Initiative will sich nach mehrjähriger Pause wieder treffen

Neuer Anlauf für "Stolpersteine" in Spangenberg

Familie Friedmann vor ihrem Haus in der Spangenberger Neustadt. Mutter Rebekka und , Vater Phillip kamen in Auschwitz ums Leben, Tochter Hanna (links vorn) in Riga. Nur Liselotte (rechts) überlebte den Holocaust. Drei Stolpersteine wurden am 30. April 2008 zur Erinnerung vor ihrem Haus verlegt. Foto: privat

Spangenberg. Die im November 2006 in Spangenberg gegründete Bürgerinitiative „Stolpersteine“ will ihre Arbeit nach mehrjähriger Pause nun fortsetzen. Ein Treffen aller Interessierten ist für Donnerstag, 19. April, ab 20 Uhr im Stadtcafé geplant. Das teilte Dr. Dieter Vaupel mit.

Sechzehn Stolpersteine sind durch den Berliner Künstler Gunther Demnig im November 2007 und im April 2008 bereits in Spangenberg verlegt worden. Sie erinnern durch schlichte, in den Boden eingelassene Messingtäfelchen daran, dass Spangenberger Bürger jüdischen Glaubens zu den Opfern des Holocaust während der Zeit des Nationalsozialismus gehörten. Die meisten der während der NS-Zeit umgekommenen Juden haben viele Jahrzehnte in Spangenberg gelebt und das Leben in der Stadt mitgeprägt.

Die jüdische Gemeinde Spangenberg war ehemals eine der bedeutendsten der gesamten Region. Hier waren im Jahr 1930 noch 147 jüdische Einwohner angemeldet, die nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten systematisch aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Einigen gelang es, ins Ausland zu flüchten, die meisten suchten vor den Hetzkampagnen in der Kleinstadt zunächst Schutz in der Anonymität der Großstädte, berichtet Dr. Vaupel. Viele wurden von dort aus in die Konzentrations- und Vernichtungslager gebracht. Als Anfang 1940 die letzten Bürger jüdischen Glaubens den Ort in Richtung Kassel verließen, konnten die Nationalsozialisten stolz verkünden, dass Spangenberg nun „judenfrei“ sei.

2006 bis 2008 hatte das Stolperstein-Projekt, das durch die beiden Autoren des Buches „Sie werden immer weniger!“, Jechiel Ogdan und Dr. Dieter Vaupel, angeregt worden war, zu intensiven Diskussionen in der Spangenberger Bevölkerung und in den politischen Gremien geführt. Damit das Projekt überhaupt umgesetzt werden konnte, mussten Einverständniserklärungen der heutigen Hausbesitzer zum Verlegen der Steine eingeholt werden. Das hatte die Stadtverordnetenversammlung zur Auflage gemacht.

Dass dies ein schwieriges Unterfangen würde, hatten die rund 25 Aktiven der Bürgerinitiative damals zunächst nicht vermutet. Auf der anderen Seite gab es viel Unterstützung und auch bei der Verlegung selbst ein sehr großes öffentliches Interesse. Die Initiatoren hoffen, dass die Aktion in Spangenberg fortgesetzt werden kann, nachdem auch weitere Städte im Schwalm-Eder-Kreis Stolpersteine verlegt haben. Noch steht die Verlegung von 14 Steinen aus. Spenden dafür sind laut Dr. Vaupel in ausreichender Höhe auf dem Konto der Initiative eingegangen. (sis)

Quelle: HNA

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