Meisterkonzert mit dem Concertino Dresden im Kurhaus – Lebensfreude des Barock

Alte Musik frisch gespielt

Überzeugend: Solist Prof. Peter Lohse (Trompete) mit dem Kontrabassist Bernd Haubold und Cellist Jörg Hassenrück. Fotos: Auerbach: 

Bad Zwesten. Die Musik aus der Zeit des Absolutismus stand im Mittelpunkt des Meisterkonzerts am Samstag im Kurhaus von Bad Zwesten. Die Musiker des Concertino Dresden, unter der Leitung von Prof. Peter Lohse, präsentierten Werke von Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi, Alessandro Marcello und Johann Sebastian Bach.

Zehn Musiker der Sächsischen Staatskapelle Dresden bilden das Ensemble. Wegen Erkrankungen war eine Umbesetzung der Hälfte der Musiker nötig. Deshalb fiel Marcellos „d-Moll Oboenkonzert“ ersatzlos aus. Durch die Umbesetzung litt die Präzision des Zusammenspiels beim Flötenkonzert.

Die vor über 300 Jahren komponierten Stücke spiegeln die Lebensfreude und Empfindsamkeit nach den musikalischen Prinzipien jener Zeit wider. Die Musiker aus Sachsen spielten die Stücke meist in geschliffenem Zusammenspiel und raffiniertem Ausdruck und ließen die strahlende Helligkeit des Barocks aufleben. Zunächst galt das für Telemanns D-Dur Sonate für Trompete, Streicher und Basso continuo. Tonangebend die Piccolo-Trompete, die Prof. Peter Lohse spielte. Auch dort, wo die Streicher ins Zentrum rückten, ließ er sein Instrument brillieren ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Stimmungsvoll stellten die Streicher und das Basso continuo die Dramatik des Sommers aus Vivaldis „Die Vier Jahreszeiten“ dar. Langgezogene Moll-Akkorde beschrieben die sengende Sonne und das Warten der Natur auf Kühlung. Im Spiel der Violinen hörte man Vogelstimmen und den Hirten über sein Schicksal klagen. Vivaldi war einer der Ersten, der die Erscheinungen der Natur musikalisch eindringlich auszudrücken vermochte.

Ein echtes Solokonzert für die Flöte soll der große Bach nicht komponiert haben. Nach der überlieferten Gewohnheit Bachs, Material aus früheren Werken in späteren zu verwenden, rekonstruierte der italienische Musikwissenschaftler Francesco Zimei das Flötenkonzert in h-Moll aus zwei Arien der Kantaten BWV 207 und 173a sowie der Sinfonia zu BWV 209. Wunderbar die feine Artikulation und der leichte, klare Ton, den Friederike Schmidt mit der Querflöte in den Raum zauberte.

Den Kopfsatz von J. S. Bachs „D-Dur Cembalokonzert“, BWV 1054, gestaltete Johst Schneiderath temporeich. Sensibel trug er die Aria des Mittelsatzes vor. Geradezu modern wirkten Melodie, Rhythmus und Betonung im Schlusssatz. Das „2. Brandenburgische Konzert“ F-Dur, BWV 1047 komponierte der geniale Bach nach eigenen Worten „zur Gemütsergötzung“. Concertino Dresden zog alle Register, musizierte vital und schwungvoll und bot ein prächtiges Klangbild. Die Zuhörer waren begeistert und spendeten lang anhaltenden Beifall.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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