Heimatforscher hofft auf römische Spuren an antiken Fernwegen

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Weg über den Dörnberg: Klaus Fröhlich hat Karten gesichtet, ist Routen abgewandert und kommt zu dem Schluss, dass der Hohlweg vor den kleinen Helfensteinen mehrere tausend Jahre alt sein dürfte. Selbst römische Legionen könnten ihn genutzt haben. Zusammen mit Dr. Udo Schlitzberger will er die Ergebnisse der gemeinsamen Forschungsarbeit mit Wissenschaftlern und Archäologen aus Marburg diskutieren.

Zierenberg. Auf ihren Touren haben Klaus Fröhlich aus Dörnberg und Dr. Udo Schlitzberger aus Fürstenwald Beweise gesammelt. Unterwegs waren die beiden Hobbyarchäologen zwischen Kassel und Fritzlar. Sie wollten den konkreten Verlauf der vorchristlichen Fernwege zwischen beiden Städten ermitteln.

Dabei hofften sie auch Anhaltspunkte auf die Route zu finden, der römische Legionen vor 2000 Jahren durch die Region gefolgt sein könnten. Nun sagt Fröhlich, die Mission war erfolgreich.

Bereits vor einigen Monaten hatten die beiden verkündet, dass zwei antike Fernstraßen in der Zeit weit vor Christi Geburt über den Dörnberg geführt haben sollen - eine von Ost nach West, die andere von Nord nach Süd. Bei ihrer jüngsten Suche stützten sich die beiden Männer auf Willi Görichs etwa 50 Jahre alten „Geschichtlichen Atlas Hessen“. Den übertrugen sie in die topografische Karte 25, beherzigten bei ihrem Marsch die Gesetze zum Verlauf von Straßen und Flüssen und interessierten sich vor allem für Ringwälle, Hügelgräber und Steinkammergräber, die Hinweise auf die Vergangenheit geben. „Wir haben die Theorie der Karten an den Fakten im Gelände gemessen“, beschreibt Fröhlich das Prinzip, nach dem sie vorgingen.

Sie folgten einer Route, die so wenig wie möglich Flüsse und Bäche kreuzt und die auf Höhenzügen verläuft. Alle anderen Wege wären für unsere Vorfahren ungleich schwieriger gewesen. Fröhlich begründet die Annahme: Die Menschen vor 5000 Jahren seien mit primitiven Gespannen durchs Land gezogen. Ein ewiges Bergauf und Bergab wäre kraftraubend gewesen. Gleiches gelte für das Überwinden von Flüssen. Wer durchs Wasser gegangen sei, habe dies morgens machen müssen, damit die Kleidung während der Wanderung hatte trocknen können. Mehr als 20 Kilometer pro Tag hätten die Nomaden nicht geschafft.

Beide Heimatforscher folgen dabei der Theorie, dass die einmal etablierten Fernwege über Jahrtausende hinweg Bestand hatten und auch von römischen Legionären gewählt wurden. Rein rechnerisch müssten sich also alle 20 Kilometer Belege für ein Lager römischer Truppen finden lassen, sagt Klaus Fröhlich. Das vor gut zehn Jahren entdeckte Römerlager bei Hedemünden an der Werra (Landkreis Göttingen) könne nur ein Punkt in einem Netz von Wegen und Lagern sein.

Ihr Ziel ist es, entlang der antiken Fernstraße viele archäologische Hotspots zu lokalisieren, bei denen Grabungen aus wissenschaftlicher Sicht lohnenswert sind. Wenn die Männer mehr Material zusammen haben, wollen sie Archäologen in Marburg mit ihren Erkenntnissen konfrontieren.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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