Der Freundeskreis Homberg hilft beim Ausstieg aus der Abhängigkeit

Alkohol, Sucht des Alltags

Unkontrolliertes Trinken: Wer nicht mehr von der Flasche weg kommt, braucht Hilfe. Die finden Abhängige und ihre Angehörigen unter anderem bei Organisationen wie dem Freundeskreis Homberg. Foto: Archiv

Schwalm-Eder. Die einen trinken heimlich zu Hause, die anderen nur in der Kneipe und manche trinken überall. Das ist die Erfahrung von Manfred Japes vom Freundeskreis Homberg, Verein für Suchtkrankenhilfe. Er arbeitet ehrenamtlich in einer der Selbsthilfegruppen, die der Verein für alkoholkranke oder –gefährdete Menschen anbietet.

Seit der Gründung 1980 unterstützt der Verein Betroffene und Angehörige. In den Selbsthilfegruppen des Vereins werden etwa 500 Menschen im Jahr betreut. Im Vereinsheim treffen sich die Führerscheingruppe, die offene Infogruppe sowie die Angehörigengruppe.

„Alkoholiker sind die besten Schauspieler.“

Friedel Röse-Nolte

Die Geschichten der Teilnehmer ähneln sich stark. Bei vielen fing das Alkohol trinken schon in der Jugend an, etwa im Sportvereinen mit einem Bier nach dem Training. Männer erinnern sich oft an ihre Bundeswehrzeit, während der dann noch mehr getrunken wurde.

Auch bei Alltagssorgen diente der Alkohol als kurzfristiger Ausweg, sagt auch Harald Zarges, Vorsitzender des Vereins. Im Laufe der Zeit werde dann aber immer mehr Alkohol benötigt. Reichten zu Anfang noch ein paar Flaschen Bier am Tag, brauche man später mehrere Kisten. Oder man steige um auf höherprozentigen Alkohol. Um ruhig durch den Tag zu kommen, müssten Pegeltrinker schon morgens trinken.

Schlaftstörungen und Zittern

Symptome und Begleiterscheinungen des übermäßigen Alkoholkonsums sind: das nächtliche Schwitzen, die Schlafstörungen, das Zittern nach dem Morgenkaffee, Appetitlosigkeit. Das ganze Denken drehe sich nur um den Nachschub, alles andere werde zunehmend unwichtig. Kennzeichnend für alle Alkoholiker sei der Kontrollverlust, schon nach einer kleinen Menge Alkohol nicht mehr aufhören zu können.

Und der übermäßige Konsum werde verleugnet. „Alkoholiker sind die besten Schauspieler“, sagte Friedel Röse-Nolte vom Freundeskreis. Manche versteckten den Alkohol im Gartenschlauch, andere im Bügeleisen. „Da kann man sehen, welche Not, welche Sucht dahinter steckt“, meinte sie.

Für die Angehörigen sei das Zusammenleben mit einem Alkoholiker sehr belastend. Die vielen Lügen und Versprechungen, dazu die ständige Sorge, dass nichts passiere beim Autofahren und ständige Existenzängste, wenn der Haupternährer der Familie seinen Alkoholkonsum nicht im Griff habe.

Trotzdem falle es den meisten nicht leicht, sich für ein Leben ganz ohne Alkohol zu entscheiden, erklärte Michael Thron vom Verein. Denn das sei die einzige Heilung: lebenslange Abstinenz.

Dazu seien viele Gespräche nötig. Ohne Therapie schafften es die wenigsten, von ihrer Sucht loszukommen, berichtete Harald Zarges. Die meisten hätten auch einen Auslöser wie Krankheit, Jobverlust, Führerscheinentzug oder das Eingreifen von Angehörigen für ihren Entschluss gebraucht. Der innere Wille müsse da sein.

Gruppentreffen: montags (Führerscheingruppe) und donnerstags (offene Infogruppe) von 19 bis 20.30 Uhr im Vereinsheim, Stellbergweg 58, Homberg. Kontakt: Tel. 0 56 83/ 1844 und 0 56 84/ 1429.

Von Bettina Mangol

Quelle: HNA

Kommentare