Alpakas helfen dem behinderten Sohn

Knüllwald/Melsungen. Wenn Gerhard Ringk aus Berndshausen mit seinem Sohn Pierre und seinen Alpakas durch die Melsunger Fußgängerzone geht, wollen ihm viele Menschen eine Spende für seinen Zirkus geben.

Aber weder betritt der 52-Jährige je eine Manege noch sammelt er Geld. Gerhard Ringk will nichts als seinem Sohn helfen: Die Touren mit den Tieren sind Therapie für seinen geistig behinderten Sohn Pierre. Der 29-Jährige leidet am seltenen Prader-Willi-Syndrom, bei dem ein mutiertes Chromosom eine Fehlfunktion im Hirn verursacht hat.

Pierre arbeitet in den Malsfelder Werkstätten der Baunataler Diakonie Kassel und lebt bei seinen Eltern. Dort hatte er immer alles, was er für ein gutes Leben braucht – bis auf Bewegung. Kein Sport, kein Tier, keine Idee hat ihn an die Luft locken können. Bis zu dem Tag, als Ringks Ferien auf der Insel Fehmarn machten und dort die kleine Kamelart Alpakas kennenlernten. Bei Pierre war es viel mehr als ein Kennenlernen – es war Liebe auf den ersten Blick. Es dauerte nicht lange, bis Gerhard Ringk herausfand, dass Alpakas als Therapietiere gelten. Und zwar längst nicht nur für geistig Behinderte. Beinahe jeder staunt, wenn er die knuffigen Tiere zum ersten Mal sieht.

Die Neuweltkamele, die keinen Höcker haben und etwas kleiner als Lamas sind, sehen spektakuär ungewöhnlich aus. Sie erinnern an eine irrwitzige Mischung aus Schaf, Kamel und Strauß und sprengen damit alle bekannten Vorstellungen und Bilder, die der Mensch im Kopf hat, wenn er hier in der Region auf ein Tier trifft. Und genau das, dieses fassungslose Bestaunen, löse bei vielen Menschen neue Verhaltens- und Annäherungsweisen aus. Dazu zählen Neugier, Spannung, Behutsamkeit – und ausnahmslos immer auch ein breites Lächeln. „Alpakas können kleine Wunder bewirken“, ist sich Gerhard Ringk längst sicher. Er muss es wissen, denn er erlebt beinahe täglich eines.

Denn Pierre, dem so dringend körperliche Betätigung fehlte, ist ständig in Bewegung, seitdem Ringks die sechsköpfige Alpakaherde besitzen. Er, der früher am liebsten drin saß, marschiert nun stundenlang durch Melsungen. Kamele am Halfter Denn Pierre Ringk liebt die Bartenwetzerstadt.

 Für ihn gibt es kaum etwas Schöneres, als durch deren Fußgängerzone zu schlendern – aber eben nur mit den kleinen Kamelen am Halfter. Für Gerhard und Martina Ringk ist diese ungewöhnliche Begeisterung ihres Sohnes ein Geschenk des Himmels. Denn die Spaziergänge stärken nicht nur Pierres Muskeln, sondern auch sein Selbstbewusstsein. Er redet mit Passanten, erzählt von den Tieren, bekommt damit Kontakt zu Menschen. Für seine Eltern ist das mehr als ein schöner Zufall. Für sie ist das eines der Wunder, die Alpakas auslösen.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

Kommentare