Dresdener Herkuleskeule beim satirischen Gipfeltreffen in der Homberger Stadthalle

Das Alltagselend im Blick

Homberg. Ob Politiker, Banker, Wirtschaftsbosse, Heino oder Otto Normalbürger: Vor den spitzzüngigen Satire-Rambos der Dresdener „Herkuleskeule“ war keiner sicher – auch nicht das Kreisstadt-Publikum in der ersten Reihe.

Rund 250 Gäste erlebten am Samstagabend in der Homberger Stadthalle einen polit-kabarettistischen Budenzauber, veranstaltet von Birgit Schaller, Rainer Bursche und Erik Lehmann. Auf Einladung des Homberger Kulturrings und der Stadt Homberg absolvierten sie eine sarkastische Bestandsaufnahme des Alltagselends in der Republik.

In einem gnadenlos bissigen Spektakel deckten sie Fehlleistungen des untergegangenen Sozialismus und des bröckelnden Kapitalismus auf. Mal schwarzhumorig, mal erschütternd komisch, nahmen sie politische Abgründe und menschliche Unzulänglichkeiten im deutschen Krisen-Auf-und-Ab unter die Lupe.

Die satirische Rebellion am Nerv der Zeit fand auf einer Abriss-Firmenbaustelle statt, zwischen stählernen Resten einer Pförtnerloge und einer verwaisten Bushaltestelle. Hartnäckig harrten Putzfrau Birgit Schaller und Werkschützer Rainer Bursche in den staubigen Hinterlassenschaften aus. Unter dem Motto „Reflektieren statt Resignieren“ sinnierten sie über Firmenschließungen, Arbeitslosigkeit und Bankenkrise, über Termindruck, Fortschritt, Volksmusik und Schrebergärten: Schließlich könne doch dem Hunger auf der Welt mit 6,6 Milliarden Kleingärtnern wirksam begegnet werden.

In das verbale Katastrophenmanagement mischte sich Erik Lehmann mit Ablebensstrategien, Leiharbeitstheorien und Krisenvermeidungsvorschlägen ein. Als Rhetorik-Guru auf Krawallkurs verkörperte er ein vielseitiges Figurenkabinett. Die Palette skurriler Typen reichte vom derben Sprengmeister bis zum feinen Banker, vom norddeutschen Eroscenter-Partisan bis zum sächselnden Max Mustermann.

Gesangliche Glanzpunkte setzte Birgit Schaller, begleitet von Pianist Thomas Wand. Mit verrucht-gehauchtem Anti-Schönheitswahn-Plädoyer, Konjunktur-Rap, Koloratur-Gelächter und lautem Jodel-Einsatz für die Volksmusik begeisterte sie das Publikum. Das dankte für ein brillantes kabarettistisches Gesamtpaket mit anhaltendem Applaus.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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