Frau zog ihr 300 Euro aus der Tasche – Rentnerin ruft zu mehr Vorsicht auf, sie ist enttäuscht über viele Passanten

Alte Dame warnt vor Trickdieben

Kann wieder lachen: Anna-Elisabeth Lehnfeld (90). Hilfspolizist Andreas Krüger eilte zu ihr, als die alte Dame am Fuß der Sparkassentreppe um Hilfe rief. Foto: Quehl

Schwalmstadt. Es ging alles blitzschnell. Doch obwohl es nun einige Tage her ist, spielt die 90-jährige das Geschehen in Gedanken immer wieder durch. Heute möchte sie andere vor allem warnen, damit ihnen nicht das Gleiche widerfährt. Dabei lief alles wie immer ab. Zuerst.

Wie üblich zu Beginn des Monats fährt Anna-Elisabeth Lehnfeld an einem der ersten Tage des Monats von Mengsberg nach Treysa, um sich in der Hauptstelle der Stadtsparkasse in der Bahnhofstraße Bargeld für den Monat auszahlen zu lassen. Sie will danach einige Einkäufe machen, es ist früher Vormittag, „auf der Bahnhofstraße war viel Betrieb“.

300 Euro hat die seit Januar verwitwete Frau abgehoben, steckt das Geld offen in ihre Handtasche und geht zur Treppe. Im Café nebenan will sie sich eine Tasse Kaffee gönnen und die Banknoten in ihre Börse einordnen. Von der Treppe bis zum Café sind es nur wenige Schritte, schon ist die rüstige alte Dame fast unten angekommen.

Auf einmal ist da eine junge Frau. Sie fuchtelt der alten Dame mit einem handbeschriebenen Zettel vor dem Gesicht herum. Dann rennt die Fremde davon, Anna-Elisabeth Lehnfeld weiß, ihr Geld ist weg, ruft um Hilfe. Aber alles gafft nur, „die Männer rundherum hätten der doch nachlaufen können“, entrüstet sich die Rentnerin. Nur Hilfspolizist Andreas Krüger eilt von etwas weiter unten herbei, stützt die alte Frau, ruft per Handy die Polizei. „Da war die Diebin längst weg“, berichtet Krüger ein paar Tage später, als wir mit der Rentnerin am Tatort zurück sind.

Irgendwann sind Streifenbeamte da, im Schuhhaus Herche rückt man rasch einen Stuhl für die 90-Jährige zurecht.

Nach ihren Aussagen steuert die alte Dame ihren Kleinwagen allein zum Hagebaumarkt in der Friedrich-Ebert-Straße, wo sie Besorgungen vorhatte. „Da saß ich erstmal zwei Stunden im Café, ich war total geschockt.“

Den Betrag kann die Witwe verschmerzen, sagt sie, „aber ich passe natürlich in Zukunft besser auf“. Unvorsichtig sei sie eigentlich nie, so überlege sie immer gut, wo sie ihr Auto abstellt, vermeidet unheimliche Situation, dunkle Parkhäuser zum Beispiel. „Ich hätte die Tasche richtig zumachen müssen“, sagt sie schuldbewusst. Aber auf sich beruhen lassen will sie die Sache nicht, „das war keine Einzeltäterin“. Die Menschen sollten gewarnt sein, findet die Mengsbergerin, man müsse auf Diebe gefasst sein und sich präparieren.

Das ist ein kluger Gedanke. Zwar ist etwa Vorstand Reinhard Hooß von der Stadtsparkasse so etwas direkt vor seinem Hause noch nicht zu Ohren gekommen, aber die Kripo weiß, dass solche Fälle in unserem Landkreis zuletzt stark zugenommen haben (Hintergrund).

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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