B. Braun: Alle Bänder stehen still

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Unter Zeitdruck: Vier Tage haben die Mitarbeiter im Werk P bei B. Braun Zeit, die Maschinen zu warten. Elektromeister Sebastian Pfeil schraubt an einem Roboterarm einer Verpackungsmaschine.

Melsungen. In den Werken bei B. Braun werden nach Weihnachten die Maschinen gewartet. Dann stehen für einige Tage sämtliche Bänder still.

Die Produktionsmaschinen machen einen riesigen Lärm. Es rauscht und piepst - sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. Ab und zu weht der Duft eines Desinfektionsmittels durch die Gänge. Im Sekundentakt plumpsen kleine Kunststoffteilchen aus den Maschinen im Werk P der Firma B. Braun in Melsungen. 630 000 Infusionsüberleitungsgeräte gehen dort täglich über Förderbänder auf eine lange Reise durch die 140 mal 30 Meter große Produktionshalle.

Ab Freitag Abend wird es in den Produktionshallen des Pharmaunternehmens ungewohnt ruhig. „Um 22 Uhr machen wir in der Produktion die Lichter aus“, sagt Sebastian Pfeil, Elektroinstallateur bei B. Braun. Doch auch wenn bei B. Braun die Maschinen und Förderbänder stillstehen, wird es in den Produktionshallen nach den Weihnachtsfeiertagen hektisch - hektischer als sonst. Zweimal im Jahr - im Sommer und zwischen den Jahren - werden die großen Maschinen gewartet und instandgesetzt.

Ab Dienstagmorgen stehen Sebastian Pfeil und seine Kollegen Stephan Holzhauer, Betriebsmechaniker, und Helmut Kellner, Instandhaltungsmeister, für vier Tage unter Volldampf. Darauf haben sie sich monatelang vorbereitet.

Zusammen mit Monteuren externer Firmen tauschen sie im Werk P Verschleißteile aus, kontrollieren Schläuche, Getriebeteile und zerlegen Produktionswerkzeuge der etwa 85 Maschinen - stets unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. „Es krabbelt überall. 84 Fachkräfte sind an den Arbeiten beteiligt. Im Normalbetrieb arbeiten pro Schicht etwa 60 Mitarbeiter“, sagt Helmut Kellner. Deshalb müssten die Abläufe der Instandhaltung vorher genau geplant werden.

„Wir müssen Maschinenteile aufgrund der Lieferzeiten und externe Mitarbeiter rechtzeitig bestellen. Kein Monteur kommt von heute auf morgen“, sagt Kellner. „Und trotzdem erleben wir bei der Inspektion jedes Jahr wieder Überraschungen.“ Wo es bei kleineren Instandhaltungsarbeiten während des Jahres meist nur eine Baustelle gibt, seien es im Werk P in dieser Phase 35-45 auf fünf Etagen.

Für jede Maschine gibt es einen eigenen Wartungsplan. In einer Datenbank sind alle standardisierten Prozesse vorgegeben. Darin werden anschließend auch alle Wartungsarbeiten dokumentiert.

Doch zwischen den Jahren wird nicht nur geschraubt, sondern auch aussortiert: Alte Maschinen werden verschrottet, neue Technik wird installiert. „Dieses Jahr haben wir 145 000 Infusionsüberleitungsgeräte hergestellt. Bis zum Jahr 2013 wollen wir die Menge verdoppeln“, sagt Stephan Holzhauer. Der Zeitdruck ist groß: Am 2. Januar muss alles fertig sein. Denn in aller Frühe, um 6 Uhr, laufen die Maschinen wieder an. Bevor tausende Medizinprodukte wieder in Kartons wandern, werden Bohrstaub und Ölreste im Produktionsbereich entfernt und Produktproben getestet. „Es gibt keine Schonfrist. Die Lagerbestände sind leer. Die Produktion muss wieder laufen, damit es keine Lieferengpässe gibt“, sagt Kellner. (nsk)

Quelle: HNA

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