Aldi und Rewe halten an Plänen zum Ausbau ihrer Gebäude fest

Die Rewe und Aldi Erweiterung in Felsberg sorgt für Diskussionen: Beide Märkte wollen ihre Einkaufsfläche vergrößern. Dafür muss der Bebauungsplan geändert werden. Foto: Schürgels/Archiv

Felsberg. Die Aldi- und Rewe-Märkte in Felsberg wollen bei ihren bisherigen Plänen bleiben und ihre Gebäude in Felsberg im hinteren Bereich ausbauen.

Eine Erweiterung nach vorne kommt für sie nicht in Frage: Das sei aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen nicht machbar, sagte Marc-Till Kampermann von der Aldi-Immobilienverwaltung in der Sitzung des Bau- und Umweltausschuss der Stadt Felsberg. Dafür müsste das Parlament allerdings den Bebauungsplan ändern. An den hinteren Bereich der Märkte grenzt das Grundstück von Holger Gießler und Erika Kropf-Gießler.

Das Paar hatte bereits beim Bau der Märkte vor 13 Jahren einen Abstand zur Bebauung von ihrem Grundstück zu den Märkten von acht Metern erwirkt und besteht weiter darauf (wir berichteten). Würde der Bebauungsplan geändert, müsse nur noch der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand von drei Metern eingehalten werden. Ob es soweit kommt, erschien in der Sitzung des Bauausschusses fraglich. Einige Parlamentarier stehen den Plänen kritisch gegenüber und verwiesen auf das Recht der Anwohner. Die Vertreter von Aldi und Rewe wiesen darauf hin, dass eine seitliche Erweiterung der Märkte aufgrund anderer Grundstücksgrenzen nicht möglich sei.

Kein Ausbau nach vorn

Ein Ausbau nach vorne käme ebenfalls nicht in Frage. Dann würde einer der Zuwege zu den Pkw-Stellplätzen wegfallen, und der gesamte Platz müsste umgestaltet werden. Außerdem gebe es Schwierigkeiten bei der Verlagerung der Haustechnik, so Kampermann. „Wir haben immer den Konflikt, dass sich die Konsumenten gut erreichbare Märkte im Zentrum wünschen, die Anwohner jedoch keinen Ausbau in ihrer Nachbarschaft wünschen“, fügte Dirk Schomberg, von der APP Projektentwicklung, hinzu.

Dass nun die Pläne zu scheitern drohen, komme für die Investoren überraschend. Bis Juni habe man nichts von der im Bebauungsplan vorgeschriebenen Grenze von acht Metern gewusst, hieß es von der APP und der Aldi-Immobilienverwaltung. Bis dahin seien die Pläne schon weit fortgeschritten gewesen. „Es ist eine Fehlplanung“, hielt Klaus Döll von der Felsberger CDU dagegen. Bereits zum Zeitpunkt, als der Bebauungsplan festgelegt wurde, hätte man mit Blick auf zukünftige Erweiterungen planen müssen. „Fehler, die von Rewe und Aldi gemacht wurden, können nicht die Anwohner bezahlen“ sagte Döll.

Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz (SPD) versuchte zu beschwichtigen, betonte aber, dass zwischen öffentlichem Interesse auf der einen und dem Privatinteresse der Anwohner abgewogen werden müsse. „Stadtplanung bedeutet, sich im Lauf der Zeit dem Wandel und den neuen Bedürfnissen anzupassen. Es gibt Dinge, die sich verändern können und müssen“, sagte Steinmetz.

So geht es weiter

Eine Empfehlung im Bau-und Umweltausschuss für eine Entscheidung im Parlament gab es nicht, wie Bürgermeister Volker Steinmetz mitteilte. Die Fraktionen sollten sich nochmals beraten. In der nächsten Sitzung des Stadtparlamentes in der kommenden Woche soll die Entscheidung daher noch nicht fallen. Die Investoren drängten allerdings auf eine baldige Lösung.

Von Philip Nolte

Kommentar: Die SPD hat es in der Hand - Christine Thiery zu den Rewe-Aldi-Plänen

Wie kann es sein, dass weder Aldi noch Rewe bis Juni dieses Jahres nichts von der Acht-Meter-Grenze im Bebauungsplan gewusst haben? Haben die Architekten einfach wild drauf los geplant? Das sind doch in der Regel Profis, die genau wissen, wo sie sich informieren können, wenn es um solche Formalitäten geht. Daher scheint das wenig glaubwürdig und lässt viel Raum für Spekulationen offen. Hat man vielleicht Aldi und Rewe dazu ermutigt, zu planen, mit dem Versprechen, der Bebauungsplan müsse dann nur noch geändert werden? 

Der Bürgermeister steht dem Vorhaben eher positiv gegenüber. Aber die SPD hat es weiter in der Hand. Sie hat die Mehrheit im Parlament und hatte sich in der Septembersitzung dafür ausgesprochen, das den Gießlers gegebene Versprechen zu halten. Wenn sie das weiterhin tun will, müssen die Parlamentarier nur vollzählig in der entscheidenden Sitzung erscheinen und einstimmig für Gießlers votieren. Wenn aber die SPD sich das Ganze doch noch einmal überlegen sollte, dann könnten Gießlers die Leidtragenden sein.

cty@hna.de

Quelle: HNA

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