Asylbewerber im Schwalm-Eder-Kreis

Alltag im Leben eines Asylbewerbers: Er ist durch das Netz gefallen

Hofft auf eine zufriedene Zukunft und auf einen Deutschkurs: Mohamed Muhamud Ahmed lebt im Asylbewerberheim in Treysa. Foto: Yüce

Schwalm-Eder. Er liegt auf seinem Bett und schaut aus dem Fenster. Er steht auf, wäscht sich, isst und schläft. Das ist es auch schon, was Mohamed Muhamud Ahmed den ganzen Tag über macht. Nicht, weil er es will, sondern weil er keine Alternative hat.

Er fühlt sich zum Nichtstun verdammt. Seit zwei Jahren lebt der junge Mann im Schwalm-Eder-Kreis – als Asylbewerber.

Das war mal anders. Er hat gerne Fußball gespielt mit seinen Freunden, ging in Somalia zur Schule. Wie es Teenager eben tun. Bis zu dem Tag, an dem er und acht seiner Freunde von Anhängern der islamistisch-militanten Bewegung al-Shabaab entführt wurden. „Wir haben Fußball gespielt, da hielt ein Kleinbus an, und sie haben uns einfach eingefangen“, sagt er.

Was folgte, war ein zweimonatiges Trainingslager für Kindersoldaten. „Sie haben uns gezeigt, wie man Bomben baut und Menschen tötet.“ Am Abend vor seinem ersten Einsatz sei er den Rebellen entkommen. Danach war klar, dass es für ihn in Somalia kein sicheres Leben mehr geben würde. „Die suchen und finden dich. Ich musste in ein anderes Land“, sagt Mohamed Muhamud Ahmed. Seine Stimme stockt. Während er erzählt, blickt er oft unter sich. Sein Onkel habe ihm bei der Flucht geholfen und dafür einen Kopfschuss kassiert.

Von Somalia ging es über Mogadischu, Dubai und Paris nach Frankfurt. Eigentlich sollte seine Flucht in Norwegen enden. Doch war am Frankfurter Flughafen Endstation – die Polizei griff ihn auf. Im November, so sagt er, wird er 18 Jahre. Als er vor zwei Jahren in Deutschland ankam, sei er 16 Jahre alt gewesen. Genau das habe man ihm nicht geglaubt. „Ich hatte keine gültigen Papiere“, erklärt er auf Englisch.

Er wirkt gehetzt, während er erzählt. Doch bemüht er sich ruhig zu bleiben. Er will auf sich aufmerksam machen. Manchmal fehlen ihm die Worte, dann schweigt er und schließt die Augen. Konzentriert sich, spricht weiter. Die Geschichte von Mohamed Muhamud Ahmed ist die Geschichte eines Jungen, der durch das Netz gefallen ist, das ihn eigentlich hätte auffangen sollen. Seitdem befindet er sich im freien Fall.

Anders als andere minderjährige Asylsuchende, die ohne Familie nach Deutschland kommen, gab es für ihn keine besondere Betreuung, keinen Sprachkurs. Weil angenommen wurde, dass er älter sei, wurde er in das Asylbewerberheim in Treysa gesteckt. Dort lebt er in einem Zimmer mit drei Männern und fühlt sich allein. „Ich bin hier der Jüngste.“

Er durfte nicht zur Schule und das Geld für einen Sprachkurs der Volkshochschule hat er nicht. Asylbewerber sind bei den Sprachkursen von Ermäßigungen ausgenommen. Doch will er die Sprache lernen, um endlich in dem Land anzukommen, in dem er seit zwei Jahren lebt.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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