Altersarmut im Kreis gestiegen

1900 ältere Menschen sind auf finanzielle Hilfe angewiesen

Schwalm-Eder. Die Armut nimmt im Schwalm-Eder-Kreis trotz guter Wirtschaftslage weiter zu - vor allem die Altersarmut. Waren es vor zwei Jahren noch etwa 1500 Empfänger von Grundsicherung im Alter, so sind es in diesem Jahr schon 1900.

„Das sind 22 Prozent mehr“, sagte gestern Landrat Frank Martin Neupärtl. Altersarmut sei im Landkreis längst ein Thema. Daher brauche der Landkreis auch die Unterstützung des Landes, erklärte Neupärtl und richtete diesen Appell direkt an Ministerpräsident Volker Bouffier. Der war am Donnerstagmorgen zu Gast in Homberg und besuchte dort unter anderem den „Ein-Laden“ des Diakonischen Werkes. Dieses Angebot am Obertor soll Teilhabe ermöglichen sowie Armut und Ausgrenzung bekämpfen helfen. Im „Ein-Laden“ ist neben einem Secondhand-Kleiderladen und einem Begegnungsbereich auch die Homberger Tafel untergebracht.

Ältere Leute schämen sich

Dort spürt man ebenfalls den Anstieg an hilfebedürftigen älteren Menschen: „Der Bedarf ist in diesem Jahr klar gestiegen, und es gibt eine hohe Dunkelziffer. Viele ältere Menschen schämen sich, und wir müssen sie überreden, Hilfe anzunehmen“, sagte Margret Artzt, die Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Landkreis. „Wir haben seit diesem Monat wieder eine Warteliste“, erklärte Peter Laukner, Koordinator der Tafel. 40 Menschen seien darauf notiert, fügte Barbara Redlich an. „Um so wichtiger ist es, dass die Arbeit des „Ein-Ladens“ noch bekannter wird“, sagte Artzt.

Der Besuch des Ministerpräsidenten sei eine Bestätigung dafür, dass es richtig ist, nicht nur für Menschen, sondern auch mit ihnen zu arbeiten.

Leute, die von Armut betroffen sind, beteiligen sich ehrenamtlich an den Tätigkeiten im „Ein-Laden“. Zudem gibt es zwei Bürgerarbeitsplätze und Ein-Euro-Jobs.

Angebote nicht nur in Homberg

„Teilhabe ermöglichen - gegen Armut und Ausgrenzung im ländlichen Raum“, so lauten der Name und das Motto eines Arbeitsbereiches, durch den seit 2010 Projekte geplant und umgesetzt werden. Unter der Federführung von Jürgen Kurz wurde in Kooperation mit kirchlichen und diakonischen Einrichtungen, mit Vereinen und Verbänden in den vergangenen zwei Jahren ein größeres Projekt entwickelt: der Ein-Laden am Obertor in Homberg. Das Angebot richtet sich an alle Homberger. Weitere Aktivitäten und kleinere Projekte wurden bereits begonnen, wie der Gemeindemittagstisch in Ziegenhain, der Mach-mit-Treff in Fritzlar und der Borkener Fahrraddienst.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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