Alles fließt ineinander

Prozess: Betrug mit Handyverträgen und Geräten

Fritzlar. Betrug mit Mobilfunkverträgen und dem Verkauf von Handys an nicht real existierende Kunden wird einem 50-Jährigen vorgeworfen.

„Papa, ich wusste nicht, dass Du eine Fledermaus bist“, staunte die kleine Tochter des Rechtsanwaltes, als sie ihren Vater erstmals in schwarzer, flatternder Robe erblickte. Solche Geschichten gibt es manchmal vor Gericht zu hören, wenn die Stunden, unterbrochen von ungewollten Pausen, zäh dahin rinnen.

Auch diesmal fehlte vor dem Amtsgericht Fritzlar ein wichtiger Zeuge. Die postalisch zugestellte Vorladung hatte ihn nicht erreicht.

Telefonisch gelang das nun der Richterin, nur warten hieß es. Angeklagt war ein 1965 geborener Mann wegen Vorspiegelungen falscher Tatsachen und dem gewerbsmäßigen, betrügerischen Verschaffens eines Vermögensvorteiles, also des Betruges.

Er hatte als Außendienstler bei einem Mobilfunkunternehmer gearbeitet und die dabei vorhandenen Möglichkeiten genutzt, Verträge ohne realen Hintergrund abzuschließen. Kreditkarten, Ausweise und andere Unterlagen wurden von anscheinend nichtexistenten Personen kopiert und die notwendigen Unterschriften gefälscht.

An Verkäufer geliefert 

Die Geräte zum Preis zwischen 300 bis über 600 Euro wurden nicht an Kunden, sondern in die private Wohnung des Verkäufers geliefert. Dieser erzielte dann einen Gewinn mit dem Verkauf der Hardware ohne Vertragsabschluss mit einem Mobilfunknetzanbieter.

Das geschah in einem kurzen Zeitraum von Januar bis März 2013. Dann schaltete der Inhaber des Handy-Shops die Kriminalpolizei ein. Das ging aus der Anklageschrift der Staatsanwältin hervor. In stundenlanger Verhandlung verdunkelte sich immer mehr das scheinbar helle Licht über dem Tathergang. Der Angeklagte besaß einst ein eigenes Geschäft. Er gab es auf und stieg bei seinem Freund ein. Er brachte seine Kundenliste, Verträge und Handys mit. Unkontrolliert, nur auf der Basis der Freundschaft, floss alles ineinander.

Der Rechtsanwalt verwies auf offensichtliche Mängel in der großen Zahl der falschen Verträge. Es ist möglich, dass Dritte hier mitgewirkt hatten. Der Beschuldigte selber redet von fünf Verträgen, die seine echte Unterschrift enthalten. Inzwischen wurden viele juristische Schritte unternommen. Der Netzanbieter verlangte Schadensersatz. Der Shop-Inhaber spricht von 38.000 Euro Verlust. Der Angeklagte kämpft überhaupt um seine Existenz.

Dubiose Treffen

Es gab ein dubioses Treffen an einer Tankstelle mit der Anerkennung eines schriftlichen Schuldeingeständnisses, welches dann sofort widerrufen wurde. Es gab Telefongeräteverkäufe in einem Burger-Restaurant.

Ein Gerichtsvollzieher trieb vom Angeklagten 3000 Euro ein. Eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Eschwege zu gleichgelagerten Tatvorwürfen wird wohl auf Antrag nach Fritzlar überstellt.

Der Angeklagte verspricht, an der Aufklärung mitzuwirken. Die Verhandlung wird weiter fortgesetzt.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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