureblocker, der die Bildung von Magensäure verhindert. „Das schaltet zwar nicht den Rückfluss ab, aber es gelangt keine Magensäure mehr in die Speiseröhre“, erklärt Gliesing. So könne die Entzündung abheilen und zukünftig vermieden werden. Die meisten Patienten seien durch diese Therapie beschwerdefrei.

Operation kann sinnvoll sein

Säureblocker werden als Standardmittel gegen chronisches Sodbrennen eingesetzt. Doch bei einer jahrelangen Einnahme können Nebenwirkungen auftreten. Gerade jüngere Menschen seien deshalb nicht bereit, über Jahre Medikamente einzunehmen, erklärt Eberhard Gliesing. Zudem gebe es Patienten, bei denen die Säureblocker nach einer Weile nicht mehr optimal wirken.

Auch beim „Volumenreflux“, bei dem nachts sehr viel Flüssigkeit bis in Rachen und Mund zurückläuft, könnten Medikamente nicht helfen. In diesen Fällen sei eine Operation sinnvoll.

Oft ist ein Zwerchfellbruch für chronischen Reflux verantwortlich. In diesem Fall ist die Öffnung, durch die die Speiseröhre zum Magen führt, erweitert. Deshalb funktioniert das „Ventil“ zwischen Speiseröhre und Magen nicht mehr richtig.

Bei größeren Brüchen könne sich ein Teil des Magens in den Brustraum verschieben. Dann muss operiert werden. „Der Eingriff wird minimal-invasiv in der so genannten Schlüssellochtechnik durchgeführt“, erklärt Gliesing. Durch Nähte werde die Zwerchfellöffnung wieder eingeengt.

Um den Reflux zu beseitigen, wird der obere Magenteil um das untere Ende der Speiseröhre und somit über den unteren Speiseröhrenschließmuskel gezogen. „Mithilfe von Nähten wird eine Manschette gebildet, die durch ihren Druck eine Abdichtung herstellt“, so der Mediziner.

Von Pamela De Filippo

Quelle: HNA

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