Ex-Schwälmer Güven trainiert neben dem Referendariat die SG Wattenscheid-Jugend

Alpi beißt sich durch

Noch auf heimischem Rasen: Alparslan Güven stand einst für den TSV Mengsberg auf dem Spielfeld. Auf unserem Foto ist er im Zweikampf mit einem Spieler aus Korbach zu sehen. Fotos: nh

Treysa/ Wattenscheid. Es gibt Menschen, für die nichts über einen ruhigen Abend auf dem Sofa geht. Entspannung nach einem harten Arbeitstag, Abschalten bei einem guten Buch oder spannenden Film. Dinge, für die Alparslan Güven keine Zeit hat: Der 28-jährige gebürtige Treysaer führt seit eineinhalb Jahren ein Doppelleben im tiefsten Westen: als Referendar an einem Gymnasium und erfolgreicher Trainer eines Fußball-Bundesligisten.

„Wie ich das unter einen Hut bekomme, ist mir auch nicht ganz klar“, sagt Güven, den es nach dem Studium in Marburg dahin verschlagen hat, wo das Herz des deutschen Fußballs schlägt: In den Ruhrpott, genauer gesagt zur SG Wattenscheid, einem Traditionsverein aus dem gleichnamigen Bochumer Stadtteil.

„Ich wünsche mir, dass der Tag 35 Stunden hätte“

Alparslan Güven

Im Pott ist „Alpi“ – wie Freunde ihn nennen - seit 2009 verantwortlich für die B-Jugend des SG Wattenscheid, die mit Vereinen wie Borussia Dortmund, Schalke 04 und dem 1. FC Köln konkurriert. Verantwortlich ist er auch für die Schüler des Georg-Büchner-Gymnasiums in Kaarst (bei Düsseldorf), an dem Güven das zweite Staatsexamen anstrebt.

Entsprechend vollgepackt sind die Tage im Leben des ehemaligen Schwälmers. Von 7 bis 13 Uhr: Schule. 14 bis 15 Uhr: Vorbereitung des Unterrichts. 16 Uhr: Abfahrt zum Training. 18 Uhr: Trainingsbeginn. 22 Uhr: Feierabend - aber nur, wenn am nächsten Tag keine Lehrprobe ansteht und er deshalb eine Nachtschicht einlegen muss.

„Ich wünsche mir, dass der Tag 35 Stunden hätte“, sagt Güven, der sich im Ruhrpott eingelebt hat. Eine Mietwohnung in Düsseldorf-Bilk hat er bezogen, von dort pendelt er nach Kaarst und Wattenscheid. Täglich lernt er dabei die Eigenarten der Region schätzen. „Die Mentalität ist hier eine andere als in der Schwalm. Ein bisschen lockerer, offener“, erklärt Güven.

Vor allem in der närrischen Jahreszeit, wie der angehende Sport-, Deutsch- und Politiklehrer am eigenen Leib erfahren musste. Am 11. November, pünktlich um 11:11 Uhr sprang die Klassentür auf: „Plötzlich lief ein Karnevalsumzug mitten durch die Schule, mitten durch mein Klassenzimmer. Ich stand da und wusste überhaupt nicht, was los ist“, erinnert er sich.

Dennoch vermisst Güven seine Heimat, in der er nicht nur das Fußballspielen in der Treysaer Straßenmannschaft „Bausterkicker“ lernte, sondern nach wie vor Freunde und Familie hat.

Heimweh nach der Schwalm

Über das Heimweh hinweg tröstet den Treysaer der sportliche Erfolg: In der vergangenen Saison hat er die Wattenscheider B-Jugend zum Klassenerhalt geführt, der auch im Jahr 2011 angestrebt wird. Längst hat er sich einen Namen gemacht. „Alpi passt sehr gut in unser Team. Er ist ein junges Trainertalent, das unsere Einschätzung über die Förderung der Jugend teilt“, sagt SG-Jugendleiter Christoph Klöpper.

Schon während des Studiums war der Weg des jungen Trainers vorgezeichnet: Seine Examensarbeit an der Uni Marburg bekam mit 15 Punkten die Höchstnote, was wohl auch an des Autors Leidenschaft für das Thema gelegen hat: „Talentförderung im Jugendfußball“. (bf)

Von Steffen Schneider

Quelle: HNA

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