Alternative Energiepflanze: Aus Wickroggen wird Biogas

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Roggen als alternative Energiepflanze: Mit Hilfe des Feldhäckslers wird der Wickroggen Mitte Juli geerntet, in luftdichten Silos gelagert und kann dann an die Biogasanlage geliefert werden.

Obermöllrich. Mais ist der Klassiker unter den Energiepflanzen. Ob es lohnende Alternativen gibt, wird auf dem Siebert-Hof in Obermöllrich zurzeit getestet. Mitte Juli wurde zum ersten Mal Wickroggen geerntet.

Laut Stefan Strube vom Kreisbauernverband handelt es sich beim Wickroggen statt reiner Roggenkörner um eine Saatmischung aus Roggen, Winterwicke und Wiesenschwingel (Futtergras).

Ausgesät wird der Wickroggen im September und kann im folgenden Juli geerntet werden. Bei der Ernte zerkleinert ein Feldhäcksler die Pflanzen. Das Erntegut wird in Silos gelagert und kann als Grundfutter für Wiederkäuer und als Gärsubstrat in Biogasanlagen wie in Homberg verwendet werden. Dort wird die Ernte zu Biomethangas umgewandelt und in das örtliche Erdgasnetz eingespeist.

Einige Vorteile des Wickroggens sind laut Strube: Günstiger Pflanzenschutz, niedrige Düngungskosten, geringer Wasserbedarf, gute Bodenerhaltung und der frühe Erntezeitpunkt des Wickroggens, der die Landwirte in der Erntesaison entlasten kann.

In der Zeit von der Ernte bis zur erneuten Aussaat kann dann Wiesenschwingel (Futtergras) wachsen und erneut geerntet werden.

Erste Ernte: Seniorchef Karl-Heinz Siebert und Betriebsleiter Markus Heppe zeigen den Wickroggen.

Marcus Heppe, Betriebsleiter des Siebert-Hofes in Obermöllrich, ist durch einen Fachartikel auf den Wickroggen gestoßen. Insgesamt habe er gute Erfahrungen damit gemacht. Als Alternative zum Mais sieht Heppe die Saat-Mischung noch nicht. „Entscheidend ist, dass es sich um eine Ergänzung handelt.“

Wochen vor der Ernte biete der Wickroggen zahlreichen Insekten Unterschlupf und Nahrungsgrundlage. „Es war sagenhaft, was da kreucht und fleucht“, erzählt Heppe. Er werde am gleichen Ort, mit einer angepassten Mischung und auf ähnlich großer Fläche wieder Wickroggen anbauen.

Bei der Ernte sei der Roggen etwa zwei Meter hoch gewesen. „Man muss sich kümmern und es ist eine Herausforderung, aber die Vorteile überwiegen“, erklärt Heppe. Trotz der Tatsache, dass der Anbau von Wickroggen derzeit noch eher die Ausnahme ist, beinhalte er großes Potenzial und erscheint als eine Alternative beim Anbau von Bioenergiepflanzen, erklärt Stefan Strube. Genaue Ertragszahlen könne man erst nach ein paar Ernten vergleichen.

Informationen: www.facebook.com/HofSiebert

Von Pia Sauerwald

Quelle: HNA

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