Mittlerer Abschluss: Schulversuch für Gymnasiasten, die nach der 9. Klasse abgehen

Alternative für G8-Schüler

Volker Wiegand

Schwalm-Eder. Die Gesamtschule Melsungen und die König-Heinrich-Schule Fritzlar hat das Hessische Kultusministerium im Schwalm-Eder-Kreis ausgewählt, an einem Schulversuch teilzunehmen, der für Schüler von Bedeutung ist, die im verkürzten gymnasialen Bildungsgang nach der 9. Klasse die Schule verlassen.

Nach der geltenden Regelung haben sie eine Art Hauptschulabschluss. Künftig sollen diese Schüler in den zwei Modellschulen einen mittleren Bildungsabschluss bekommen können, vorausgesetzt, sie erfüllen bestimmte Kriterien.

Die Gesamtschule Melsungen ist eine von 30 Schulen in Hessen, die für einen zunächst auf fünf Jahre angelegten Schulversuch ausgewählt wurden. Zielgruppe sind G8-Schüler, die nach der 9. Klasse die Schule verlassen, weil sie wegen schwacher Leistungen eine Ausbildung machen wollen. Weil die Kultusministerkonferenz (KMK) für einen Mittleren Schulabschluss zehn Schuljahre vorschreibt, standen Schüler des G8-Zweiges, die nach der 9. Klasse die Schule verließen, ohne Mittleren Bildungsabschluss da. Eltern hatten gegen die KMK-Regelung von zehn Schuljahren argumentiert, weil Schüler aus G8-Zweigen in neun Schuljahren schließlich den komprimierten Stoff von zehn Jahren absolviert haben.

„Diese Lücke wurde nun geschlossen“, sagte Volker Wiegand, Schulleiter der Gesamtschule Melsungen. „Über den Schulversuch gibt es nun die Möglichkeit, den Mittleren Abschluss nach neun Jahren zu bekommen“, erklärte Horst Günter Herold, Pressesprecher des Hessischen Kultusministeriums.

Ganz kleiner Prozentsatz

Dieses Pilotprojekt laufe hessenweit nun für fünf Jahre. Hessen sei damit deutschlandweit ein Vorreiter. Nach fünf Jahren werde man die Ergebnisse der Kultusministerkonferenz vorlegen, die auf dieser Grundlage entscheiden kann, ob die geltende Verordnung geändert wird, sagte Herold.

„Das betrifft nur einen ganz ganz kleinen Prozentsatz“, sagte Alfred Schiebel, Oberstufenleiter der König-Heinrich-Schule Fritzlar. Anmelden dürften sich nur Schüler, die in einen Ausbildungsberuf gehen. Die Pilotschulen organisieren die Prüfungen für Schüler aus dem ganzen Kreis. Diese Regelung wird nur für wenige Schüler Anwendung finden, meinte auch Volker Wiegand. Wer nach der 9. Klasse im gymnasialen G8-Zweig schwache Leistungen zeigt und in einen Beruf gehen möchte, „dem empfehlen wir, in die 10. Klasse Realschule überzuwechseln“.

Das heißt ein Jahr mehr Schule, dafür ein amtliches Dokument über die Mittlere Reife. Denn ein Mittlerer Abschluss sei kein Abschlusszeugnis, sondern ein so genanntes gleichgestelltes Zeugnis. (alx)

Quelle: HNA

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