Kabarett Distel nahm Politiker aufs Korn

Alles läuft wie geschmiert

+
Pannenflughafen: Berliner Flughafenvorstände, dargestellt von Michael Nitzel (links) und Dagmar Jaeger beanstanden, dass der Tower schief sei. Darauf der Bauleiter (Stefan Martin Müller, rechts): „Wir haben einfach mal drauf los gebaut und gedacht, das wird schon schief gehen.“

Gudensberg. Lampenfieber? „Ja das haben wir immer noch“, sagt Dagmar Jaeger. Michael Nitzel und Stefan Martin Müller stimmen ihr kurz vor dem Auftritt in Gudensberg zu. Gemeinsam waren sie am Samstagabend im Bürgerhaus zu sehen.

Die drei Schauspieler gehören schon seit vielen Jahren (Jaeger und Müller seit 1989, Nitzel seit 1983) zum Ensemble des 1953 in der DDR gegründeten Kabarett-Theaters Distel („Der Stachel am Regierungssitz“), in Berlin.

Vor jedem Auftritt baue sich bei ihnen eine innere Spannung auf, die erst nach einigen Minuten auf der Bühne nachlasse. Bei Auswärtsspielen sei diese Spannung anders als beim Heimspiel in Berlin. „Wir schauen vor dem Auftritt in den Zuschauerraum und wenn der gut, also kuschelig besetzt ist, ist der Beginn für uns einfacher,“ sagte Dagmar Jaeger.

Die fünfte Gewalt

Trotz so vieler gemeinsamer Bühnenjahre gehe sich das Ensemble noch lange nicht auf die Nerven, sagt Nitzel. Dennoch krache es auch schon mal hinter den Kulissen: „Dann geht es nicht um Animositäten untereinander, sondern um die Sache, und wir klären das dann.“

Zusammen mit den Musikern Fred Symann, (Klavier, seit 1993 dabei), und Matthias Lauschus, (Schlagzeug, Gitarre, Trompete, seit 1995 im Ensemble), unternehmen die Darsteller gemeinsam so einiges in den jeweiligen Spielorten, erklärt Müller und dann geht es auf die Bühne.

Schenkt man den Akteuren Glauben, so ist mit dem Umzug der Regierung nach Berlin ein neuer Beruf, nämlich die „fünfte Gewalt im Staat,“ entstanden: Der Lobbyist, der sich aber lieber Politik- oder Kommunikationsberater nennt, hat sein Arbeitsrevier in der Hauptstadt zwischen Kanzleramt und Gendarmenmarkt. Laut Mister X, dargestellt von Michael Nitzel, gibt es mittlerweile 5000 Berater, die Einfluss auf Entscheidungen der Politiker nehmen wollen.

In seinem „Mister X-Song“ beschreibt Nitzel die Arbeit eines Lobbyisten, indem er bissig fragt: „Was glaubt ihr, wer hat Hedgefonds legalisiert, das Stromnetz privatisiert und Steuerhinterzieher amnestiert? Wer hat die Lebensmittelampel blockiert und die wilden Grünen domestiziert? Wer erfand den Ausdruck Lohnnebenkosten und wer besorgt den Überläufern Vorstandsposten? Wer schickt unsre Jungs nach Afghanistan, und wer verkauft demnächst die Deutsche Bahn?“ Die Antwort lautet: „Wie ich das mache? Ich verrate nix, das bleibt das Geheimnis von Mister X.“

Der Begriff Lobby bedeute im Ursprung Wandel- oder auch Hotelhalle, könne aber eben auch Interessenverband bedeuten.

Wenn die Abwahl droht

Angehörige der Verbände sollen schon in früheren Zeiten Parlamentarier an die Möglichkeit ihrer Abwahl erinnert haben oder Auswirkungen eines bestimmten Verhaltens in Aussicht gestellt habe.

Dagmar Jaeger und Stefan Martin Müller entfachten gemeinsam mit Michael Nitzel vor 250 Zuschauern ein wahres Feuerwerk an Komik, Ironie und bissiger Politikerschelte. Spitzzüngig und amüsant zeigten sich die Schauspieler bei ihrem Gastspiel in Gudensberg.

Quelle: HNA

Kommentare