Heimatmuseum Neukirchen veranstaltete Vortrag zum Schusterhandwerk

Altes Handwerk neu belebt

Setzten das Handwerk ins rechte Licht: (von links) Werner Thuleweit, Bernd Richardt, Helmuth Weidemeyer und Heinrich Spohr.

Neukirchen. In Neukirchen drehte sich am Sonntag im Heimatmuseum alles um den Schuh und seine Herstellung. Vom Gerben des Leders bis hin zu seiner Verarbeitung. Gerbermeister Heinrich Spohr und Schuhmachermeister Bernd Richardt erzählten viel aus ihrem Berufsleben und der Geschichte des Schusterhandwerks. Untermalt wurde der Vortrag von Helmuth Weidemeyer. Er hatte Stücke aus der Weltliteratur herausgesucht, in denen der Schuh und das Schusterhandwerk eine ganz besondere Rolle spielen.

Die Veranstaltung war Teil einer neuen Reihe des Heimatmuseums. Neukirchen war in der Vergangenheit für seine zahlreichen Handwerker bekannt. In dieser Tradition will das Museum mehrere Handwerksberufe vorstellen. Heinrich Spohr ist gelernter Gerbermeister und arbeitete auch bis 1965 in diesem Beruf.

Mittlerweile verkauft der Familienbetrieb zwar Schuhe, aber Spohr erinnert sich gern an die Zeit zurück, als sie noch eine Gerberei betrieben. In den Wäldern rund um Neukirchen wurde schon früh Gerberrinde angebaut. Man gerbte vor allem Oberleder zur Schuhherstellung, das dann an die umliegenden Schuster weiterverkauft wurde.

Heute sei dies anders, erzählte Richardt. In Deutschland gebe es kaum noch Oberledergerbereien. Man könne einfach nicht mit den Billiglohnländern konkurrieren, daher wird der Rohstoff meist aus dem Ausland bezogen. „Leder spielt heute keine ganz so große Rolle mehr in der Schuhherstellung, da viele Synthetikstoffe verwendet werden, trotzdem ist es immer noch das gesündeste Material“, erklärte der Schumachermeister.

Früher stellte man den kompletten Schuh aus Leder her. Dies hatte aber vor allem den Nachteil, dass dieser sehr schwer wurde. Dies konnten die Besucher am Sonntag auch selbst ausprobieren, denn die Referenten hatten reichlich Schuhe aus allen Jahrzehnten mitgebracht. Eine besondere Rolle spielte in der Region der „Schwälmer Schuh“, der einleistig hergestellt wurde – es gab nicht einen rechten und einen linken Leisten, sondern beide waren gleich. „Das hat auch Kosten gespart, da konnte man die Schuhe einfach tauschen, wenn eine Seite besonders abgelaufen war“, scherzte Bernd Richardt.

Von Kristian Knauff

Quelle: HNA

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