Altes Haus als Aufreger

Bürgerversammlung: Dr. Maraun kritisiert Wohnprojekt für Behinderte im Gerichtsgebäude

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Das frühere Amtsgericht an der Wolfhager Burgstraße; Hier will die Baunataler Diakonie ein Haus für Behinderte einrichten.

Wolfhagen. Das Thema hatte niemand so wirklich auf der Rechnung zu Beginn der Bürgerversammlung am Freitagabend in der Wolfhager Stadthalle. Mit einer Ausnahme: Dr. Georg Maraun.

Der 86-jährige Sozialdemokrat und Jurist las den städtischen Gremien wegen ihrer Entscheidung, den Umbau des früheren Wolfhager Amtsgerichts zu einem Wohnheim für Behinderte zu unterstützen, die Leviten.

Zunächst erklärte Dr. Maraun, lange Jahre Erster Beigeordneter des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, noch ruhig, dass er es richtig finde, dass sich die Stadt für Behinderte engagiere, um dann gegen das geplante Projekt in dem seit Jahren leerstehenden Justizgebäude zu wettern.

„Das Haus ist so ungeeignet für Behinderte wie kein anderes. Es ist ein Skandal.“ Mitten in der Altstadt gelegen sei das Gebäude von drei Straßen umgeben, ohne Park, ohne Freifläche für einen Aufenthalt an der frischen Luft.

„Das würde ich als Behindertenkaserne bezeichnen.“

Dr. Georg Maraun

„Ich halte es für einen Skandal und für menschenunwürdig, dass in dem Haus Behinderte untergebracht und betreut werden sollen“, rief er ins Mikrofon. Das Gerichtsgebäude, in das die Baunataler Diakonie 1,5 Millionen Euro investiert, um 13 Wohnplätze für Menschen mit Behinderungen zu bauen, „würde ich als Behindertenkaserne bezeichnen“, so Dr. Maraun.

Es wäre besser, man würde in eine Anlage investieren, „aus der die Menschen auch herauskönnen“. Die Einrichtung im Wolfhager Gerichtsgebäude „widerspricht allen Voraussetzungen moderner Unterbringung“.

Bürgermeister Reinhard Schaake machte deutlich, dass es am vorgesehen Projekt nicht zu rütteln gebe. Zum einen habe das Stadtparlament mit Mehrheit beschlossen, das Projekt, dass im Bereich des Fördergebietes „Aktive Kernbereiche“ angesiedelt ist, entsprechend der Förderrichtlinien mit rund 118 000 Euro zu unterstützen.

Seriöser Träger

Der Träger, die Baunataler Diakonie, sei seriös, betonte Schaake und handele nach einer zeitgemäßen Philosophie: Dabei stehe die Integration der Behinderten in ihrem Wohnort, in der Stadt Wolfhagen, im Mittelpunkt. Den Menschen solle ein möglichst normaler Alltag mitten in der Kommune ermöglicht werden. Deswegen weise er auch Dr. Marauns Vorwürfe klar zurück.

Gier nach Gas

Maraun beschäftigte noch ein weitere Thema: Fracking, „die Gier nach Gas“, wie er es formulierte. Hier lobte er, „dass die Stadt Ablehnung gezeigt hat“, gegenüber dem Vorhaben, in der Region zu bohren. Sie könne und müsse aber mehr tun, und zwar auf Grundlage des Grundgesetzes den Klageweg beschreiten.

Bürgermeister Schaake: „Wir werden dafür kämpfen, dass die Rechtsgrundlagen verändert werden, damit wir Einfluss nehmen können. Das werden wir aber nicht allein machen, sondern gemeinsam mit der Region.“

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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