Brigadegeneral Alfons Mais über den Einsatz in Masar-i-Sharif

HNA-Interview: Brigadegeneral über Alltag in Afghanistan

Masar-i-Sharif/Fritzlar. Alfons Mais, Kommandeur der Luftbeweglichen Brigade 1 in Fritzlar, ist seit mehreren Monaten im Einsatz in Afghanistan. Im Telefoninterview berichtet er von seinem Alltag im Camp Marmal in Masar-i-Sharif, im Norden Afghanistans.

General Mais, wie geht es Ihnen in Afghanistan?

General Alfons Mais: Mir geht es prima, weil hier eine erfüllte Zeit hinter mir liegt. Für mich geht es ja jetzt auf die Zielgerade; ich bleibe nicht mehr sehr lange; und da steigt die Stimmung per se. Ich habe hier unheimlich viel erlebt, es ist eine bereichernde Zeit gewesen.

Nur zum Vergleich: Wie ist das Wetter bei Ihnen heute?

Mais: Es ist frühlingshaft. Eben hat noch die Sonne geschienen, Temperaturen etwa 15 Grad, leichter Wind.

Was genau ist Ihre Aufgabe in Masar-i-Sharif?

Mais: Ich bin im Regionalkommando Nord einer von vier Haupt-Abteilungsleitern im Multinationalen Stab, in dem 18 Nationen arbeiten. Ich bin zuständig für alle Fragen der Militärischen Sicherheit, Operationsführung und militärisches Nachrichtenwesen.

Wie kann man sich Ihren Tagesablauf vorstellen? Ist das eher Büroarbeit?

Mais: In meiner Funktion bin ich fest gebunden und komme nur relativ selten hier raus. Es gibt einen sehr festen Tagesrhythmus angefangen mit der morgendlichen Lagebesprechung mit dem Kommandeur, ich habe auch täglich Kontakt mit unserem vorgesetzten Kommando in Kabul.

Rund um die Mittagszeit bin ich dann Herr meines eigenen Kalenders und kann mit meinen Leuten sprechen. Gegen Abend gibt es wieder einen sehr strukturierten Verlauf mit Besprechungen, Videokonferenzen – und das zieht sich so bis gegen 21 Uhr. Dann habe ich etwas Luft, mal in meine hunderte E-Mails reinzugucken, und dann ist der Tag zu Ende.

Sind Sie selbst schon in gefährliche Situationen geraten?

Mais: Ich persönlich habe das nicht erlebt. Das gefährlichste für einen Stabsarbeiter wie mich ist es, hier bei Dunkelheit im Lager in irgendein Bauloch zu fallen, das jemand am Tag geschaufelt hat.

Trotzdem kann auch ein Lager wie das Camp Marmal beschossen werden. Ist das ein besonderes Lebensgefühl mit ständiger Bedrohung?

Mais: Es ist zwar bemerkenswert, aber man gewöhnt sich völlig daran. Am Anfang – und für mich ist es ja der erste Afghanistan-Einsatz – ist das Thema noch allgegenwärtig.

Wenn ich mich in meinem Büro umgucke, hängen links Helm und Weste, es gibt viele Sicherheitsbereiche und Verhaltensregeln. Das gibt einem schon das Gefühl: Achtung! Du bist hier nicht zuhause in einer x-beliebigen Kaserne. Aber das Gefühl, bedroht zu sein, habe ich hier nicht.

Haben Sie den berüchtigten Lagerkoller schon erlebt?

Mais: Da habe ich gar keine Zeit für. Ich hatte die Gelegenheit, im Advent eine Urlaubswoche einzuschieben. Das hat mir sehr gut getan.

Masar-i-Sharif ist ein sehr großes Feldlager mit vergleichsweise vielen Annehmlichkeiten von Sportmöglichkeiten bis zu Veranstaltungen. Einen Lagerkoller habe ich nicht erlebt.

In Deutschland wird zurzeit sehr über bewaffnete Drohnen für die Bundeswehr diskutiert. Wären Drohnen eine Hilfe für einen Einsatz dieser Art?

Mais: Drohnen sind sehr hilfreich und geben uns eine schnelle Reaktionsfähigkeit. Sie tragen extrem zur Sicherheit unserer Soldaten bei, weil wir jede Bewegung außerhalb des Lagers durch Drohnen überwachen lassen. Wenn dann etwas passiert, wären wir mit einer Bewaffnung sofort reaktionsfähig.

Ich bin in den sechs Monaten hier zu einem großen Drohnen-Befürworter geworden.

Was für eine Zukunft hat Afghanistan aus Ihrer Sicht, speziell der Norden, wo Sie sind?

Mais: Der Norden ist ganz anders als der Rest des Landes. Sie würden sich wundern, was es hier in der Stadt an Baumärkten, Tankstellen und Geschäften gibt. Hier im Norden merkt man, das sich etwas bewegt. Durch die lange Grenze nach Norden pulsiert es hier richtig.

Für den Norden und auch für Afghanistan insgesamt bin ich positiv gestimmt. Es ist natürlich kein mitteleuropäisches Land. Wenn die internationale Gemeinschaft, wie sie es versprochen hat, weiter Hilfe leistet, kann dieses Land ein ganz normales Entwicklungsland werden.

Sie kommen Ende Februar zurück. Wie man hört, werden Sie Fritzlar bald wieder verlassen. Stimmt das und wie geht es für Sie weiter?

Mais: Ich bin jetzt seit fast zwei Jahren in Fritzlar, dann geht für einen Brigadekommandeur normalerweise die Zeit zu Ende. Ich bin auf einen Wechsel eingestellt.

Quelle: HNA

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